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Mehl ſich bereiten, das eine zu Brei kochen und das andre verbacken, werden ſchöne Portionen des Gekochten und Gebackenen auf Strohgeflechten oder ſauberen Baum⸗ blättern vor ſich aufſchichten, werden, auf Streuen von Epheu und Myrten gelagert, ſich und ihren Kindern es gut ſchmecken laſſen, Wein dazu trinken, bekränzt und unter frommen Lobgeſängen auf die Götter, werden ein fröhliches Leben mit einander führen, dabei über ihr Vermögen leine Nachkommenſchaft haben, aus Furcht vor Armuth und Feindſchaft.
. 13. Da fiel Glauco ein: du taſſeſ die Leute ppeiſen ohne daß ſie etwas Leckeres zum trockenen Brote haben?*)— Richtig bemerkt, erwiderte ich; ich habe vergeſſen, daß ſie auch was Leckeres zum Brode haben müſſen, natürlich Salz, Oliven, Käſe Zwiebeln, Gartengemüſe und überhaupt Geköchſel, wie es ſolches bekanntlich auf dem Lande gibt; auch Knupperwerk zum Nachtiſche wollen wir ihnen auftragen von Feigen, Kichererbſen, Bohnen, auch Myrtenbeeren und Eicheln werden ſie ſich am Feuer röſten neben einem guten Trunke. Alſo werden ſie ihr Leben in Frieden und in Geſund⸗ heit dahin bringen und natürlich bei ihrem Tode in hohem Alter auf ihre Nachkommen ein anderes ähnliches Leben vererben.— Ja, ſagte da jener, wenn du, o Socrates, für Schweine einen Staat einrichteteſt, würdeſt du ſie da mit etwas andrem füt⸗ tern, als mit ſolchem Zeuge?— Aber wie ſoll ich ſie denn tractieren, mein lieber Glauco? ewiderte ich.— Ganz wie es jetzt Sitte und Ordnung iſt, antwortete er; auf Polſtern müſſen doch die Leute, denk' ich, ſich niederlaſſen, wenn ſie nicht ein Hundeleben führen ſollen, von Tiſchen ſpeiſen, und zwar Beilagen und Deſſert haben, ganz wie man ſie heut' zu Tage hat!— Schon gut, erwiderte ich, ich begreife; wir haben, ſcheint's einen Staat nicht bloß nach ſeinem natürlichen Urſprunge zu betrachten, ſondern auch einen in ſeiner ausſchweifenden Ueppigkeit. Vielleicht iſt es wirklich für unſere Unterſuchung auch gar nicht übel; denn bei der Betrachtung eines alſo entarteten Staates erblicken wir vielleicht, wie denn Gerechtigkeit ſowohl wie Ungerechtigkeit in den Staaten ſich natürlich erzeugen. Der natürliche und gleichſam geſunde Staatskörper einerſeits ſcheint mir der zu ſein, welchen wir eben dargeſtellt haben; wollet ihr andrerſeits auch einen im unnatürlichen Fieber⸗ zuſtande befindlichen Staat betrachten, ſo hindert nichts. Denn wirklich kömmt es wahrſcheinlich einmal dahin, daß die vorhin erwähnten Einrichtungen und auch die erwähnte Lebensführung gewiſſen Herrn(373) nicht mehr genügen; ſondern es
*) Mit dieſem Satze ſuchte ich das Wort 5 1ον auszudrücken, welches im Griechiſchen eine ſehr weite Bedeutung hat. Meine Vorgänger überſetzen es mit Zukoſt, welches Wort weder jene Bedeu⸗ tung ausdrückt noch am Rheine populär iſt. Der vornehme Städter, wie hier Glauco, kann ſich freilich mit ſolcher frugalen Mahlzeit ohne Zugehör(Fleiſch, Fiſche ꝛc.) nicht mehr befreunden; denn
mit der Erbeutung des perſiſchen Goldes zog auch eine üppige Lebensart bei den vornehmen Bürgern Athens ein.
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