Aufsatz 
Vergleichende Darstellung der lateinischen und französischen Conjugation
Entstehung
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Norditalien, einen Theil der Schweiz und Galliens jenſeits der Alpen,(des heutigen Frankreich) abgenommen und die Bewohner dieſer Ländertheile, welche man Gallia cisalpina und provincia tjetzt Provence) nannte, romaniſirt. Cäſar ſelbſt unter⸗ warf die noch übrigen Theile Galliens zwiſchen den Pyrenäen, dem atlantiſchen Ocean, dem Armelmeer, der Nordſee und dem Rhein.¹) Der Eroberung Galliens durch das römiſche Schwert folgte die größere Bürgſchaft der Dauer in ſich tragende Eroberung durch die römiſche Kultur auf dem Fuße. Römiſche Sitten und Gebräuche, römiſche Wiſſenſchaften und Künſte, namentlich aber die römiſche Sprache, wie ſie das römiſche Volk ſprach, die lingua romana rustica, verbreiteten ſich raſch und brachten eine vollſtändige Umwandlung der Verhältniſſe hervor. Nur einzelne abgelegene Theile Galliens wußten ſich den Einflüſſen der römiſchen Kultur mehr oder weniger zu entziehen und vermochten dadurch ihre eigenen Sitten und Gebräuche, ſowie ihre Sprache u. ſ. w. zu bewahren. Dieſes gilt namentlich von den Bewohnern der Halbinſel Bretagne und eines Theiles der Pyrenäen. Die Bretonen und Basken haben viele ihrer Eigenthümlichkeiten bis auf den heutigen Tag bewahrt. Ihre Sprachen das Bas Breton(Breizunac) und das Baskiſche enthalten noch jetzt bedeutend mehr der Sprache der Ureinwohner entnommene, als romaniſche(franzöſiſche reſp. ſpaniſche) Beſtandtheile. Im Franzöſiſchen ſelbſt dagegen finden ſich jetzt nur noch verhältnißmäßig ſehr wenige keltiſche Elemente.

Nachdem ſich die römiſche Kultur und Sprache auf dieſe Weiſe in Gallien be⸗ feſtigt hatten, trat jene Wanderung germaniſcher Völkerſtämme ein, welche wir gewöhn⸗ lich mit dem Namen Völkerwanderung bezeichnen. Den wuchtigen Schlägen der ju⸗ gendkräftigen Germanen vermochte das altersſchwache römiſche Reich nicht zu wider⸗ ſtehen. Es wankte und ſtürzte. Doch neues Leben entſproßte den Ruinen. Auf Galliens Grund und Boden entſtanden und beſtanden die Reiche der Burgunder, Weſtgothen und Franken, zuerſt nebeneinander; dann bildeten die zwei erſteren Be⸗ ſtandtheile des letzteren, welches unter ſeinen bedentendſten Herrſchern auch einen gro⸗ ßen Theil Deutſchlands und Italiens, ja ſogar ein Stück von Spanien umfaßte. Von den Nachkommen des größten fränkiſchen Königs, Karls des Großen, beſaß keiner die Kraft, die vielerlei Länder und Völker umfaſſende Monarchie allein zu regieren. Schon ſeine Enkel theilten daher das gewaltige Reich in drei(Vertrag zu Verdun 843) und dann in zwei Theile(Frankreich und Deutſchland Vertrag zu Merſen 870). Von nun an gingen beide Reiche ihre eigenen Wege, wie feindliche Geſchwi⸗ ſter, von Zeit zu Zeit aufeinanderſtoßend. Obgleich alſo Gallien Jahrhunderte lang unter der Waffengewalt der germaniſchen Krieger der gothiſchen, burgundiſchen und frän⸗ kiſchen Könige geſtanden hatte, ſo vermochte doch die germaniſche Kultur und Sprache die vorhandene höher entwickelte römiſchkeltiſche Kultur und Sprache nicht zu verdrängen. Es gelang im Gegentheil den Beſiegten ihre Beſieger in dieſen Beziehungen zu über⸗

¹) Vergl. C. J. Caesaris commentarii de bello gallico.