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Diethelm drauf:„Der Kloſtergerſte Hat ſie lang und ſatt gegeſſen.
Still Gerswinda, wilde Docke! Auch daheim wird gut gemeſſen.
Doch mit Gunſt, ihr buchgelehrten Frommen Herrn, ich muß erſtaunen, Seh' ich euch die Hengſte tummeln,
Hier den Fuchs und dort den Braunen.“
Drauf Warin:„Im Pſalter fingert Mancher, der in Jugendtagen Durch die Welt auf Roſſesrücken Sturmgewand und Schwert getragen,“
Markward ſprach:„Zu einem Kranken Geht die Fahrt, zu ernſten Dingen; Sonſt, wie würd' aus Knappenkehlen Herrlich hier ein Stabreim klingen;
Einer von den freudig friſchen,
Die man ſang vor vielen Jahren, Als noch zwiſchen Rhein und Elbe Mein die Berg' und Thäler waren!“
Kein Wort verliert der Dichter an eine lang⸗ atmige Beſchreibung des Rittes; allein aus den Wechſelreden der Reiter tritt uns ein Bild davon entgegen, das an Deutlichkeit und Lebhaftigkeit und zugleich an Knappheit nichts zu wünſchen übrig läßt. Um uns auf eines hinzuweiſen: wie lebendig malt das Wort des Abtes„Elmar, halt dich ſtraff im Bügel“ den in ſtilles Sinnen verlorenen, der Hei⸗ mat wiedergegebenen jungen Sachſen, den die lu— ſtigen Sprünge ſeines Roſſes nicht in ſeinen Träumen ſtören!
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IV.
Betrachten wir nunmehr das Gedicht nach ſeiner Anlage, ſo zeigt ſich bald, daß der Aufbau desſelben äußerſt geſchickt iſt. Der 2. und 3. Geſang bilden die Expoſition, die uns mit den handelnden Perſonen, den frommen Mönchen und dem noch heidniſchen Edelherrn und ihrer augenblicklichen Lage bekannt macht. Die beiden folgenden Geſäuge bringen uns den Gegenſatz, in dem Chriſtentum und Heiden⸗
tum im ſächſiſchen Nethegau zu einander ſtehen, zur klarſten Anſchauung. Im 6. Geſang beginnt die Schürzung des Knotens, und dieſer wird enger gezogen im 7. Geſang, der den Brand des Saales ſchildert. Die folgenden 4 Geſänge erzählen nun in raſcher Folge das verhängnisvolle Schickſal, das dem Elmar durch die Tücke des falſchen Königs⸗ boten bereitet wird. Der Held, von der heidniſchen Prieſterin aufgegeben, von ſeinem Feinde mit einem giftigen Pfeile ſchwer verwundet, von ſeinen eigenen Landsleuten, den ſächſiſchen Edelherrn verurteilt, als Geächteter des Vatererbes beraubt und in die Verbannung geſandt, ſcheint in ſeiner äußern Exiſtenz vollkommen vernichtet, innerlich gebrochen, alle Hoffnung verloren. Nur der Umſtand, daß der Geächtete nah der Kloſterpforte bewußtlos vom Pferde ſinkt und daß bald nachher den übermütigen Königsboten die verdiente Strafe von Weiberhänden ereilt, gewährt eine leiſe Ahnung eines glücklichen Umſchwungs. Dieſe Ahnung bleibt beſtehen, da wir im 13. Geſange Elmar wenigſtens noch am Leben, wenn auch von einem heftigen Fieber be⸗ fallen, finden und für ihn und ſeine Rettung in den beiden folgenden Geſängen ſowohl die Hülfe des Himmels inbrünſtig erfleht, als auch irdiſche Heilmittel ungewöhnlicher Art angewandt ſehen. Der 16. Geſang ſcheint anfänglich nur eine lebendig ausgeführte Epiſode zu ſein: allein da an einer bezeichnenden Stelle der Schrei der„wilden Katze“ laut wird, den wir früher in zwei bedeutſamen Augenblicken— beim Anzünden des Saales und bei dem meuchleriſchen Pfeilſchuß— haben ertönen hören, ſo wird dieſe Ahnung verſtärkt. Daß dieſe uns nicht getäuſcht hat, erfahren wir aus:„Des Priors Lehrſprüchen“, die den Höhepunkt der Dich⸗ tung, die entſcheidende Haupthandlung enthalten und demgemäß die Löſung des geſchürzten Knotens einleiten. Elmar befindet ſich in einem doppelten Bann, dem des Reiches und dem des Heidentums. Nachdem der letztere durch des Priors Belehrung, der dem Elmar Sinn und Bedeutung der chriſt⸗ lichen Lehre erſchließt, der erſte durch die Ausſage


