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in folgenden Verſuchen: 1) Epistolarum quae Platonis nomine vulgo feruntur Spec. crit., Gissae apud Heyerum 1828, worin auch zugleich der I. Brief kritiſch behandelt iſt; 2) über den VII. u. VIII. Brief handelt unſere Epistola Critica ad. Fr. Osannum in der Darmſt. Allg. Schulzeitung, 1829 II, Nr. 139; 3) über den II. Br. die Symbolae criticae im Wormſer Prüfungs⸗Progr. 1854.
Einen Beitrag zur Kritik und Erklärung des VI. Br. geben nebſt vorſtehender Ueberſetzung fol⸗ gende Anmerkungen:
1) Der griechiſche Gruß ed rodrrety(worüber vergl. unſere Symb. crit. zum II. Br., S. 5) läßt ſich ſchwer wörtl. im Deutſchen wiedergeben. Er bezeichnet das Glück, welches der Menſch, un⸗ abhängig von äußeren Schickſalen, ſich durch ſeine Tugend bereitet.
2) Nach Suidas unter dem Worte Hermeias giebt es im Alterthum drei Männer dieſes Namens. Der dort zuletzt genannte iſt hier gemeint, über welchen nebſt Suidas Diod. Sic. XVI, 52 u. Strab. XIII,§ 5= p. 391 Siebenk. weitere Nachrichten geben. Nach Suidas, Harpo⸗ cration und dem Etym. Magnum ſoll dieſer, zum Unterſchiede von den andern, Hermias geſchrie⸗ ben werden; aber ſehr viele andere Schriftſteller, worunter auch Ariſtoteles, ſchreiben Hermeias. S. Wesseling l. I.— wir unſrerſeits ſchreiben Hermias, weil wir im Allg. bei Schreibung der griech. Eigennamen der Ausſprache der Römer folgen. Hiernach war er, obgleich von Hauſe aus Sclave, ein eben ſo talentvoller als gewandter Kopf und erlebte die verſchiedenartigſten Schickſale, wie wir dieſe zumal in Aſien in alter Zeit wie auch noch heut' zu Tage einem und demſelben Menſchen widerfahren ſehen. Urſprünglich Selave(Eunuch) eines reichen Banquier und nachherigen Unter⸗ Herrſchers unter perſiſcher Hoheit, welcher zugleich ein Freund der Philoſophie war, kömmt er, wahr⸗ ſcheinlich auf Veranlaſſung des letzteren, nach Athen, hört dort eifrig Plato und Ariſtoteles, ſo daß er ihre innigſte Zuneigung gewinnt und eine Schrift über die Unſterblichkeit ſchreibt. Nach der Rück⸗ kehr zu ſeinem Herrn wird er deſſen Vezier oder Mitregent(beides kann das Wort Gνντνοeννασσ bei Strabo heißen), dann deſſen Nachfolger in der Regierung über Stadt und Gebiet Atarna(auch Atarneus, vid. Steph. Byz. p. 191 u. Valken. ad Herodot. I, 160, Wessel. ad Diod. Sic. XVI, 52), nach dem Tode des Plato wird er nicht bloß der Gaſtfreund des verſtändigen Ariſto⸗ teles(nach Apollodor p. 415 ed. Heyne erſt nach Plato's Tode, ſeit Ol. 108, 1 drei Jahre lang, ſ. auch Diog. Laert. V, 9) ſowie des ernſten Xenocrates, ſondern auch durch Schweſter oder Enkelin verſchwägert mit dem erſteren, welcher ihn überdem mit einem noch vorhandenen ſchönen Hymnus(ſ. Diog. Laert. V, 1) an die Tugend verherrlichte.
Als Herrſcher aber ſcheint er humaner(philoſophiſcher) regiert zu haben, als den Perſern lieb ſein konnte. Wir erfahren wenigſtens, daß er von dem den perſiſchen Intereſſen dienenden Rhodier Memnon unter den freundlichſten Vorſpiegelungen in die perſiſche Reſidenz gelockt wird, wo man ihn aufknüpft, und daß die übrigen bei ihm verweilenden Philoſophen aus dem perſiſchen Gebiete durch die Flucht ſich retten müſſen. Auf dieſe Weiſe mußte Hermias als ein Märtyrer der Philoſophie erſcheinen und es wird uns erklärlich, warum wenn auch nicht Plato ſelbſt doch ein Platoniker an ihn einen Brief richten konnte.— Ariſtoteles ſetzte ihm eine Statüe zu Delphi, mit der Inſchrift (nach lat. Ueberſetzung):
Impius hunc quondam Persarum morte tyrannus Mulctavit, violans iusque nefasque, virum. Nam neque collato oppressit certamine, verum
Insidiosi hominis usus amicitia.


