Aufsatz 
Mittheilungen über die Gymnasialbibliothek zu Büdingen : nebst einem Verzeichnis der in ihr befindlichen Bücher aus dem 15., 16. und 17. Jahrhundert / von H. Weyerhäuser
Entstehung
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Auch während des zweiten Abſchnittes mußte die Bücherſammlung des Gymnaſiums wiederholt ihr Lokal wechſeln. Als nämlich bei der letzten Reorganiſation dieſer Schule die Zahl der Klaſſen um eine vermehrt und die damals ſchon vorhandenen zum Theil getrennt wurden, erwies ſich die Zahl der Klaſſenzimmer im Schulgebäude als unzureichend. Es mußten deshalb wieder zwei Zimmer der ſ. g. Hohen Schule in Benutzung genommen werden, das untere öſtliche als Klaſſenzimmer der VI., das obere als Zimmer für die Bibliothek, deren ſeitheriges Lokal im Schulgebäude ſelbſt als Klaſſenzimmer verwendet wurde. Aus dem Anbau an der Kirche wurde ſie kurz vor den Herbſtferien 1879 in das neue Gymnaſialgebäude gebracht und hierauf in dem für ſie beſtimmten Raume aufgeſtellt und geordnet.

Bei der Konſtituirung des Gymnaſiums im Jahre 1822 entwarf Kirchenrath Keller, der obere Direktor der Anſtalt, ¹⁵) auch eine Inſtruktion für den Bibliothekar, deren Hauptpunkte folgende ſind:

Der Bibliothekar verwaltet die Bibliothek unter der Aufſicht des Direktors der Anſtalt. Die Bi⸗ bliothek ſoll jeden Mittwoch und Samſtag von 12 Uhr geöffnet ſein, und ein Katalog nach dem Alphabet eingerichtet werden. Eine beſondere Vergütung hierfür wird nicht gewährt, dagegen werden dem mit der

Verwaltung betrauten Lehrer die darauf verwendeten Stunden bei ſeinen Unterrichtsſtunden in Anrechnung gebracht.

Die urſprünglich für die Eröffnung der Bibliothek beſtimmten Stunden wurden der Zweckmäßigkeit halber oft anders angeſetzt. Der Katalog, von dem in der Inſtruktion die Rede iſt, wurde im Jahre 1823 sqq. von dem erſten Bibliothekar Dr. Schaumann ausgearbeitet. Er benennt ſich: Index librorum Gymnasii Budingensis secundum litterarum ordinem dispositus. Derſelbe wurden von folgenden Bibliothekaren weitergeführt:¹) 3

1) Dr. Schaumann(1823 1841); 2) Dr. Zimmermann(18411856); 3) Gymnaſiallehrer Bauſch(18561858); 4) Dr. Haupt(1858 1859); 5) Dr. Lotheißen(1859 1863); 6) Dr. Blümmer (1863 1864); 7) Dr. Schmidt(1864 1869);8) Dr. Oßwald(1869 1876); 9) Dr. Weyerhäuſer(ſeit 1876).

Da dieſer Katalog nicht nach Wiſſenſchaften und innerhalb derſelben alphabetiſch geordnet iſt, ſondern die Titel der Bücher aus allen Gebieten nebeneinanderſtehen und auch hierbei die alphabetiſche

Reihenfolge ſehr häufig durchbrochen worden iſt, beſonders dadurch, daß einzelne Bogen Papier in das Buch neu eingeheftet wurden, ſo iſt die Ueberſicht außerordentlich ſchwer. Es iſt deshalb nöthig, daß ein neuer Katalog nach wiſſenſchaftlichen Kategorien angelegt wird. Hoffentlich iſt es dem Verfaſſer bald möglich, die zu dieſem Zweck begonnenen Vorarbeiten zu Ende zu führen und dann den Katalog ſelbſt auszuarbeiten. Sehr wünſchenswerth wäre es, daß dieſer dann auch gedruckt werden könnte, denn nur auf dieſe Weiſe wäre eine vollſtändige Erſchließung und Nutzbarmachung der Bibliothek möglich.

Seit 1832 wurde auch beſondere Rückſicht auf die Bedürfniſſe der Schüler genommen und nach und nach eine Schülerbibliothek gegründet, die in ähnlicher Weiſe wie die Lehrerbibliothek verwaltet wird. Die im Jahre 1839 gedrucktenGeſetze für die Schüler der Gymnaſien im Großherzogthum Heſſen enthalten folgende Beſtimmungen bezüglich der Benutzung der Bibliotheken von Seiten der Gymnaſiaſten:(§. 14) Zur Beförderung des Privatfleißes werden gegen ausgeſtellte Scheine aus,den Schulbibliotheken Bücher verliehen, welche zur beſtimmten Zeit in unverſehrtem Zuſtande wieder zurückgegeben werden müſſen. Wer Etwas davon beſchädigt oder verliert, iſt außer der Strafe der Nachläſſigkeit zum vollen Erſatz verpflichtet. Dieſe Beſtimmungen ſind auch jetzt noch giltig.

Auch für die Schülerbibliothek wurde, und zwar im Jahre 1865, von dem damaligen Bibliothekar Dr. Schmidt ein Bücherverzeichnis angelegt.

¹5) Damals hatte die Anſtalt einen obern Direktor und einen Direktor. ¹6) Vergl. Progr. 1872, pag. 31.