Aufsatz 
Dreizehnlinden. Von F. W. Weber. Inhalt und Bemerkungen von B. Werneke
Entstehung
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Die Sprache ſelbſt iſt kurz, gehaltvoll, vor⸗ wärtsdrängend. Nirgends verweilt der Dichter länger, als eben notwendig iſt, den Gedanken oder das Bild klar und beſtimmt hinzuſtellen. Man merkt leicht, daß der Dichter fleißig die Lieder der Edda ſtudiert und ihnen das Geheimnis gedankenſchwerer Kürze abgelauſcht hat. Nehmen wir als Beiſpiel aus dem dritten Geſange die Strophen, die von den Ahnen Elmars und dem Kriege Karls des Großen mit den Sachſen handeln:

Stätig auf dem Habichtshofe Unter ihres Saales Balken, An derſelben Feuerſtätte Hauſten, Sohn auf Sohn, die Falken, Ehrenreich und unverworren, Bis am Rhein der Brand erglühte, Der, gewälzt von Berg zu Bergen, Durch die Sachſendörfer ſprühte. Krieg mit Karl! die Mütter klagten; Krieg! Es freuten ſich die Aare, Krieg den Göttern, Krieg den Menſchen, Krieg durch dreißig lange Jahre! Alfrik, Elmars Vater, brachte Wunden heim und bittre Schmerzen, Heiße Wunden, tiefe Wunden, Doch die tiefſte ſaß im Herzen. Machtlos, rechtlos war der Sachſe: Dreiſt, wie auf die müden Flanken Eines ſpeerdurchbohrten Ebers, Trat auf ihn der Fuß des Franken.

Überhauptiſt gerade der Geſang, dem vorſtehende Strophen entnommen ſind, ein wahres Muſter von markiger Gedrungenheit.

Wie kurz, aber gediegen iſt die Rede, mit der Elmar ſich im Gaugeding über ſeinen heidniſchen Glauben ausſpricht:

Elmar ſprach:Des Götzendienſtes

Zeiht er mich vor Ring und Dinge,

Trügt ihr's, ſo ich frech zu höhnen

Euren Gott mich unterfinge?

Wo ich mich in Demut beuge, Darf ein Thor nicht ruchlos ſchelten: Was euch heilig, will ich achten; Was mir heilig, laßt es gelten.

Euren Prieſtern, euren Mönchen Zins und Zehnten gab ich willig; Sprecht, was habt ihr uns gegeben? Laßt uns atmen, das iſt billig!

Nein, ihr braucht ſie nicht zu dulden, Menſchenrechte müßt ihr ehren! Erſtes Recht iſt Recht zu beten,

Und das darf kein König wehren.

Irren wir? Vielleicht! Was atmet, Irrt und tappt in Finſterniſſen Blödes Auges; die Lebend'gen Glauben, und die Toten wiſſen.

Irr' ich? Einer iſt der Hohe, Einer iſt der Ebenhohe,

Und der dritte! Drei ſind Einer, Flammen drei in einer Lohe.

Heißt das Götzendienſt ihr Männer? Klingt euch das wie fremde Märe? Und doch iſt es Quell und Urſprung Unſers Wahns und eurer Lehre!

Den Ritt, auf welchem Abt und Prior den

geneſenen Elmar vom Kloſter nach Bodinkthorpe begleiten, ſchildert der Dichter in folgender Weiſe:

Sprach der Abt:So oft ich reite Durch den Wald in Sommertagen, Regt ſich traumhaft im Gemüte Längſt entwöhntes Wohlbehagen.

Schattenkühle, Tempelſtille,

Kaum ein Wispeln in den Zweigen, Duft'ger Hauch aus Moos und Binſen, Alles iſt ſo hold und eigen.

Und die Gabelweih' dort oben Elmar halt dich ſtraff im Bügel! Deine Stute, faſt zu luſtig,

Schäumt und drängt in Zaum und Zügel.