Aufsatz 
Verdeutschung und Erklärung des sechsten platonischen Briefes : Probe einer demnächst im Druck erscheinenden Uebersetzung aller dieser Briefe
Entstehung
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haben viele Gelehrten aus dieſer Stelle unſeres Briefes den Schluß ziehen wollen, der ganze VI. Brief ſei von einer chriſtlichen Hand untergeſchoben(ut Ethnicos fraude quadam ad suam doctrinam converterent). Dasſelbe glaubte Menagius Obss. ad Diog. Laert. III, 61, wo dem gelehrten Manne in Bezug auf unſeren VI. Brief ein ziemlich auffallender Irrthum entſchlüpft, wenn er bemerkt: Totidem(XIII epistolae) supersunt, quas inter tamen desideratur epistola ad Erastum et Coriscum, cuius meminit Clemens Strom V et Ori- gines contr. Celsum VI, sed quae ou pyyoia et a Christianis supposita esse videtur. Dieſer Anſicht trat Boeckh(de Graeciae tragoed. principp. p. 162) mit dem ſchlagenden Grunde entgegen, daß die heidniſchen Schriftſteller Thraſyllus, welcher nach der gewöhnl. Annahme unter Auguſt und Tiber lebte, und Timäus der Lexicograph, den Ruhnken erſt ins dritte Jahrh. ſetzt, unſeren Brief als platoniſch anerkennen. Aber wenn auch nicht den ganzen Brief, ſo hält derſelbe Gelehrte doch nach dem Vorgange von Tennemann(Syſt. d. Pl. Phil. I, 111) die einzele Stelleal 10» bis 5» ercluſive, wofür er 5 leſen will, von einem Chriſten interpolirt, qui Deum patrem et ſilium Jesum Christum apud Platonem legi volebat, id quod valde delectavit sanctos patres hunc locum certatim proferentes, Clem. Alex. V, 255, 28 Sylb., Orig. c. Cels. VI, 288 Höschel, Euseb. Praep. evang. XIII, 675 C, Cyrill. adv. Jul. VIII, 270 A. Dieſe Behauptung ſtellt Boeckh auf, ohne dieſen VI. Brief als von Plato ſelbſt herrührend anzuerkennen, vielmehr hält er ebendaſelbſt alle, mit Aus⸗ nahme des III., VII. u. VIII., für unächt. Es ließe ſich zwar eine Veranlaſſung zu ſolcher In⸗ terpolation denken, nämlich das vorausgehende 2νο, mit welchem Prädicate bekanntlich nicht nur die Chriſten, ſondern auch die Juden ihre Gottheit benannten. Vrgl. Schleusneri Nov. lex graec. lat. in N. T. v.*νιοο und Philonis Judaei Quod Deus immut. tom II, p. 434 Pfeiffer. Aber deſſen ungeachtet ſehe ich keinen Grund, mit Boeckh in der von ihm eingeſchloſſenen Stelle eine ſpätere Interpolation, namentlich eine chriſtliche, annehmen zu müſſen, ſo lange es noch möglich iſt, dieſen Brief überhaupt und insbeſondere dieſe Stelle desſelben aus der vorchriſtlichen Zeit zu erklären. Denn die Anſicht mancher Kirchenväter, daß die platoniſche Theologie die Grundlinien der chriſtlichen Trinitätslehre in ſich enthalte, iſt jetzt überhaupt als irrig nachgewieſen. Vrgl. Dr. C. Ackermann: das Chriſtliche im Plato ꝛc. Hamb. 1835, S. 44.(Erſt Plotin, der Stifter des von Plato's Lehre völlig verſchiedenen Neuplatonismus, ſpricht von einer, aber auch von der chriſtlichen ganz verſchiedenen, göttlichen Trinität.) Und ſo ſcheinen die oben citirten hl. Väter mithin auch Boeckh(cum pace viri clarissimi sit dictum!) ſich geirrt zu haben, wenn ſie, obwol von ganz verſchiedenen Seiten, insbeſondere in dieſer Stelle des VI. Br. Chriſtliches zu finden glaubten. Meine Gründe ſind folgende: was die Stelle erſtlich überhaupt betrifft, ſo iſt ſie, wie ſchon Aſt(Plat. Leb. u. Schr. 519) darauf hingedeutet hat, eine geſchraubte und unverſtändige Nachbildung von der platoniſchen Vergleichung zwiſchen dem abſoluten Guten(Gottheit) und der Sonne in Reip. VI. u. VII., wie wir ſchon mehrmals oben unſeren Briefſchreiber plat. Stellen in der Re⸗ publik mißverſtehen und linkiſch nachahmen ſahen. Man ſehe beſonders deßhalb ein Reip. VI, 508 A, wo es von der Sonne heißt: 0*α Exες αdτ⁴ςαανσαειν εν οςσσισι Ʒέιν τοντοι 4000 ll.? Ferner ebend. 509 B und namentlich VII, 516 B u. C, beſonders die Worte: d αχ ⁴rroe⸗ αειος, ſowie 517 C, wo es von der Idee des Guten heißt, daß ſie ſei 5y 1e* 69⁶6m½αρς εαα τ r0010v kO10 re*odα, ky zs vOννι ιπν¶ οæ da⁷ Jιααν Qνα νοονχνιπραραασαννπ. Dort bei Plato iſt alſo nur von einer Duplicität die Rede, und zwar in ſehr verſtändiger Weiſe und in ſehr beſtimmten Ausdrücken, und ſo auch in die ſer Stelle