Aufsatz 
Mittheilungen über die Gymnasialbibliothek zu Büdingen : nebst einem Verzeichnis der in ihr befindlichen Bücher aus dem 15., 16. und 17. Jahrhundert / von H. Weyerhäuser
Entstehung
Einzelbild herunterladen

7

Möchte doch darum der heutige Tag, der auch unſere Stadt zum Danke verpflichtet, Veranlaſſung werden, daß man nach dem ruhmvollen Vorgange anderer Städte ſich vereinige, um auch in dieſer Hin⸗ ſicht unſer Gymnaſium ſeinen inländiſchen Schweſtern immer näher zu bringen.¹¹) Dieſe Worte waren nicht vergeblich geſprochen. Die Bibliothek erhielt von dem erlauchten Patron der Anſtalt ein Gnadengeſchenk von 500 fl., für die damaligen Verhältniſſe eine ſehr bedeutende Summe Geldes, wovon man alsbald eine Anzahl der nöthigſten Werke anſchaffte. So war zwar augenblicklich Rath geſchaffen, aber um die Wiederkehr ähnlicher Nothſtände zu verhindern, bedurfte man eines bedeutend höhern Fixums, da die Einnahmen aus Bibliothekgeldern ziemlich gering waren. Eine nennenswerthe Erhöhung(auf 150 fl.) ſcheint erſt 1853 ſtattgefunden zu haben.

Vom Jahre 1860 an hatte man mehrere Jahre hindurch die Mittel, doppelt ſo viel anzuſchaffen. Dieſes wurde dadurch ermöglicht, daß damals mit Genehmigung der zuſtändigen Behörde ein Exemplar der erſten Geſammtausgabe von Shakeſpeare's Werke, das vielleicht bei der Hebebrand'ſchen Verſteigerung (1810) erworben worden war, an den Antiquar Ellis in London für 1000 fl. verkauft wurde, die, wie es ſcheint, in der Art zur Anſchaffung neuer Werke verwendet wurden, daß man 5 Jahre lang jährlich 200 fl. verausgabte.¹12²) Nehmen wir an, daß die laufenden Jahreseinnahmen des Bibliothekfonds 200 fl., 150 fl. Fixum und 50 fl. aus Bibliothekgeldern, betrugen, ſo wurden in den Jahren 18601865(innkl.) jährlich 400 fl. verwendet. Man mag es bedauern, daß eine ſo werthvolle Shakeſpeareausgabe aus der Büdinger Bibliothek ins Ausland gewandert iſt, aber gewiß nützt dieſelbe in London der Wiſſenſchaft mehr, als das in Büdingen möglich iſt; außerdem haben die für die vereinnahmten 1000 fl. angeſchafften Werke dem Gymnaſium jetzt ſchon mehr Nutzen gebracht, als eine alte Shakeſpeareausgabe je hätte bringen können.

Vom Jahre 1866 an waren die Mittel wieder dieſelben wie vor 1860(c. 200 fl.), was daraus hervorgeht, daß ſich in den Programmen dieſes und der nächſtfolgenden Jahre(18661870) die Notiz findet, daß die dort aufgezählten Werke aus den etatsmäßigen Fonds angeſchafft wurden. Mit dieſen Mitteln konnte man, da man ja während der 5 fetten Jahre das früher Verſäumte in Weſentlichen nachgeholt hatte, ſich einige Jahre lang behelfen. Lange gieng das allerdings nicht. Da fand ſich im Anfang der ſiebenziger Jahre folgender Weg zur Vermehrung des Fonds. Infolge der damals ſehr bedeutenden Frequenz ergaben ſich am Jahresſchluß faſt regelmäßig Ueberſchüſſe in der Gymnaſialkaſſe. Dieſe wurden zum Theil zu Bibliothekzwecken verwendet. Dadurch erhöhte ſich der Fonds z. B. für die 3 erſten Jahre dieſes Jahrzehnts durchſchnittlich auf 480 500 Mark.

Im Jahre 1875 kamen die Bibliothekgelder in Wegfall, auch Ueberſchüſſe, die ſich in der Gymna⸗ ſialkaſſe ergeben hatten, wurden ſeitdem nicht mehr zur Anſchaffung von Büchern verwendet; dagegen wurde das Fixum auf 350 Mark erhöht. Dies iſt inſofern ſehr angenehm, als man ſeit dieſer Zeit ganz ſicher auf ein beſtimmtes jährliches Einkommen rechnen kann; unangenehm aber inſofern, als gegenwärtig kaum ſo viel Geld zu obenbezeichnetem Zwecke ausgegeben werden kann, als früher in der Regel ausge⸗ geben wurde, auch in ſofern, als die Wiederkehr ſo reicher Jahre, wie die von 1860 1865 und 1870 1872 geweſen ſind, kaum möglich iſt, obwohl inzwiſchen die Bücherpreiſe nicht unbedeutend erhöht worden, und die Anforderungen an die Leiſtungsfähigkeit der Bibliothek ſeit der Einführung des neuen Lehrplans in den Heſſiſchen Gymaſien nicht unweſentlich geſtiegen ſind. Bekanntlich wird ſeitdem vielmehr Nachdruck auf den mathematiſchen und naturwiſſenſchaftlichen Unterricht gelegt. Es mußten deshalb für dieſe Unterrichtsgegenſtände in kurzer Zeit ſehr bedeutende Anſchaffungen gemacht werden.

¹¹) S. Reden bei der Einweihung des neuer ymnaßalgebändes in Büdingen, am 6. April 1829 gehalten von den vier ordentlichen Lehrern des Gymnaſiums. Pag. 2.

¹²) Vergl⸗ Progr. 1861, pag 4. u. 1872, pag. 31.