Aufsatz 
Dreizehnlinden. Von F. W. Weber. Inhalt und Bemerkungen von B. Werneke
Entstehung
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ſchulkollegium verſchiedene Univerſitätsprogramme und die an der Berliner Univerſität gehaltenen Reden; vom Herrn Pfarrer Kübler in Rückerod ein ſchönes Exemplar von Hieron. Mercurialis: de arte gymnastica; von verſchiedenen Herren Verlegern, z. B. Schöningh in Paderborn, Tempski in Prag, Freytag in Leipzig, Enslin in Berlin u. a. einzelne Schulbücher. Beſten Dank den Gebern!

Zum Schluß noch eine Bemerkung: Das hieſige Kaiſer Wilhelms Gymnaſium iſt unter den Gymnaſien des preuß. Staates vielleicht das einzige, welches auch nicht über die kleinſte wohl⸗ thätige Stiftung zur Unterſtützung braver und talentvoller, aber armer Schüler verfügt. Andere Anſtalten haben mehr oder weniger reiche Fonds zu dieſem Zwecke und ſind ſo glücklich von Zeit zu Zeit neue Stiftungen zu erhalten. Ich kann an dieſer Stelle den Wunſch nicht unterdrücken, daß auch für unſere ärmeren Schüler ſich bald edle Wohlthäter finden mögen, die dieſem, gerade im Weſterwalde ſehr empfindlichen Mangel, abzuhelfen ſich entſchließen. Wer der erſte iſt, hat den ſchönſten Ruhm davon; iſt einmal ein Anfang gemacht, ſo läßt ſich hoffen, daß andere dem ſchönen Beiſpiel folgen werden.

Die öffentliche Prüfung wird Dienstag 8. April von morgens 8 Uhr ab im Lokal der Unterprima abgehalten; ich erlaube mir die Eltern unſerer Schüler, ſowie die Freunde und Gönner unſerer Anſtalt ergebenſt einzuladen, bei derſelben zu erſcheinen.

Sexta und Quinta. Rechnen: Seck. Latein: Wurm.

Quarta. Religion: Eyſert. Nepos: Marr.

Untertertia. Geſchichte: Becker. Mathematik: Heſſe.

Obertertia. Griechiſch: Knögel. Geographie: Schmitz.

Unterſekunda(nachm. von 2 Uhr ab). Livius: Blömer. Homer: Knögel. Oberſekunda. Phyſik: Breuer. Griechiſch: Lückenbach.

Unterprima. Horaz: Wahle. Mathematik: Heſſe.

Mittwoch 9. April wird das Schuljahr geſchloſſen. Morgens um halb 8 Uhr wird in der Pfarrkirche für die katholiſchen Schüler ein feierliches Hochamt(ohne Te deum, der Charwoche halber) geleſen; dann begeben ſich die Schüler zur Empfangnahme der Cenſuren in ihre Klaſſenzimmer.

Zur Nachricht.

Das neue Schuljahr beginnt Donnerstag den 24. April; an dieſem Tage werden die neu eintretenden Schüler geprüft. Anmeldungen nimmt an den beiden vorhergehenden Tagen der Unterzeichnete im Gymnaſialgebäude entgegen. Schüler, die bereits einer anderen Anſtalt angehört haben, müſſen ein förmliches Abgangszeugnis vor⸗ legen; einfache Schulzeugniſſe genügen nicht. Ebenſo ſind Impf⸗ reſp. Revaccinationsſcheine mitzubringen. Diejenigen Schüler, die an einem anderen Gymnaſium oder an einem vollberechtigten Progymnaſium durch Konferenzbeſchluß in eine höhere Klaſſe verſetzt ſind, ſowie diejenigen, die in dieſelbe Klaſſe eintreten, der ſie bereits angehört haben, werden ohne Prüfung aufgenommen. Es wird ausdrücklich bemerkt, daß für die Wahl der Wohnung die vorherige Genehmigung des Direktors erforderlich iſt. Zugleich füge ich für die hieſigen Hauswirte der Schüler nochmals die ausdrückliche Bemerkung hinzu, daß ſie verpflichtet ſind, das Lehrerkollegium in der Handhabung der Disciplin zu unterſtützen und auf die Beobachtung der Schulgeſetze von Seiten der ihnen anvertrauten Schüler zu achten. Insbeſondere müſſen ſie dafür Sorge tragen, daß die Schüler die vorgeſchriebene Arbeitszeit von 57 Uhr inne⸗ halten und zu ihren Studien verwenden, daß dieſelben im Winter nach 7 Uhr abends, im Sommer nach 8 reſp. 9 Uhr abends ohne vorherige Erlaubnis des Ordinarius das Haus nicht mehr verlaſſen, auch um dieſe Zeit keine Beſuche von anderen Schülern erhalten. Trinkgelage und lärmende Zuſammenkünfte auf den Zimmern der Schüler ſind unbedingt unterſagt; es muß darauf gehalten werden, daß überhaupt Sitte und Anſtand gewahrt bleibe. Die Hauswirte ſind verpflichtet, die etwa vorgekommenen Ungehörigkeiten dem Direktor, reſp. den Lehrern, wenn ſie die Schüler im Hauſe beſuchen, mitzuteilen, damit die Schule in den Stand geſetzt werde, rechtzeitig einzuſchreiten und die Schüler vor größeren Verirrungen und härteren Strafen zu bewahren. Wenn das Kind ertrunken iſt, hilft es nicht mehr, den Brunnen zuzudecken. Wenn in dieſer Beziehung die Hauswirte dem Lehrerkollegium treu zur Seite ſtehen, wird es uns leicht gelingen, den guten Ruf der Anſtalt, deren Blüte auch für das Gedeihen der

Stadt ſo außerordentlich wichtig iſt, ungeſchmälert zu erhalten. Der Gymnaſial⸗Direktor

Dr. Bernh. Wernerce.