— 8—
Hunderte von Mark wurden auf dieſe Weiſe in wenigen Jahren ausgegeben. Dazu kam ein viel höherer Aufwand für wiſſenſchaftliche Zeitſchriften; denn während ſich in dem Verzeichnis der von 1853/54 angeſchafften Bücher noch keine, in dem von 1855/56 nur eine(Jahn's Jahrbücher für Philologie und Pädagogit), findet, ſtieg die Zahl derſelben 1864/65 auf zwei und ſeitdem auf vier(außer der ſchon genannten die Zeitſchrift für das Gymnaſialweſen, die Zeitſchrift für mathematiſchen und naturwiſſenſchaftlichen Unterricht und das Literariſche Centralblatt). Die Möglichkeit einer Verminderung dieſer Schriften iſt kaum denkbar; im Gegentheil, ſie entſpricht den vorhandenen Bedürfniſſen noch nicht. Von ihnen wird ein großer Theil des Bibliothekfonds in Anſpruch genommen.
Unter dieſem erhöhten Aufwande für mathematiſche und naturwiſſenſchaftliche Werke und wiſſen⸗ ſchaftliche Zeitſchriften mußten natürlich die übrigen Theile der Bibliothek mehr oder weniger leiden, ganz beſonders die deutſche Literatur. Die unſterblichen Werke der erſten Blüthezeit unſerer Literatur ſind nur zum Theil in Ueberſetzungen vorhanden, nur ſehr wenige im Urtext. Unſere neueſte Literatur iſt nur ſehr ſchwach vertreten. Selbſt Freitag's, Eber's, Scherr's und Reuter's Werke, die man doch in jeder einiger⸗ maßen bedeutenden Privatbibliothek findet, konnten für die Büdinger Gymnaſialbibliothek noch nicht ange⸗ ſchafft werden. Auch die übrigen Fächer, namentlich die philologiſchen Abtheilungen, bedürfen der Vervoll⸗ ſtändigung. Dieſen Mängeln abzuhelfen und dabei Alles auf dem richtigen Niveau zu erhalten, iſt bei einer jährlichen Einnahme von 350 Mk. ſchlechterdings unmöglich; dazu bedarf man mindeſtens 600 Mk., eine Summe, die ja auch in Darmſtadt und Gießen für die Gymnaſialbibliothek verwendet wird, obwohl dieſelben, da ſich in dieſen Städten bedeutende öffentliche Bibliotheken befinden, weniger in Anſpruch ge⸗ nommen werden, als die in Büdingen. Wir dürfen wohl zu unſerer Regierung und unſern Stände⸗ kammern, die ja in den letzten Jahren viel zur Hebung des Büdinger Gymnaſiums gethan haben, das Vertrauen hegen, daß ſie auch dem in der Bibliothek herrſchenden Nothſtand baldigſt dauernd abhelfen werden. Die während des erſten Zeitabſchnittes ſo beliebte Art der Erwerbung von Büchern bei Verſtei⸗ gerungen wurde in dem zweiten beibehalten, aber ſehr beſchränkt, da man jetzt darnach ſtrebt, wo möglich immer die neuen und neueſten Literalien anzuſchaffen. Beſonders zu erwähnen ſind die Erwerbungen die bei der Pfannkuchen'ſchen Verſteigerung in Gießen gemacht wurden. Begünſtigt wurde das Beſtreben, neu⸗ erſchienene Werke anzuſchaffen, durch die Erleichterung des Bezugs derſelben infolge der beſſern Verbin⸗ dung mit Gießen und Frankfurt und beſonders infolge der Errichtung von Buchhandlungen im Städtchen ſelbſt. Mit Geſchenken wurde die Bibliothek auch während des zweiten Zeitabſchnittes, zuweilen ſogar ziem⸗ lich reichlich bedacht. Beſondere Erwähnung verdient das Geſchenk, das ihr nach dem Tode des ehema⸗ ligen Rektors der Anſtalt, Prof. Hadermann, zu Theil wurdo, inſofern deſſen nicht unintereſſante, ziemlich ſtarke Bibliothek in das Eigenthum der Bücherſammlung des Gymnaſiums übergieng.
Eine weitere erwähnenswerthe Bereicherung erfuhr die Büdinger Gymnaſialbibliothek ſeit 1854 dadurch, daß in jenem Jahre der Programmenaustauſch eingeführt wurde, 3) der ſich bis zum Anfang des letzwverfloſſenen Jahrzehnts faſt ausſchließlich auf die höheren Anſtalten unſeres engern Vaterlandes be⸗ ſchränkte, damals aber unter Errichtung einer Centralvermittlungsſtelle zu Leipzig(B. G. Teubner'ſche Buchhandlung) auf alle höheren Anſtalten des deutſchen Reiches ausgedehnt wurde, die ſich zur Zahlung eines jährlichen Beitrags von 6 Mark verpflichteten.
Aber trotzdem hat ſich die Büdinger Schulbibliothek im Verlauf von ungefähr 280 Jahren nicht über den Beſtand von 5— 6000 Bänden zu erheben vermocht, während z. B. die jüngern Gymnaſialbi⸗ bliothek zu Darmſtadt nach zuverläſſigen Angaben 9— 10,000 Bände ſtark iſt. 14)
¹3) Vergl. die Programme v. 1854, pag. 8 u. 1855, pag. 3. ¹) Vergl. Uhrig, Geſchichte des Gr. Gymnaſiums zu Darmſtadt. Pag. 116.


