Aufsatz 
Verdeutschung und Erklärung des sechsten platonischen Briefes : Probe einer demnächst im Druck erscheinenden Uebersetzung aller dieser Briefe
Entstehung
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unſeres Briefes, freilich hier auf myſtiſche Weiſe und in unbeſtimmteren Worten, ein Unterſchied, welcher bekannter Maßen überhaupt zwiſchen dem Platonismus und den ſpäteren verſchiedenen Zweigen des Neuplatonismus Statt findet.

Was zweitens die einzelen Ausdrücke unſerer Stelle anlangt, ſo haben wir die Worte rdειοςα und ⁴eνμυωνsxτο* ſchon als platoniſch nachgewieſen. Aber wie ſteht es mit τ⁴ιοαα ν*αιιον mit 9εν 1yερανυαα τιν τε νιννν ααά τνννν ιεα‿dνμιιν˙ In den Namen, welche Plato Gott giebt, trifft er mit bibliſchen vielfach zuſammen, er nennt ihn König, Herrſcher, Regierer der Welt, 16,»oũg, namentlich aber Vater, Vater des Ganzen, auch Vater der Göt⸗ ter, wie denn überhaupt der Vatername Gottes in den heidniſchen Religionen gar nicht ſelten war. S. Ackermann's oben angez. Schrift a. a. O. Aſt(a. a. O.) verſteht unter dem 9e0pe2uεαe die Sonne, nach Anleitung der oben aus Plato's Republik angef. Stellen. Und ich würde gerne beiſtimmen(denn auch bei den Neupythagoräern wie bei den Neuplatonikern ſpielt die Sonne eine wichtige Rolle), wenn 100 by allein ſtände; denn mit dem Beiſatzeα ετό ν εαμεα‿α‿ςν rcy läßt das Worte⁴ ſich wohl ſchwerlich von der Sonne verſtehen. Ein reiner Platoniker würde dieſes Prädicat eher dem rαια νοοοσ*ς beigelegt erwarten. Da der Brief VI noch offenbar andere Spuren der Unächtheit zeigt, ſo wird man genöthigt, auch hier mit K. F. Hermann(Geſch. u. Syſt. d. Pl. Phil. I, 593) an dieſelbe einzig mögliche noch vorchriſtliche Quelle zu denken, wie an einer ähnlichen Stelle des II. Br.(S. unſere Symb. crit. p. 20.) Nämlich an die aus dem Neupythagoreismus entſtandene neuplat. Schule der jüdiſch alexandriniſchen Religions⸗Philoſophen, welche es unternahmen, gegen die heidniſchen Philoſophen die höhere Einheit der jüdiſch orientaliſchen Religion mit der griechiſchen Ideal⸗Philoſophie durch Vergleichung der moſaiſchen und plato⸗ niſchen Schriften zu beweiſen, und welche, wie wir wiſſen, kein Mittel verſchmähten, auch philo⸗ ſophiſche Heiden zu Zeugen ihrer Gotteserkenntniß zu machen. Vrgl. die von K. F. Hermann angef. Schrift: Valkenarii diatribe de Aristibulo Judaeo. Lugd. B. 1806, p. 17. Der tiefſinnigſte und hervorragendſte jener Religions⸗Philoſophen iſt der c. 20 J. v. Chr. geborene Philo, der für das Haupt der jüd. Neuplatoniker gehalten wird, da er den Standpunct ſeiner Vorgänger erſt zu einem Syſtem erhob. So ſehr derſelbe ein Vertheidiger des Monotheismus iſt, ſo ſcheinen mir wenigſtens in deſſen Lehre(deren Anſätze nach neueſten Forſchungen*) ſchon in der Mitte des erſten vorchriſtl. Jahrh. zu ſuchen ſind, und dort ſchon iſt auch wahr⸗ ſcheinlich der mit Plato vertraute Fabricator unſeres Br. zu ſuchen) mehr Analogien zu der auf⸗ fallenden Stelle unſres VI. Br. als in irgend einem heidniſchen oder chriſtlichen Platoniker ſich zu finden. Wie wir an der Stelle unſeres Br. offenbar eine göttliche Duplicität(Vater und Sohn) aus⸗ gedrückt finden, ſo ſehen wir auch in der philoniſchen Lehre unterſchieden zwiſchen dem Gott, welcher im eigentlichen Sinne ſo genannt wird, und dem Gott, welcher nur in uneigentl. Sinne ſo, aber auch Logos, Herrſcher der Ideen(Engeln), zweiter Gott, Sohn, Abbild, Schat⸗ ten Gottes von Ph. genannt wird. Der Kürze wegen verweiſen wir hier auf unſeren Grundriß der Geſch. d. Phil. S. 27; auf Zeller a. a. O. Bd. III, 2te Hälfte, S. 603 ff.; auf Ritter's Geſch. d. Phil. alter Zeit, Bd. IV, beſ. von S. 471 ff., ſowie auf die von Herrmann am a. O. citirten Schriften: Grossmanni(Quaestt. Philon. Lipsiae 1829, p. 51 und Dähne's geſch. Darſtellung der jüdiſch⸗alexandriniſchen Religions⸗Phil. Halle 1834, Bd. I, S. 251.

Sollte es uns auch nicht gelungen ſein, alle Dunkelheiten dieſes Briefes aufgeklärt zu haben,

*) S. Zeller a. a. O. S. 593.