Aufsatz 
Verdeutschung und Erklärung des sechsten platonischen Briefes : Probe einer demnächst im Druck erscheinenden Uebersetzung aller dieser Briefe
Entstehung
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3) Ueber Eraſtus u. Coriscus giebt auch Strabo XIII,§ 54= p. 584 nähere Nach⸗ richt. Dort heißen ſie Socratiker und waren beide gebürtig aus Skepſis, welche Stadt wie Atarna in Ober⸗Möſien lag, in der Nähe der Landſchaft Troas. S. Sickler's Alte Geographie S. 514. Der Sohn des Coriscus war der aus der Geſchichte der ariſtoteliſchen Schriften bekannte Ne⸗ leus, Schüler ſowol des Ariſtoteles als des Theophraſtus, deſſen Bibliothek er erbte, bei der auch die des Ariſtoteles war. Auffallend muß es demnach ſcheinen, wenn van Prinſterer in ſeiner bekannten Prosopographia Platonica p. 153 uns lehren wollte:Credibile est Siculos etiam esse, qui Ep. VI memorantur, Hermiam, cui inscripta est, Coriscum et Erastum, qui commendantur ipsi. Verum de his omnibus non est quod dicam, quoniam de plerisque ob historicorum silentium ne dici quidem potest.

4) Aehnlich Hor. Ep. I, 47: Non domus et fundus, non aeris acervus et auri aegroto domini deduxit corpore febres, non animo curas.

5) Vergl. Reip. VI, 490 C.

6) Fiein hat dieſe Stelle ſchon ganz richtig verſtanden, wenn er ſie überſetzt: Erasto et Corisco praeter sapientiam istam de speciebus pulcherrimam&c. J. G. Schloſſer hat in ſeiner deutſchen Ueberſetzung(Königsberg 1795, 2. Aufl.) dieſe Stelle, wie ſo viele, auffallend verfehlt, wenn er ſie alſo überträgt:E. u. C. haben zu ihrer ſchönen Geſtalt, ich muß es ſagen, ſo alt ich bin, einen weiſen Führer nöthig ꝛc.

7) Einen ähnlichen Gedanken finden wir in Plato's Reip. III, 409 A u. B. Dieſer von dort entlehnte Gedanke iſt auch der beſte platoniſche des ganzen Briefes.

8) Statt: ich rathe dieß, obgleich ich alt bin, wie im Urtexte ſteht, ſollte man erwar⸗ ten: ich rathe dieß als ein alter, erfahrener Mann, oder dergl. Plato litt nach allen Nachrichten in ſeinem hohen Alter an keinerlei Geiſtesſchwäche. Das Unlogiſche des Urtertes hat die Ueberſ. zu mildern geſucht. Uebrigens geben dieſe Worte uns die Zeit an, in welcher er geſchrieben iſt, oder vielmehr, als geſchrieben gedacht werden ſoll, nämlich nicht lange vor 348 v. Chr., dem Todesjahre Plato's.

9) Stephanus in ſeinem Thesaurus erklärt unter Beziehung auf unſere Stelle dνesis mit retentio, complexus mutuus und ενέιααιò ömit adhaerere, amplecti, er citirt aber keine andre Auctorität, als unſere Stelle. Ich ſtimme daher der Behauptung Aſt's(Pl. Leben und Schriften S. 520) bei, welcher das bei Plato ſelbſt ungewöhnliche Wort εε‿½Ʒα u. a. als ein Zeichen der Unächtheit dieſes Briefes anſieht.

10) Eine alte ſchon von Solo(Herod. I. 86) erzählte Sentenz, die hier als geſucht und affectirt erſcheint.

11) Die bildlich gebrauchten Ausdrücke&rretiν und ρ⁶ ſind bei Plato häufig, noch häu⸗ figer bei ſeinen Nachahmern, wie dieſe überhaupt lieber nach den Phraſen als nach den Gedanken ihres Muſters greifen. Vrgl. Wyttenbach ad Phaed. 77 E, Ast& Stallb. ad Remp. II, 364 B, Lambin. ad Hor. Ep. I, 1, 33.

12) Ueber die vielfachen Bedeutungen von* vrgl. Wyttenb. Bibl. Crit. Vol. III, P. I, p. 57. Dieſen wie noch andre Ausdrücke(¼αά̃rενοναόι, 2εᷣνονιιιννμένα) erklärt Aſt mit Recht für die einer affectirten, des Pl. unwürdigen Myſtik.

13) Kard duνo zowf. Dieſe Worte fehlen in der Steph. Ausg., und man könnte ſie leicht zumal wegen des folgenden ½τ⁴%. leicht vermiſſen; aber die beſten Handſchriften, vaticaniſche wie florentiniſche, haben ſie ſowie auch Euseb. Praep. Evang. p. 534, in Bezug auf welchen letzteren