Aufsatz 
Mittheilungen über die Gymnasialbibliothek zu Büdingen : nebst einem Verzeichnis der in ihr befindlichen Bücher aus dem 15., 16. und 17. Jahrhundert / von H. Weyerhäuser
Entstehung
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giſche Studien gemacht hatten. Außer theologiſchen und philologiſchen Schriften wurde ſelten Etwas an⸗ geſchafft. Daher kommt denn auch das entſchiedene Vorwiegen ſolcher Bücher in dem unten folgenden Ver⸗ zeichniſſe. Allerdings mag dieſer Umſtand auch theilweiſe mit der Gründung der Bibliothek zuſammen⸗ hängen. Ueber dieſe haben wir nun zwar keine direkten Nachrichten, aber dennoch wird man ſchwerlich irren, wenn man ſich dieſelbe folgendermaßen vorſtellt. Bei der Errichtung der höheren Lehranſtalt mußte man auch darauf bedacht ſein, die nothwendigſten Bücher herbeizuſchaffen. Da die Lehrer äußerſt dürftig beſoldet wurden, konnte ihnen die Anſchaffung derſelben wohl nicht zugemuthet werden. Der erlauchte Gründer der Schule, Wolfgang Ernſt, Graf zu Yſenburg und Büdingen, ſchenkte deshalb eine An⸗ zahl Bücher aus der Schloßbibliothek, namentlich die dort vorhandenen Doubletten¹). Dieſes waren wohl vorzugsweiſe theologiſche Werke, da gerade dieſer Graf an den religiöſen und kirchlichen Zuſtänden und Kämpfen ſeiner Zeit beſonders lebhaften Antheil nahms) und jene Zeit überhaupt für ſolche Dinge das größte Intereſſe hatte. An dieſe Schenkung des Gründers der Schule ſchloß ſich wohl eine von Seiten der Stadt an. Vielleicht hat man auch damals ſchon und ſpäter jährlich, wahrſcheinlich aber mit längeren oder kürzeren Unterbrechungen, beſonders während des 30 jährigen Krieges, einen, wenn auch nur geringen Betrag für die Schulbibliotehek in das Budget der Schule eingeſtellt und dieſen durch ſ. g. Bibliothek⸗ gelder, die man von den Schülern erhob, vermehrt).

Jedenfalls gab es am Anfang unſeres Jahrhunderts eine Art von Bibliothekfonds; denn wir wiſſen ganz beſtimmt, daß im Jahre 1810 eine Ausgabe von 15 fl. für die Bibliothek gemacht wurde, wozu man das Geld kaum anderswoher nehmen konnte. Thudichum berichtet nämlich?):Im Jahre 1810 machte Keller bei der Hebebrand'ſchen Verlaſſenſchaft eine verhältnißmäßig gute Erwerbung, indem er 85 Schriften, darunter viele Klaſſiſche Autoren, meiſtens in alten, zum Theil werthvollen Ausgaben, für 15 fl. ankaufte. Dieſe Art Bücher zu erwerben, ſcheint damals überhaupt ſehr beliebt geweſen zu ſein. Daß man indeſſen auf dieſem Wege nicht immer das Neueſte erwarb, iſt mehr als wahrſcheinlich. Neue Bücher ſcheint man, da zu dieſer Zeit in Büdingen ſelbſt noch keine Buchhandlung beſtand, hauptſächlich aus Frankfurt, Gießen und Hanau bezogen zu haben. Uebrigens müſſen die damals zur Verfügung ſtehenden Mittel ſehr gering geweſen ſein, da im Jahre 1800 von dem Leiter der Schules) der Vorſchlag gemacht wurde, 600 Bände zu verkaufen und einige Reallexika u. d. gl. zu kaufen?). Ein ſolcher Vorſchlag läßt ſich natürlich nur begreifen, wenn man annimmt, daß die bewilligten Geldmittel zur Befriedigung der vorhandenen Bedürfniſſe nicht ausreichten. Glücklicherweiſe wurde dieſer Plan nicht ausgeführt.

Betreffs der Lokale, in denen die Bibliothek während dieſes Zeitraumes aufgeſtellt war, findet ſich bei Thudichum a. d. o. O. folgende Mittheilung:Im Jahre 1746 wurde die Schulbibliothek aus dem Hospital, der Wohnung des Präceptors und Conrektors, in das Rondel im Treppenthürmchen an der Schule gebracht, nach 1775 aber, wo man den Thurmbau anfing, und ihn bis 1778 vollendete, und wobei die Wendeltreppe abgebrochen wurde, in die neu eingerichtete öſtliche obere Lehrſtube verſetzt, wo ſie bis 1829 geblieben iſt. Dieſe Mittheilung läßt für die Zeit von 1746 bis zu Ende des erſten Zeitraumes und darüber hinaus an Klarheit Nichts zu wünſchen übrig. Ob in der Zeit von der Gründung der Schule bis zum Jahre 1746 die Bibliothek ſich ſtets im Hospital befand, wiſſen wir nicht beſtimmt, aber es iſt höchſt wahrſcheinlich der Fall geweſen.

1) Vergl. damit die Mittheilung Uhrig's bezüglich der Entſtehung der Gymnaſialbibliothek zu Darmſtadt in deſſen. Geſchichte des Gr. Gymnaſiums zu Darmſtadt. Darmſtadt 1879. ſehn 8 16. 1

) S. Meyer, Geſchichte der Stadt und Pfarrei Büdingen. Pag. 206 sqq.

) Vermuthlich hat Keller im Jahre 1822 die ſog. Bibliothekgelder ſchon vorgefunden. S. unten Pag. 6. ) Vergl. Thudichum, Geſchichte d. G. zu Büd. Pag. 79.

) Prof. Hadermann, Rektor der Schule.

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