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Sprach der Biſchof:„Amen! Amen!“
In die Knie ſanken alle;
Friedensgeiſter, Gottes Engel,
Schwebten durch die ſtille Halle.“
Mit dieſen verſöhnenden, Freude und Frieden verkündenden Worten ſchließt das Epos; denn der 25. Geſang„Schluß“ iſt nichts als ein dichteriſches Nachwort, das den„Sang von Dreizehnlinden“, der freilich mit der heutigen Weltanſicht ſo vieler wenig zuſammenſtimmt, rechtfertigt.„Doch, was quillt, das muß zu Tage“.
III.
Nachdem wir hiermit den Gang der Handlung in dem Epos haben kennen lernen, wollen wir noch über Form und Gehalt deſſelben einige Bemerkungen hinzufügen. Eine eingehende und allſeitige Wür⸗ digung der Dichtung liegt ganz außer unſerm Plane; auch möchte bei einem ſo monumentalen Werke, das vor ſieben Jahren zum erſten Mal erſchienen iſt, die Zeit dazu noch nicht gekommen ſein.
Wie die mitgeteilten Bruchſtücke erkennen laſſen, iſt das Gedicht in vierzeiligen Strophen von je vier Trochäen mit weiblichen Endreimen im 2. und 4. Verſe geſchrieben. Dieſe Form iſt durch das ganze Gedicht hindurch unentwegt feſtgehalten, auch in den lyriſchen Abſchnitten, und dadurch jene Stä⸗ tigkeit gewonnen, die bei einem Epos ſo wohlthuend wirkt. Es läßt ſich freilich nicht verkennen, daß die Anwendung dieſes Versmaßes für längere Dich⸗ tungen in der deutſchen Sprache viele Schwierig— keiten bietet, da der Charakter und Tonfall der⸗ ſelben entſchieden jambiſch iſt. Allein ebenſo un⸗ verkennbar iſt, daß der Dichter dieſe Strophenform mit einer Meiſterſchaft handhabt, die in unſerer ganzen Literatur ihresgleichen ſucht. Nirgends zwingt ſie ihn zu gewaltſamen und gewagten Kon⸗ ſtruktionen; die Verſe fließen vielmehr ſo leicht und bequem dahin, daß wir meinen, es könne gar nicht anders lauten, es ſei die natürlichſte und am nächſten
liegende Wendung. Zugleich aber iſt, trotz der ver⸗ hältnismäßigen Kürze der Verszeilen, Eintönigkeit durchaus vermieden. Der Dichter erreicht dies da⸗ durch, daß einerſeits in der Regel ein Vers einen abgeſchloſſenen Gedanken oder doch einen zuſammen⸗ gehörigen Satzteil, hinter welchem der Leſer natur⸗ gemäß eine kürzere oder längere Pauſe macht, ent⸗ hält, daß aber anderſeits innerhalb des Verſes nicht ſelten Einſchnitte gemacht werden, die in der mannigfaltigſten Weiſe den Tonfall verändern. Be⸗ ſonders häufig iſt es, daß nach der zweiten oder dritten Tonſilbe ein Einſchnitt gemacht wird, ſo daß die andere Vershälfte jambiſchen Charakter bekommt, oder daß im dritten Trochäus ſtatt einer hochtonigen Silbe eine halbtonige eintritt, wodurch die Verſe einen leichten Gang erhalten.
Nehmen wir als Beiſpiel einige Strophen aus dem 16. Geſange:
„Nah dem Stamm des Rieſenbaumes Stand ein Kreuz aus Birkenſtäben Roh gefügt und ſchlicht gebunden Mit des Waldes wilden Reben.
Dran ein Kranz von dunklen Dornen, Und wie Rauch vom Opferherde Stieg ein dünnes blaues Wölkchen Aus der friſch gegrabnen Erde.“
Wenngleich für den kunſtgeübten Vorleſer jeder dieſer Verſe einen eigenen Tonfall hat, erſcheinen ſie doch dem gewöhnlichen Leſer gleich und regel— mäßig gebaut. Allein auch dieſer wird bei der folgenden Strophe ſchon eine merkbare Abwechſelung finden:
„Hier ein Kreuz? Von wem errichtet?—
Frage die im Schlaf geſtörten
Waldeswipfel, die es ſahen,
Frag' die Sträucher, die es hörten;
Frag' die Spur im Reif des Graſes,
Wo zwei kleine Füße ſtanden,
Die durch dürre Binſen ſtreiften
Und im Birkenbuſch verſchwanden.“
Etwas weiter heißt es:
₰


