— 2—
jede einzele Provinz, verhandelt werden, ſo daß für die pädagogiſche Abtheilung(Section) der alljährlichen Verſammlung deutſcher Philologen als oberer Inſtanz nur pädagogiſche Fragen von allgemeinem Intereſſe, Berichte über die Ergebniſſe der(kleineren) pädagogiſchen⸗Landes⸗ Vereine, gutächtliche Entſcheſt Kngen über daoevinbaiten der Auiühtun in donſelhen, und derai⸗ ähra bleiben wardenn Madt
Das Ziel dieſes Antrags, is wopl von ſelbſ zinlenchtenum er, r beabſihtigt, barerete ntoeie gen
J. daß dem großen alljährlichen Vereine bei der Beſchränktheit ſeiner perfügbaren Stunden Zeit für das Wichtigere unter dem Wichtigen übrig bleibe, daß er nicht von Fragen behelligt werde, welche zwar im beſonderen Kreiſe ſeines jedesmaligen Aufenthaltes von Intereſſe ſein mögen, welche aber jeder ſtrebſame Schulmann nicht nur bequemer und minder koſtſpielig, ſondern auch gründlicher und belehrender in einem kleineren Kreiſe von Amtsbrüdern in ſeiner Heimat beſprechen kann;
II. daß die Ergebniſſe der Verhandbrngen der ſeit der drei nächſt verfloſſenen Jahrzehen periodiſch und freiwillig beſtehenden(kleineren oder größeren) Vereine von Schulmännern künftig fruchtbringender und maßgebender werden für die einzelen Staats⸗Regierungen, als bisher.— Denn was Lehrer⸗ Vereine aus den Ländern mehrerer und verſchiedener Handesherrn berathen und beſchließen, bleibt natürlich leicht außer Berückſichtigung. 9 2
Eine nähere Begründung dieſes Antrags, falls ſie nöthig ſchiene, würde nach einem Blicke auf die Pädagogik als eine der ſo genannten abgeleiteten oder angewandten Viſſeenſchaften (sciences appliquées) daran erinnern, daß die deutſche Jugendbildung, namentlich in den Gelehrten⸗ Schulen, ſo zu ſagen von jeher, beſonders aber ſeit dem 13ten Jahrhundert, eines allſeitigen natio⸗ nalen Bildungsſtoffes entbehrt, in Ermangelung ſ olch es den Haupt⸗Culturvölkern des Alterthums das Weſentliche in dieſer Beziehung, d. h. das Allgemeinmenſchliche(Humane) entlehnt und dem deutſchen Stamme aufgezweigt habe; daß dieſe Aufzweigung allerdings manche Triebkraft des deut⸗ ſchen Stammes befördert, daß dieſe Aufzweigung ſie aber auch manchmal gehemmt und unterdrückt habe, wo und wann unter unkundigen Händen in den fremdländiſchen Cultur⸗Stoffen das Weſent⸗ liche vom Unweſentlichen, das ewig Wahre von dem Vergänglichen nicht genug unterſchieden ward; daß ſo z. B. die ſonſt bei keinem andern Volke vorkommende zweite Blüthe der National⸗Literatur weniger durch die deutſche als trotz der deutſchen Gelehrſamkeit zu Stande kam(ſ. Vilmar's Literatur⸗Geſchichte, 9te Aufl. 1862, S. 237 ff.), obwohl ſie vhne„den despotiſchen griechiſchen und römiſchen Schulſtab“ niemals zu Stande gekommen wäre(ſ. ebend. S. 275), daß jenes Allgemeinmenſchliche in den antiken Bildungsſtoffen trotz dieſer zweiten Literatur⸗Blüthe zwar niemals für die deutſche Nation, ohne Nachtheil und Gefahr für ihr weiteres Gedeihen, entbehrlich werden könne, daß aber bei dem Streben, das Fremde(„griechiſchen Schönheitsſinn und römiſche Kraft“) mit dem Einheimiſchen zu verſchmelzen, dem jedesmaligen Pulsſchlag der Nation verſtändige Rechnung getragen werden müſſe, damit wir nicht, wie in früheren Jahrhunderten, wieder Gefahr laufen, bloßes Wiſſen an die Stelle des Lebens zu ſetzen; daß aber der richtige Tact, Fremdes mit Einheimiſchem zu verbinden, nicht über Nacht, Lict bloß aus Büchern, ſondern nur vom grünen Baum des Lebens oder der Erfahrung
Hochſchule, und wenn auch ſeine Schule in der Aufeinander⸗Folge der verſchiedenen Schulen die unterſte Stellung hat, Die wahre Gelehrſamkeit wird ſeit Sokrates mehr nach der Tiefe, als nach der Ausdehnung gemeſſen.— Demnach würde ich auch den ſtrebſamen Volksſchul⸗Lehrer von den fraglichen pädagogiſchen Vereinen nicht ausſchließen, pielmehr in⸗ einem Vereine von berufstreuen Valksſchul⸗Lehrern und Lehrern der Mittelſchulen eine günſtige Gelegenheit zur grärniiaen Gewinnung isag giſger Allſeitigkeit, zum Austauſch von Wiſſen und Methode ze. ec. erblicken.


