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und kömmt nicht zu derſelben Zeit mit den Leuten dahin, welche ſeine Waaren einzu⸗ tauſchen verlangen: ſo wird er da auf dem Markte hinſitzen und ſeine Arbeit ſtehen laſſen?— Keineswegs, verſetzte er, ſondern es finden ſich Leute, welche dies merken und daher ſich dieſem Dienſte widmen; in den wohl eingerichteten Staaten ſind es ſo meiſt die körperlich Schwächſten und die zum Verrichten einer andren Arbeit Unbrauchbaren. Dieſe duürfen freilich dort auf dem Markte ſitzen bleiben und einer⸗ ſeits gewiſſe Erzeugniſſe bei denen, welche etwas verkaufen müſſen, für Geld ein⸗ tauſchen, andrerſeits denen, welche etwas kaufen müſſen, gleichfalls für Geld ver⸗ tauſchen. Dieſes Bedürfniß, fuhr ich ununterbrochen fort, bringt uns in den Staat die Entſtehung der Krämer. Oder nennen wir nicht die zum Kauf und Verkauf dienenden Hocker auf dem Markte Krämer, dagegen die Städte und Länder Bereiſen⸗ den Handelsleute?— Ja das ganz gewiß.— Ferner, wie ich einmal glaube, gibt es bekanntlich noch eine gewiſſe Klaſſe von andren Dienern, welche zwar hinſicht⸗ lich der Gaben ihres Verſtandes der Aufnahme in eine Geſellſchaft nicht ganz würdig wären, aber hinreichende körperliche Stärke zu den ſchweren Arbeiten haben; da dieſe bekanntlich ihre Stärke verkaufen und den Werth dafür Lohn nennen, ſo heißen ſte, wie ich glaube, Lohndiener, nicht wahr?— Ja das ganz richtig.— Einen eine Staatsgeſellſchaft ausfüllenden Beſtandtheil bildeten demnach offenbar auch die Lohndiener.— Ich glaub's.— Iſt etwa alſo, o Adimantus, bereits uns der Staat ſchon ſo herangewachſen, daß er vollſtändig iſt?— Vielleicht.— Wo nun denn möchte ſich in ihm einmal die Gerechtigkeit und dann die Ungerechtigkeit befinden? Und mit welchem der von uns bisher betrachteten Beſtandtheile iſt jene in ihn hineingerathen? — Ich einmal, antwortete er, bemerke ſie nicht,(372) o Socrates; ſie müßte denn in einem gewiſſen gegenſeitigen Bedürfniſſe*) eben dieſer Theilnehmer liegen.— Nun, fuhr ich fort, vielleicht kannſt du Recht haben, drum nur weiter geforſcht und den Muth nicht verloren! Zuerſt nun wollen wir einmal ſehen, auf welche Weiſe die bisher alſo mit ihren Bedürfniſſen verſehenen Einwohner ihre Lebensart einrichten werden.**) Nicht wahr, ſie werden erſtlich bei ihrem Getreide⸗, Wein⸗ und Häuſerbau, bei ihrer Kleider⸗ und Schuhmacherei Sommers zwar meiſt ziemlich entblößt und barfuß, aber im Winter gehörig eingehüllt und beſchuht ihre Arbeit verrichten; zwei⸗ tens, ihre Nahrung anlangend, werden ſie aus Gerſte grobes, aus Weizen feines
*) Dies gehört zum Staate, iſt aber weder das Weſen desſelben, noch das der Gerechtigkeit“ Um zur Anſchauung desſelben zu gelangen, muß der Staat nicht bloß in ſeinem Natur⸗ oder Ur⸗, ſondern auch in ſeinem üppigen Zuſtande betrachtet werden. 3 Kna
*) Bei dieſer Beſchreibung von dem Urſprunge des Staates ſteht der platoniſche Socrates, nicht ohne ironiſchen Seitenblick auf üppiger gewordene Lebensart ſeiner Zeit, ganz auf hiſtoriſchem Boden. Namentlich in dem unfruchtbaren Attica war die Lebensart in alter Zeit höchſt einfach. Thiere, namentlich Hausthiere zu morden und ihr Fleiſch zu eſſen, hielt man für Unrecht.*


