der Menſch abgeſchnitten wird von der in der ſinnlichen Welt, die ihn umgibt, ausgedrückten, ſeine Einbildungskraft mit Gewalt ordnenden Vernunft; wenn er von Sinnen kömmt, im Traume, im Fieber,— wahn⸗ſinnig wird: ſo verhindert ihn nicht die ihm überall beiwohnende eigene reine Vernunft, das Ungereimteſte zu denken, anzunehmen, für gewiß zu halten. Er kömmt von Verſtande und verliert ſeine menſchliche Vernunft, ſo wie er von Sinnen kömmt, ſo⸗ wie das Wahr⸗nehmen ihm unmöglich wird. Denn ſeine eingeſchränkte menſchliche Vernunft iſt lauter Wahr⸗Nehmung, innere oder äußere, mittelbare oder unmittelbare.“(Sendſchr. an Fichte, Bd. S. 34. Damit vergl. die Beilage C. zu: Von den göttlichen Dingen ꝛc., Bd. III, S. 455.) Darum kann den wahren dogmatiſchen Theismus durchaus nicht Kant's Vorwurf treffen, daß er der Vernunft erlaube, idealiſchen Erklärungen der Natur⸗Erſcheinungen nachzuhängen, und daruͤber die phyſiſchen Nachforſchungen zu verſäumen.„Der ächte Theismus, der platoniſche, iſt mit Nichten ein ſolcher Verführer, ſondern im Gegentheil gibt allein er im ſtrengſten Verſtande und ohne irgend einen Abbruch der Wiſſenſchaft, was der Wiſſenſchaft und Gott oder dem Geiſte, was Gottes und Geiſtes iſt.“(Von den göttlichen Dingen ꝛc. ꝛc., Bd. III, S. 374.)
11) Dagegen iſt aber wiederum die in der Natur ausgedrückte Vernunft allein und für ſich nur ein ſtummer Buchſtaben ohne die menſchliche.„Die heiligen Vocale(Ideen), öhne welche ihre Schrift nicht geleſen, das Wort nicht ausgeſprochen werden kann, das aus ihrem Chaos eine Welt hervorruft, ſind im Menſchen.“(A. a. O. Bd. III S. 327.) Die empiriſche und demonſtrierte Erkenntniß des Göttlichen in der Natur befähigt und erhebt die menſchliche Vernunft zu dem(Ver⸗ nunft⸗) Glauben an Gott und alles Ueberſinnliche, aber zu Gott führt jene Erkenntniß nicht un⸗ mittelbar.„Die Natur verbirgt Gott, weil ſie überall nur Schickſal, eine ununterbrochene Kette von lauter wirkenden Urſachen, ohne Anfang und Ende offenbart, ausſchließend mit gleicher Noth⸗ wendigkeit beides: Vorſehung und Unge fähr... Der Menſch offenbart Gott, indem er mit dem Geiſte ſich über die Natur erhebt und kraft dieſes Geiſtes ſich ihr als eine von ihr un⸗ abhängige, ihr unüberwindliche Macht entgegenſtellt, ſie bekämpft, überwältigt, beherrſcht. Wie er an dieſe ihm inwohnende, der Natur überlegene Macht lebendig glaubt: ſo glaubt er an Gott; er fühlet, er erfährt ihn. Wie er an dieſe Macht in ihm nicht glaubet, ſo glaubet er auch nicht an Gott, er ſiehet und erfährt überall bloß Natur, Nothwendigkeit, Schickſal. Wenn die Natur allein iſt, dann iſt ſie das Allmächtige, und heiliger Wille iſt überall nicht. Dann ſind Tibere und Nerone, Ezzeline und Borgia möglich, aber kein Sokrates, kein Chri⸗ ſtus.— Mit Wahrheit zeugte darum der Heilige(Chriſtus) von ſich ſelbſt: daß ſo man ihn erkenne, man auch erkenne den Vater; und daß wer an ihn glaube, nicht glaube an ihn, ſondern an den, von dem er ausgegangen ſei.“(A. a. O. S. 425 u. 426. Damit vergl. ebendaſ. S. 315.— Die hier angedeutete Anſicht von Chriſtus iſt deutlicher ausgeſprochen ebendaſ. S. 285.)
Alſo ſtehen bei Jacobi, wie bei Plato, Gott, Welt und Menſch in ſchönſtem Einklange, und die von Kant zwiſchen dem Jenſeits und Diesſeits gelaſſene Kluft iſt zur Zufriedenheit der Vernunft und aller hohen Intereſſen der Menſchheit ausgefüllt. Bei Plato wie bei Jaeobi hebt alles Philo⸗ ſophieren mit einem Glauben, d. h. mit Ahnung(Anamneſis oder Erinnerung) vom Wahren an und hört mit Glauben auf, d. h. mit Zuverſichtlichkeit an die Anſchauungen der vollſtändig ent⸗ wickelten Vernunft, welche alle demonſtrierende Verſtandes⸗Wiſſenſchaft an Gewißheit übertrifft; hier wie dort ſtehen Erkennen und moraliſcher Zweck in der innigſten Beziehung. Weniger dialektiſch objectiv als Plato deducierte Jacobi in ſeinen Schriften das Moraliſche, indem er die Tugend des Menſchen


