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noch luſtigere Güter zu Theil werden. Sie laſſen ſie nämlich in das Reich des Jen⸗ ſeits kommen, dort ſich zur Tafel ſetzen und laſſen da ein Gaſtmal der Frommen veranſtalten, ſie mit Kränzen ſich ſchmücken und die ganze Ewigkeit bei dem Becher berauſchender Weine zubringen, weil ſie glaubten, der herrlichſte Lohn der Tugend ſei ein ewiger Rauſch. Und manche endlich dehnen die Belohnungen von den Göttern noch weiter aus, als der eben erwähnte Muſäus und ſein Sohn. Kindeskinder nämlich, wie dieſe ſich ausdrücken, bleiben zurück von den Gottesfürchtigen und Eidhaftigen. Alſo mit dieſen und andern dergleichen Lobreden erheben die Gerechtigkeit die Lobredner derſelben. Die Gottloſen und Ungerechten dagegen werden andererſeits nach ihnen ich weiß nicht in welchen Koth in der Unterwelt vergraben, müſſen mit einem Siebe Waſſer tragen, und zuvor noch im Leben dieſer Erde laſſen ſie dieſelben bei den Menſchen in üblen Ruf gerathen, kurz, die Qualen, welche Glauco von den in den Augen der Welt für ungerecht geltenden Gerechten anführte, dieſe erzählen ſie von den Ungerechten. Sonſt aber wiſſen ſie für die Verwerflichkeit der Ungerechtigkeit nichts vorzubringen. So viel alſo von dem Lobe über die Gerechten auf der einen und von dem Tadel über die Ungerechten auf der andern Seite.*)
7. Aber außer den erwähnten Gründen des Lobes und Tadels, o Socrates, mußt du noch ferner eine andere Art von Aeußerungen über Gerechtigkeit und Unge⸗ rechtigkeit erwägen, welche aus dem Munde der Proſaiker ſowohl wie aus dem der Dichter kommen.(364) Alle nämlich ſtimmen aus einem Munde das Loblied an, wie einerſeits die Nüchternheit und Gerechtigkeit zwar ein ſchönes, jedoch mit Be⸗ ſchwerlichkeiten und Elend verknüpftes Ding, andrerſeits das zügelloſe Leben ſowie die Ungerechtigkeit ſüß und leicht erwerbbar ſei und bloß vor der öffentlichen Meinung und den Geſetzen als ſchändlich gelte. Dabei ſind aber auch nach der Stimme dieſer Leute die ungerechten Handlungen meiſt vortheilhafter, als die gerechten, und daher
pflegen ſie auch gar zu gern reiche und in ſonſtigen Beziehungen viel vermöͤgende Sünder glucklich zu preiſen und zu ehren, im Staats⸗ wie im Privat⸗Leben; dagegen ſchätzen ſie gering und ſchauen ſie über die Achſel an jene, welche in der Welt nichts vermögen und arm ſind, obgleich ſie allgemein zugeſtehen, daß ijene unvermögenden und armen Leute moraliſch beſſer ſind, als ihr Gegentheil. Am allerauffallendſten von allen dieſen Lehren ſind aber für den Denkenden die, welche über das Verhält⸗ niß zwiſchen den Göttern und der Tugend gepredigt werden. Hiernach nämlich hätten erſtlich die Götter vielen Guten Mißgeſchicke und ein elendes Leben beſchieden, dagegen den Menſchen des entgegengeſetzten Charakters ein entgegengeſetztes Loos. Ferner
eiſchen Myſterien nach Attica verpflanzt haben, in welchen aber, wie Plato hier nicht ohne Ironie zu erkennen gibt, die angebliche höhere Weisheit eine ſehr handgreifliche Glückſeligkeit der Tugend lehrte.
*) Nämlich von der Seite der ungeſchickten und unpiſſenſchaftlichen Prunde der ernehhugtei (Tugend).


