Aufsatz 
Das zweite Buch des platonischen Gottesstaates, oder: Plato's eigene Ansicht vom Wesen der Gerechtigkeit, ihre Nachweisung zunächst im Staate, Jugendbildung der künftigen Kriegs- und Staatsmänner, Kritik der Dichtungen und Mythen vom Standpunkte der Moral und der reinen Gottesbegiffe in Hinsicht auf die Erziehung / von Wilhelm Wiegand
Entstehung
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rigen Werkzeuge; eben ſo wenig ferner der Häuſerbauer, denn viele Werkzeuge braucht auch dieſer; eben ſo ferner ſowohl der Weber als der Schuhmacher. Richtig. Demnach werden alſo Handwerker in Holz und Eiſen ſowie mancherlei Werkmeiſter der Art noch Genoſſen unſerer kleinen Staatsgemeinde werden und ſie ſchon zahlreich machen. Ja das einmal ſchon. Aber ſie dürfte noch keine überaus große ſein, wenn*) wir ihnen auch noch Rinder⸗ und Schafhirten ſowie die Hüter des übrigen Viehes hinzufügten, damit die Landbauer zu ihrem Pflügen Ochſen hätten, damit ferner die Häuſerbauer zu ihren Fuhren neben den Landbauern Zugvieh ver⸗ wenden, nebſtdem aber Weber und Schuhmacher Häute und Wolle benutzen können. Auch gar nicht klein, erwiderte er, würde die Gemeinde ſein, wenn ſie alle dieſe Stücke hätte. Ferner, fuhr ich fort, den Staat an und für ſich in einer ſolchen Gegend anzubauen, daß er dort keiner Zufuhren bedürfen werde, iſt faſt unmöglich. Unmöglich freilich. Es bedarf demnach auch noch andrer Leute, welche ihm aus einem andren Staate die Dinge herbeibringen, welche er aus dieſem nöthig hat. Ja, er bedarf dieſer. Weiter, käme der Bote leer, ohne etwas von den heimiſchen Erzeugniſſen mitzubringen, deren die Bürger jenes fremden Staates bedürfen, von welchen man ſich die Producte holen laſſen möchte, welche man zu Hauſe(371) nöthig hat: ſo wird er da gewiß auch wieder leer**) heimgehen, nicht wahr? Ich glaub' es. Man muß alſo daheim nicht bloß für den eignen Bedarf hinreichende Produkte liefern, ſondern auch ſolche und ſo viele, als ausreichend ſind für jene Aus⸗ wärtigen, welche daran Mangel haben. Ja freilich. Mehr Landbauer ſowohl als auch der übrigen Werkmeiſter bedürfen wir demnach für unſeren Staat. Mehr freilich. Sonach auch der übrigens nöthigen Boten, welche die Ein⸗ und Ausfuhr der jedesmaligen Producte zu beſorgen haben; dieſe ſind aber die Handelsleute, nicht wahr? Ja. Demnach brauchen wir auch Handelsleute. Ganz gewiß. Und wenn nun gar zur See der Handel geſchieht, da wird man noch zahlreicher andrer Leute bedürfen, welche ſich auf die Fertigung der das Seeweſen betreffenden Geräthſchaft verſtehen. Zahlreiche freilich. 12. Wie aber im Innern des Staates ſelbſt? Wie ſollen ſie ſich hier ein⸗ ander die Erzeugniſſe mittheilen, welche ein jeder liefert? Denn wegen des Aus⸗ tauſches derſelben haben wir doch bekanntlich eine Gemeinſchaftlichkeit veranſtaltet und einen Staat gegründet. Offenbar ja doch, antwortete er, durch Verkaufen und Kaufen. Ein Markt alſo und eine geſetzliche Geldmünze behufs des Umtauſches wird uns hieraus entſtehen. Das gewiß einmal. Bringt nun der Landbauer oder ſonſt ein andrer der Handwerker etwas von ſeinen Producten auf den Markt

*) Ich möchte jetzt mit Hermann hier lieber Kel als mit ihm ein 030: für 10* einrücken. **) Plato geht hier vom erſten Urſprunge des Handels aus, welcher bekanntlich Tauſchhandel war.