Aufsatz 
Weiteres Bruchstück aus dem Wegweiser zur Wissenschaft und zum Studium der Hochschule : ueber die Mathematik / Wilhelm Wiegand
Entstehung
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rungsſtoff in der Gedankenwelt anlegt, wird die Mathematik noch mehr vervollkommnet und zu ihrer blühendſten Periode vorbereitet: theils durch die Erfindung der jetzt mehr verbreiteten Buchdrucker⸗ kunſt, theils und vorzüglich durch die genauere Kenntniß der griechiſchen Sprache und die dadurch mögliche beſſere Ueberſetzung der griechiſchen Mathematiker, theils durch die den Geſi ichtskreis der Menſchheit erweiternde und zur fleißigen Naturforſchung auffordernde Entdeckung Amerikg's, ſowie durch andre wichtige Erfindungen und Exeigniſſe. Die griechiſche Schule der Mathematik bleibht nicht ſtehen beim Ueberſetzen und Reprodueiren, ſondern erweitert ſchon mitunter das Erbe der Grie⸗ chen mit neuen Forſchungen. Barthol. Zambrettus aus Venedig edirt 1505 Euclidis Elementa; Memmo 1537 die Kegelſchnitte des Apollonius; Frz. Maurolycus aus Meſſina(1494 1575) edirt als Philologe nicht nur den Theodoſius, Menelaus, Archimedes, ſondern fertigt auch als ge⸗ wandter ſelbſtſtändiger Mathematiker Tangenten⸗Tafeln, ſtellt Betrachtungen über die Kegelſchnitte an und ſucht nach Pappus das Buch des Apollonius wieder herzuſtellen. Commandinus(1509 1575) macht ſich berühmt durch eine gute Ueberſetzung des Euklid. Wilh. Holzmann(Xylander) überſetzt 1575 und commentirt den Diophantus. Johann Werner, geb. 1468, ein gründlicher Kenner der Griechen, ſchreibt 1522 zuerſt im chriſtlichen Europa unabhängig von den Griechen über die Kegelſchnitte. Raphael Bombelli ſchreibt 1572 die erſte wiſſenſchaftliche Algebra. Nikolaus Tartaglia überſetzt nicht nur Euklid und Archimedes, ſondern entdeckt auch u. A. die Gleichungen des dritten Grades(welche Lehre bei Diophant nur für einzele leichte Rechnungen vor⸗ kömmt); Cardanus, zugleich Arzt, Naturforſcher und Philoſoph, aber auch abergläubiſcher Aſtrolog, edirt, ein eidesbrüchiger Erbe des Wiſſens Tartaglia's, 1570 ſein berühmtes algebr. Werk. Peter Ramus( 1572 in der Bartholomäus⸗ Nacht), iſt ein eifriger Verbreiter der Geometrie in Frank⸗ reich. Franz Vieta, geb. 1540, bedient ſich zuerſt in ſeiner Logistica speciosa(Algebra) der Buchſtaben als allgemeiner Zahlzeichen, welche er species nannte, und giebt das Verhältniß der Kreisperipherie bis auf 10 Decimal⸗Stellen ꝛc.; von ihm auch die Namen Coefficient, affirma⸗ tiv und negativ, ſowie der Strich über complexen Größen, wofür Gixrard die Parentheſe ge⸗ brauchte. Peter Metius, Ludolf pan Ctulen aus Hildesheim(Berechner des Verhältniſſes der Kreisperipherie zum Durchmeſſer bis auf 35 Stellen), der Niederländer Simon Stevin(Arithm. und Alg., Decimal⸗Brüche), Juſtus Byrgius(geb. 1572 in der Schweiz, Himmelsglobus), Conrad Daſypodius(Hero& Euclid. Strassb. 1571), Joh. Scheubel, Joh. Schoner, Peter Bienenwitz(Apianus), Sebaſt. Münſter, Mich. Stifel und Chriſtoph Rudolf(Erfinder von + und, ſowie erſterer vom Namen Erponent), Tycho de Brahe(1546 1601), Eduard Wright, Guido Ubaldi, Baptiſt Porta, Peter Nonius, ein Portugieſe, mehr bekannt als Erfinder und Verbeſſerer von geom. und aſtr. Inſtrumenten.

Tauſend Jahre vergiengen(von 600 v. Chr. bis 400 n. Chr.), bis die Griechen das Gebiet ihrer Mathematik eroberten; tauſend Jahre vergiengen wiederum(v. 4 14. Jahrb.), bis das chriſtl. Europa jenes Gebiet ſich wieder erworben hatte. Im 15ten und 16ten Jahrhundert hatte man im Abendland weiter Bahn zu brechen verſucht, aber noch nicht war geſchehen, was ſo langer Zeit würdig geweſen, und noch hatte ſie nicht das Ziel feſt in's Auge gefaſſ't, welches ſie zu verfolgen hatte. Bafko v. Verulam(1560 1626), der Reſtaurator alter Wiſſenſchaften, zeigt auch der Mathematik ihre künftige Richtung oder vielmehr ihre richtige Anwendung in dem Werke De dignitate et augm. scientiarum B. III, Kap. 6 mit folgenden Worten vor:Zu Euklid's Arbeiten in der Geometrie iſt Nichts geſetzt vorden, was der Zwiſchenzeit ſo vieler Jahrhunderte gemäß wäre; die Lehre von den Körpern iſt weder von den Alten noch von den Neuern ſo dargeſtellt worden,