Aufsatz 
Vergleichende Darstellung der lateinischen und französischen Conjugation
Entstehung
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Licht über dieſe Punkte zu verbreiten. Man hat zwar hier wie dort ſchon bedeutende Errungenſchaften aufzuweiſen, aber das Ziel liegt noch in weiter Ferne.

Der Sprachwiſſenſchaft iſt es gelungen, die meiſten Sprachen nach gewiſſen Merkmalen in Sprachgruppen(Sprachſtämme) zuſammenzuſtellen und daraus auf eine je einer Gruppe gemeinſame Urſprache und mit Wahrſcheinlichkeit auf die gemeinſame Abſtammung der Völkerſchaften, welche die aus der gemeinſamen Urſprache entwickelten Sprachen ſprechen, zu ſchließen. So hat man durch Vergleichung heraus⸗ gebracht, daß die Sprachen der Inder, Perſer, Kelten, Griechen, Italiker, Spanier, Portugieſen, Dako⸗Romanen(Walachen), Rhäto⸗Romanen(in Graubünden), der Deutſchen, Holländer, Schweizer, Dänen, Norweger, Schweden, Isländer, Engländer, Ruſſen, Polen, Letten u. ſ. w. große Aehnlichkeit untereinander haben, und daraus mit großer Wahrſcheinlichkeit geſchloſſen, daß allen dieſen Sprachen eine gemeinſame Urſprache, die indogermaniſche(ariſche) zu Grunde liegt, und daß alle Völker, welche die eben aufgezählten Sprachen ſprechen, von dem Urvolke der Arier abſtammen. Aehnliche Schlüſſe hat man auch bezüglich anderer einander ähnlicher Sprachen gemacht. Darüber iſt aber die Sprachwiſſenſchaft bis jetzt noch nicht hinausgekommen. Eine Gruppirung der ſ. g. Sprachſtämme zu einer höheren Sprachen⸗ einheit iſt bis jetzt noch nicht gelungen.

Unter den ſ. g. Sprachſtämmen iſt für uns der wichtigſte und intereſſanteſte der indogermaniſche(ariſche), da er die bedeutendſten europäiſchen Sprachen, umfaßt. Dieſe laſſen ſich in drei Sprachfamilien eintheilen: die germaniſche, romaniſche und ſlaviſche.

Unter den romaniſchen Sprachen nehmen das Italieniſche, Spaniſche, Portu⸗ gieſiſche, Provengaliſche und Franzöſiſche die hervorragendſten Stellen ein. Sie ſind ſämmtlich als Weiterbildungen der römiſchen Volksſprache(lingna romana rustica) anzuſehen. Die Erörterung des Verhältniſſes dieſer Sprachen zu einander und zur römiſchen Volksſprache würde hier zu weit führen; wir beſchränken uns daher an dieſer Stelle darauf, das Verhältniß des Franzöſiſchen zur Volksſprache der Römer darzuſtellen. ¹)

Das Fränzöſiſche wird wir ſehen hier ab von dem Gebrauche des Franzöſiſchen in den ehemaligen und jetzigen Colonien Frankreichs, in der Diplomatie und in den ariſtokratiſchen Kreiſen vieler Länder gegenwärtig in Frankreich, einem Theile Bel⸗ giens und der öſtlichen Schweiz als Volks⸗ und Gelehrten⸗Sprache geſprochen. Genannte Länder befanden ſich nämlich ums Jahr 200 v. Chr. im Beſitze galliſcher (keltiſcher) Völkerſchaften. Bei der Fortſetzung der Kämpfe der Gallier mit den Rö⸗ mern, welche ſchon um das Jahr 390 v. Chr. begonnen hatten, wurden Erſtere von Letzteren nach und nach unterworfen. Vor Cäſar hatten die Römer den Galliern

¹) Wer ſich über das Verhältniß ſämmtlicher romaniſchen Sprachen zu einander und zur lingua romana rustica genauer unterrichten will, den verweiſen wir auf: A. Fuchs d. R. S. i. i. V. z. L. S. 4. und Fr. Diez, Grammatik der romaniſchen Sprachen. Thl. I. S. 3.