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dieſes meines Glaubens finde ich aber in eurem ſonſtigen Character: denn nach euren Reden allein würde ich dieſen Glauben an euch nicht haben. Je mehr ich aber dieſen guten Glauben von euch hege, deſto mehr finde ich mich in Verlegenheit und weiß nicht, was ich anfangen ſoll. Nämlich meinerſeits ſehe ich augenblick⸗ lich kein Mittel, wie ich die Ehre der Gerechtigkeit retten kann, denn dazu bin ich wohl unfähig, und als Beweis hiervon gilt mir, daß ihr mit meinen vorgebrachten Gründen, mit welchen ich gegen den Thraſymachus dargethan zu haben glaubte, Ge⸗ rechtigkeit ſei beſſer als Ungerechtigkeit, nicht zufrieden ſeid; andrerſeits iſt es mir aber auch unmöglich, die Ehre der Gerechtigkeit im Stiche zu laſſen. Ich bin nämlich in Furcht, es möchte ſündhaft ſein, wenn man in Gegenwart einer Schmähung auf die Gerechtigkeit den Muth verliert und ſie im Stiche läßt, ſo lange man noch Athem hat und noch einen Laut von ſich geben kann. Demnach iſt es wohl am beſten, daß ich mich ihrer in dem Maße annehme, als meine Kräfte es vermögen.— Da baten nun nicht nur Glauco ſondern auch die übrigen, auf jede mögliche Weiſe ihr Beiſtand zu leiſten und die Unterſuchung nicht fahren zu laſſen, ſondern ganz gründlich zu erforſchen, erſtlich was das Weſen von beiden(Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit) ſei, und zweitens bezüglich der Frage über den Nutzen von beiden, auf welcher von bei⸗ den Seiten dieſer ſich wirklich befinde. Da äußerte ich mich nun ganz, wie ich dachte: der Gegenſtand unſerer Unterſuchung iſt nicht unbedeutend, ſondern erfordert einen Mann von ſcharfem Blicke, wie mir wenigſtens die Sache vorkömmt. Da wir uns nun einmal hierin nicht ſonderlich auszeichnen, fuhr ich fort, ſo halte ich es für gut, die Erforſchung desſelben ganz ſo anzuſtellen, wie wir es machen wür⸗ den, wenn uns jemand aufgegeben hätte, eine Schrift von ganz kleinen Buchſtaben von weitem zu leſen, ohne daß wir ein außerordentlich ſcharfes Auge hätten, hernach aber einer gewahr würde, daß dieſelbe Schrift irgend anderswo in größerer Geſtalt und an einem größeren Gegenſtande ſich fände; für einen großen Fund, denk ich, würde hier der Vorſchlag gelten, erſt dieſe größere Schrift zu leſen und hernach auch die kleinere betrachten und zuzuſehen, ob ſie denſelben Gedanken darſtellten. — Ja gewiß, hob da Adimantus an, würde dies einmal der Fall ſein; aber mein Socrates, welche Aehnlichkeit hiemit bemerkſt du denn bei der Forſchung über das Weſen der Gerechtigkeit?— Ja, verſetzte ich, das will ich dir ſagen: Gerechtigkeit, gibt man doch wohl zu, befindet ſich erſtlich im einzelnen Menſchen, und zweitens auch im ganzen Staate?— Ja wohl.— Und nicht wahr, der Staat iſt größer als der einzelne Menſch?— Ja, größer.— Gewiß alſo wird demnach in dieſem Dinge von größerem Maßſtabe ſich eine Gerechtigkeit in größerm Maßſtabe befinden und darum leichter zu erfaſſen ſein. Wenn es euch alſo beliebt, ſo wollen wir erſt an (369) den Staaten das wahre Weſen der Gerechtigkeit aufſuchen, hernach auf dieſe Weiſe es auch in dem menſchlichen Einzelweſen betrachten, indem wir


