Aufsatz 
Verdeutschung und Erklärung des sechsten platonischen Briefes : Probe einer demnächst im Druck erscheinenden Uebersetzung aller dieser Briefe
Entstehung
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7 wir nach dem Vorgange von Stallbaum auf Wernsdorf's Schrift verweiſen: Krit. Verſuch, über einige im Pl. aus dem Euſeb. auszufüll. Lücken S. 27. Auch paſſen die ge⸗ nannten Worte, wenn auch nicht zu Plato's ſchöner Sprache, doch ganz zur ſchon gerügten Myſtik und Geheimniß⸗Krämerei unſeres Briefſchreibers.

14) Wie ſchon Aſt bemerkte, ſo nimmt in dieſer Stelle der angebliche Pl. die Miene eines Mei⸗ ſters oder Vorſtehers eines myſtiſch⸗philoſopiſchen Bundes an, was hiſtoriſch falſch iſt. S. unſere Symb. cr.&c. zum II. Brief S. 17, deſſen Verfaſſer mit dem dieſes VI. Briefes in vielfacher Beziehung ſich als verwandt zeigt. Jene philoſophiſche Geheimbündelei zeugt eher vom(zu An⸗ fang des erſten vorchr. Jahrh. entſtehenden) Neupythagoreismus u. den Therapeuten ꝛc. S. Zeller's Phil. d. Gr. Bd. III, Th. II, S. 592 ff.)

15) Was iſt»6ο εοα Vigerus antwortet auf dieſe Frage Idiot. Gr. p. 102: lex domina, i. e., quae vim et robur suum obtinet..... contra vero derνοοα à b- rogatae, vel etiam odux öyreg vduαœ, non amplius existentes, dicebantur. Ficinus überſetzt: lege certa. Aber bei Plato und den Platonikern hat der Ausdruck einen tieferen Sinn, welchen wir in einem Fragmente des Pindar finden, deſſen tiefſinnigen Sentenzen von Plato und den Platonikern öfter angeführt werden. Das Fragment ſteht Nr. 48 p. 245 ed. Dissen und lautet dort:

aανι⁴ ⁰νοσm

0½α⁴μοο ππ⁴³νιιων ααχάσ⁴ενς

9œαςσρ½τ rεzKã¶ qœjd νσσαατιν

dενι ϑαιeν½τ τσ πιασαμεœσον

onsordr vεεο², was Boeckh überſetzt: secundum rerum naturam.... lex omnium dominus mortalium et immortalium affert vim maximam, iustam eam afficiens potentissima manu; Diſſen da⸗ gegen, welcher οεα ααφο⁴ ſtatt œrd lieſ't, erklärt die Stelle: multa contra naturam lex fatalis adducit suprema manu, iusta reddens etiam violentissima. Wir unſrerſeits ziehen die unge⸗ zwungene Erklärung von Boeckh vor, welche, geſtützt auf eine Stelle des Euripides(Hec. 799) u. des Heraclitus(Stob. Serm. IV, 48) unter dem»6lονο π. α-leds die ethiſche moraliſche Weltordnung verſteht. Daraus iſt erklärlich, warum Plato dieſe Stelle mehrmals berührt, wie Legg. 690 B, Protag. 337 D, Symp. 196 C. Nicht weniger gefiel dieſe Kraft⸗Sentenz ſeinen Nachahmern. Vrgl. Boeckh zum Minos S. 175 ff. und den ſiebenten plat. Brief 354 C.

16) Das adject. μαασ(ſowie auch das vorhergehende 6 ˙G) gebraucht Plato oft und in der mannigfaltigſten Bedeutung, welche das Lexic. Plat. von Aſt nachweiſ't; deßhalb haben auch deſſen Nachahmer nicht verfehlt, es ſo oft als thunlich anzubringen. S. Wyttenbachii Epist. Crit. ad Ruhnk. p. 14, welcher ſich ausführlich hierüber verbreitet; ferner Erasmi Proverb. Chil. II, DXIX.

17) Daß man die Jugend nicht mit Zwang ſondern mit Spiel(¶αααƷν, denn ſo iſt mit Wyttenbach a. a. O. ſtatt Qαʒεʃ zu leſen), d. h. mit einer die Sache erleichternden Methode unter⸗ weiſen ſolle, dieſer Gedanke iſt platoniſch(ſ. Reip. VI, 136 E.); ob dieſer Gedanke aber hier paſſend iſt, möchte ich bezweifeln. Ueber das Wort à01& ſ. Ruhnk. ad. Tim. lex. p. 3.

18) Ficin, mehr der myſtiſchen Weltanſicht der Neuplatoniker zugethan als der beſonnenen reinen Lehre des von ihm meiſterhaft ins Lateiniſche überſetzten Plato, bemerkt in Bezug auf dieſe Stelle: Quantum vero haec sacris consonent litteris nemo nisi profanus ignorat. Daher