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geworden, um den verderblichen Reizungen Eures eigenen Herzens und der verführeriſchen Umgebung immer mehr zu widerſtehen? Kurz: habt Ihr wieder in dieſem Jahre zugenommen an Wohlgefällig⸗ keit vor Gott und den guten Menſchen?
Und mit dieſem unſerem Gotte, das heißt: dem Allwaltenden und Allſchützenden, mit welchem wir jeden Unterrichtstag begonnen haben, und ohne welchen nichts gelingt, wollen wir auch dieſe öffentliche Prüfung wieder beginnen und ihn um ſeinen gnädigen Beiſtand und Segen bitten, nach dem alten Schulſpruche: sine tuo numine nihil est in homine.
Beil age II.
Antra 19 des Gymnaſial-Directors Dr. mitgurn zu warus
1131 auf Errichtung von i pädagoziſchen Vereinen, welche mit der pädagogiſchen Abtheilung der alljährlichen deutſchen Philologen⸗Verſammlung in Verbindung treten, vorgetragen
in ver 2lten Verſammlung der deutſchen Philologen und Schulmänner z zu Augsburg am 26ten September 1862.
Mein vorgeſtern angekündigter Antrag geht dahin: es wolle der pädagogiſchen Abtheilung (Section) der alljährlichen Philologen⸗Verſammlung gefallen, mit allen geſetzlich zu Gebote ſtehenden Mitteln dahin zu wirken, daß in allen deutſchen Bundesſtaaten unter Genehmigung der zuſtändigen Obrigkeit pädagogiſche Vereine freiwillig und auf möglichſt wenig koſtſpielige Weiſe gegründet werden, in welchen, um hier einen juriſtiſchen Ausdruck zu gebrauchen, in erſter Inſtanz die Schulfragen des höheren*) Unterrichtes für jedes einzele Land, in größeren Bundesſtaaten für
*) Ich habe ſchon in einem früheren Programme(1842) mich dahin erklärt, daß ich unter dem höheren Unter⸗ richte nicht unbedingt den der Gelehrten⸗ und Hoch⸗Schule verſtehe, und neuerdings hat der deutſche Neſtor der Gymnaſial⸗ Pädagogik, Herr br. Ludwig Döderlein in Erlangen, treffend bemerkt, daß das Wort hoch im unterrichte eben ſo eine doppelte Bedeutung habe, wie im Leben. Der Graf z. B. nimmt in der menſchlichen Geſellſchaft unſtreitig eine höhere Stellung ein, als der Bürger; aber der moraliſche Graf und der moraliſche Bürger haben vor dem Rich⸗ terſtuhl der Vernunft wie der Religion gleichen(moraliſchen) Werth. In dieſem Sinne würde ich einem Lehrer der Volksſchule, welcher mit dem klaren Bewußtſein der Aufgabe in ſeinem Kreiſe, mit bibliſcher Geſinnung den Geiſt ſeiner Religions⸗ lehre, mit Anſchaulichkeit ſeine Zahlen⸗ und Formenlehre, mit ethiſcher Abſicht und methodiſcher Geſchicklichkeit ſeine Ge⸗ ſchichte, ſeine Naturkunde ꝛc. nach der jedesmaligen Faſſungskraft ſeiner Jugend lehrt, mit Verſtändlichkeit ſeinen Schüler die Mutterſprache zum klaren Bewußtſein zu bringen weiß, im Sinne Döderlein’s das Prädicat eines höheren Unterrichtes nicht ganz abſprechen, wenn ſeine Kenntniſſe auch nicht ſo umfaſſend ſind, wie die eines Lehrers der Mittel⸗ und
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