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phyſik durch jenen gemeinen Menſchenverſtand ſei unmöglich, ſich hätte beſtimmen laſſen ſollen, ſie auf eine andere Weiſe zu gewinnen.— Und zelotiſche Theologen, wie Reid, Beattie, Oswaldtc., griffen Hume auf eine eben ſo unphiloſophiſche als mitunter ungeziemende Weiſe an, als läugne er unbedingt alle metaphyſiſchen Gegenſtände.
§. 2. Imiinanilel Kaut.
Der empfängliche Zunder, welcher den von Hume geſchlagenen Funken aufnahm und bald die ganze p philoſophiſche Welt entflammte, war eben Kant's(1724— 1804) kritiſcher Scharfſinn. In ſeiner darum angeſtellten Kritik der reinen Vernunft begründet er in Uebereinſtimmung mit Hume zunächſt gegen die wolſiſche Schule noch mehr den Satz, daß alles Ueberſinnliche kein Gegen⸗ ſtand unſeres(ogiſchen oder demonſtrabelen) Wiſſens, ſondern nur des Glaubens ſein könne; dagegen aber beleuchtete er die Unhaltbarkeit der weiteren an Locke erinnernden Anſicht Hume’s, daß alle Erkenntniß ohne alle Zugabe des Verſtandes rein aus der Erfahrung abſtamme. Unter⸗ ſcheidend zwiſchen analytiſchen und ſynthetiſchen Urtheilen, d. h. zwiſchen ſolchen, deren Prädicat nichts weiter ſagt als was im Subject ſchon begriffen liegt, und ſolchen, deren Prädicat etwas Neues zum Subiect hinzufügt, ſah er die Mathematik als die Wiſſenſchaft aus ſynthetiſchen Sätzen an. Da er dieſe nun nach dem Vorgange Plato's eben ſo für eine Vernunftwiſſenſchaft anſah, wie die Philoſophie, nur mit dem Unterſchiede, daß jene ihre Begriffe conſtruiere, d. h. durch mehr oder minder entſprechende Bilder verſinnliche: ſo ſtellte er, in Betracht der beſtändigen glücklichen Fortſchritte derſelben, ihre Wiſſenſchaftlichkeit der Philoſophie als Muſter hin und gelangte in einer weiteren Unterſuchung über die ſynthetiſchen Urtheile zu dem Reſultate, welches er bald zum Grund⸗ ſtein ſeiner Lehre machte, nämlich: daß bei jeder empiriſchen oder ſinnlichen Erkenntniß ſich Etwas befände, das dem Geiſte urſprünglich angehöre und wohl zu unterſcheiden ſei von dem ſpäter durch die äußeren Sinne Hinzugekommenen, d. h. er unterſchied äͤhnlich, aber nicht ganz wie Plato, zwiſchen aprioriſcher und apoſterioriſcher Erkenntniß. Erſtere, als der reinen theoretiſchen Vernunft angehörig, nannte er auch rein, letztere dagegen empiriſch. Als urſprünglich reine Liiſchau⸗ ungen fand er aber im Verfolge ſeiner Unterſuchung; 11 4218
1) Die Vorſtellungen von Zeit und Raum, weil⸗ ſie die a ehüf gan⸗ Beyingungen, vor allen ſinnlichen Erkenntniſſen ſeien;
2) Die allgemeinen Begriffe, unter welchen der ſynthetiſierende, d. h. einordnende, verbindende und trennende Verſtand die Mannigfaltigkeiten der Wahrnehmungen zu Einheiten reduciert. Dieſe allgemeinen Begriffe, Kategorien des Verſtandes genannt, vier der Zahl nach, jeder aber mit drei untergeordneten Beſtimmungen oder Modificationen, ſind die nothwendigen Formen aller möglichen Begriffe, ſomit die nothwendigen Bedingungen des Denkens. Dieſe zwölf Verbin⸗ dungsweiſen des menſchlichen Verſtandes, offenbar aus der gewöhnlichen ſcholaſtiſchen Logik entlehnt, in welcher bekanntlich zwölf Formen des Urtheils unterſchieden werden, haben ſomit nur ſubiective, aber durchaus keine objective Gültigkeit, wie etwa die platoniſchen Ideen, d. h. ſie ſind zwar die urſprünglichen Einheiten der menſchlichen Seele, unter welche der Verſtand die Mannigfaltigkeit der ſinnlichen Anſchauung bringt, aber nicht zugleich guch die gedachten Einheiten oder generellen Urbilder von der individuellen Mannigfaltigkeit in der Natur. Sie können daher nur dazu dienen, bloß die Erſcheinungen(„Phänomena“) der äußeren Welt zu erkennen, nicht aber das Gedachte, das wahre Weſentliche(„Noumena“) der Dinge, obgleich Kant, Hume's⸗ Anſicht entgegen und mehr


