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Auf eine wunderbare Weiſe ward Kant der Heiland der Philoſophie, Pndenenn er fe von dem ſcholaſtiſch⸗wolfiſchen Götzendienſt befreite und ihr den wahren Weg zum Himmel zeigte, zugleich aber auch der neue Adam, der ſich wenigſtens durch ſeine Anhänger den Schein zuzog, die von ihm ſelbſt verbotene Frucht verkoſtet zu haben. Er begieng nämlich, wie wir ſchon oben andeuteten, den ſonderbaren Widerſpruch, daß er einerſeits die Möglichkeit einer Erkenntniß des Ueberſinnlichen läugnete, andrerſeits das An⸗ſich⸗Wahre der ſinnlichen Dinge nicht erkennen zu können offen ein⸗ geſtand, an die Stelle aller wahren Erkenntniß einen blinden und durch die Wiſſenſchaft nicht ver⸗ mittelten Glauben ſetzte und hernach auf dieſen grundloſen Boden ſein ganzes Theorem der prac⸗ tiſchen Philoſophie conſtruierte. Seinen Anhängern von Kopf konnte dieſer Widerſpruch nicht entgehen, und ſie mußten, wenn ſie nicht von vorn herein die gänzliche Unbrauchbarkeit aller Philoſophie eingeſtehen wollten, jene große Kluft, welche Kant zwiſchem dem Sinnlichen und Ueberſinnlichen gelaſſen hatte, ausfüllen oder mit Brücken verbinden, um der Philoſophie einen einheitlichen Grund zu geben. Jene Verbindung konnte aber auf zweierlei Weiſe geſchehen; ent⸗ weder von der Seite des Ueberſinnlichen(Idealen), oder von der Sinnlichen(Realen). Beide Ver⸗ ſuche wurden auch gemacht, der eine von Fichte(1762—1814), der andere von Schelling (1775— 185.4). Leider wurde aber ein jeder davon dem eigentlichen Geiſte Kant's ſchnurſtracks entgegen gemacht, indem auf beiderlei Weiſe das Ueberſinnliche wieder der Gewalt der conſtruieren⸗ den Verſtandes⸗Wiſſenſchaft unterworfen wurde, wovon es befreit zu haben, das große Verdienſt und die würdige Lebensaufgabe Kant'’s geweſen war. Wie den für alles Hohe und Heilige nach⸗ theiligen Folgen der kantiſchen Lehre, ſo rief Jacobi auch den Irrthümern Fichte's und Schel⸗ ling's ſein Quosego entgegen, was weiter zu verfolgen dieſer Raum verbietet.— Er ſah noch prophetiſch die aus Kant's, Fichte's und Schelling's Grundſätzen nothwendig folgende Selbſtver⸗ götterungs⸗Lehre Hegel's(1770—1831), die ganze künftige Verfahrenheit der Geiſter und Zeiten, ja ſogar den von uns erlebten Glauben an die„Klopfgeiſter“ voraus, wenn er ſagt(leber eine Weißagung Lichtenberg's, Bd. III, S. 199):„Und dann wieder über eine Weile wird die Welt noch feiner werden. Und es wird fortgehen, mit Eile nun, die höchſte Verfeinerung hinan... Dann, und dieß wird das Ende ſein, dann werden wir nur noch an Geſpenſter glauben. Wir ſelbſt werden ſein wie Gott.“—


