Aufsatz 
Weiteres Bruchstück aus dem Wegweiser zur Wissenschaft und zum Studium der Hochschule : ueber die Mathematik / Wilhelm Wiegand
Entstehung
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viele Mathematiker von Fach fremd bleiben. Mathemathik und Philologie ſtehen nicht nur auf den Hoch⸗, ſondern auch in den Mittelſchulen ſich als ſehr fremde Gegenſtände in unſeren Tagen gegenüber, ſo daß ſogar die Meinung faſt allge⸗ mein geworden iſt, es ſchließe eine die andre aus. Die Geſchichte, welche allein vor einem noch größeren Zerfallen des Wiſſens bewahren kann, zeigt uns, daß die Philologie(namentlich die griechiſche) und die Mathematik befreundeter ſind, als man glaubt, obwol ſchon ihre beiderſeitigen griechiſchen Namen ſie beſtändig daran erinnern ſollten. Die große Bereicherung der Mathematik in neuerer Zeit einerſeits und der Umſtand, daß die Philologie in neuerer Zeit ſich mehr der poetiſch⸗ rhetoriſ chen Seite des klaſſiſchen Alterthums und in dieſer wieder vor⸗ züglich der Kritik, Grammatik, Metrik ꝛc. zugewandt hat, unter Hintanſetzung der einflußreichſten, und ſtolzeſten Seite, der philoſophiſch⸗ mathematiſchen, hat dieſes Schisma veranlaſſ't. In den höheren Regionen wird zwar dieſes auch ferner bleiben und bleiben müſſen, nach dem bekannten Grundſatz: non omnia possumus omnes, und ein Tiberius Hemſterhuis, der ein eben ſo großer Ma⸗ thematiker als kritiſcher Philologe war, ein Ideler und Auguſt Böckh werden in Deutſchland wenigſtens immer ſeltener werden: aber in den Mittelſchulen, in welchen das Nebeneinander⸗ Beſtehen vielfacher und verſchiedener Lehrgegenſtände nun ein Mal eine unabweisbare Nothwendigkeit geworden iſt, erſcheint eine gegenſeitige Kenntnißnahme und Achtung der verſchiedenen Disciplinen als nothwendige Be⸗ dingung zu einem gedeihlichen Zuſammenwirken der Lehrenden, wie zur klaren Auf⸗ faſſung und harmoniſ chen Bildung der Lernenden. Unter einer harmoniſchen Bildung der Jugend verſtehe ich aber eine ſolche, welche keine der Hauptſeiten der kindlichen Seele vernachläßigt, welche bei allen Leh jrgegenſtänden den reinmenſch⸗ lichen, ſittlichen Zweck nicht aus den Augen verliert, die, um es mit bekannten Worten zu ſagen, nicht bloß den Kopf mit Kenntniſſen anfüllt, ſondern mit und an den Kenntniſſen zugleich das Herz. bildet, was die ächte Wiſſenſchaft immer be⸗ wirkt hat. KArtes emolliunt mores neg sinunt esse ſeros.