Aufsatz 
Dreizehnlinden. Von F. W. Weber. Inhalt und Bemerkungen von B. Werneke
Entstehung
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das Kuratorium Herrn A. Marx,*) bisher Hülfslehrer am Gymnaſium zu Aachen, zum ordent⸗ lichen Lehrer; dieſer trat auch bereits am 7. November ſein Amt hierſelbſt an, da das Königliche Prov.⸗Schulkollegium in Coblenz die Güte hatte, denſelben, dem Wunſche des Kuratoriums ent⸗ ſprechend, ſofort aus ſeiner bisherigen Stellung zu entlaſſen.

Am 27. November erlitt das Gymnaſium einen herben Verluſt. Herr Karl Meiſter, der nach Beendigung ſeines Probejahrs am hieſigen Gymnaſium Aushülfe leiſtete, da z. Z. für ihn in der Provinz ſich keine anderweitige Verwendung fand, erlag nach kurzem Leiden einem typhöſen Fieber in dem jugendlichen Alter von 26 Jahren. Derſelbe, ein früherer Schüler unſerer Anſtalt, der bereits als Oberprimaner eineChronik der Stadt Montabaur im Druck veröffentlicht hatte, zeichnete ſich von jeher durch raſtloſen Fleiß und liebenswürdige Beſcheidenheit aus. Seine geniale Begabung, zumal für Mathematik, ließ etwas Außerordentliches bei längerem Leben von ihm hoffen. Schüler und Lehrer geleiteten den zu früh dahin Geſchiedenen zu Grabe. Bald wird ſich über dieſem ein ſchönes Denkmal aus einheimiſchem Marmor erheben, eine Stiftung ſeiner Freunde und Schüler. Have pia anima!

Die Weihnachtsferien dauerten vom 22. Dezember bis zum 5. Januar.

Am 21. März wurde die Vorfeier des Geburtstages Sr. Maj. des Kaiſers in herkömm⸗ licher Weiſe mit Geſang und Deklamation im Rathausſaale begangen. Die Feſtrede hielt Herr Gymnaſiallehrer Heſſe.

Die durch den Abgang des Direktors Dr. Iltgen entſtandene Lücke iſt in der Weiſe ausgefüllt, daß der bisherige erſte ordentliche Lehrer Herr Schmitz zum Oberlehrer gewählt und vom Herrn Miniſter als ſolcher beſtätigt wurde. Das Ausſcheiden des Herrn Dr. Neuß bedingt eine neue Vervollſtändigung des Kollegiums. Das Kuratorium hat beſchloſſen, dem Herrn Religions⸗ lehrer Eyſert die vierte Oberlehrerſtelle zu übertragen, die übrigen Lehrer in die nächſt höhere Stelle aufrücken zu laſſen und dem Hülfslehrer Knögel die fünfte ordentliche Lehrerſtelle zu über⸗ tragen. Die Entſcheidung der hohen vorgeſetzten Behörde ſteht noch aus.

Der Geſundheitszuſtand des Lehrerkollegiums war im vergangenen Jahre im allgemeinen ein befriedigender; nur einzelne Lehrer mußten den einen oder andern Tag vertreten werden. Pro rektor Breuer war im Februar auf 10 Tage nach Neuwied als Geſchworener einberufen. Der Geſundheitszuſtand der Schüler dagegen ließ, zumal gegen das Ende des Schuljahrs hin, einiges zu wünſchen übrig. Eine Reihe von Schülern, denen bei der langen Dauer des Winterſemeſters die Kraft verſagte,**) mußte entweder von einzelnen, minder wichtigen Stunden dispenſiert oder auch auf ärztliche Anordnung nach Hauſe entlaſſen werden.

Die Lehrerbibliothek erhielt abgeſehen von dem aus Etatsmitteln beſtrittenen Zuwachs verſchiedene wertvolle Geſchenke: von dem hohen Miniſterium die Fortſetzung der Publikationen aus dem Kgl. Preuß. Staatsarchiv, die Fortſetzung von Camoens Werken, überſ. von Storck und dieJahrbücher des Vereins von Altertumsfreunden im Rheinland; von Königlichem Provinzial⸗ =e Derſelbe teilt über ſein Leben Folgendes mit: Geboren am 29. Oktober 1854 zu Andernach erhielt er ſeine Vorbildung am Progymnaſium zu Andernach und dem Gymnaſium zu Trier und ſtudierte in den Jahren 1874 1879 Philologie an der Univerſität Bonn. Nach beſtandenem Staatsexamen genügte er während eines

Jahres in Cöln ſeiner Militärpflicht und trat dann zu Oſtern 1881 als Kandidat am Gymnaſium zu Aachen in den Schuldienſt. Er war ſpäter noch als kommiſſariſcher Lehrer beſchäftigt in Sigmaringen, Eſſen und zuletzt ieder in Aachen.

bdie nnhe. meiſten der betr. Schüler litten an Blutarmut, einer Krankheit, die unter der heutigen Jugend in bedenklicher Weiſe zuzunehmen ſcheint. Es iſt mir auffällig, daß auch unter unſern Schülern die Fälle von Blutarmut Jahr für Jahr wieder vorkommen, obſchon doch die geſunde Lage der Stadt und insbeſondere die gün⸗ ſtige Lage des Gymnaſialgebäudes, zu dem friſche Luft und helles Licht den freieſten Zugang haben, dem körper⸗ lichen Wohlbefinden derſelben ſo förderlich ſind.