Aufsatz 
Dreizehnlinden. Von F. W. Weber. Inhalt und Bemerkungen von B. Werneke
Entstehung
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verloren und beklagt nur, daß ihr die letzte Gunſt ſelbſt verſagt ſei,Schlaf im Schoß der Heimat⸗ erde.

Der 21. GeſangAbt Warin führt uns wieder in das Kloſter. Abt Warin, eben noch be ſchäftigt, die dem Gotteshauſe zugewandten Spenden zu regiſtrieren, hat die ermüdende Arbeit bei Seite gelegt und erlabt ſich eben an den ſchönen Erin⸗ nerungen ſeiner kampfesfrohen Jugend: da tritt plötzlich Elmar zu ihm herein, um ihm Dank für die treue Pflege zu ſagen und dann Abſchied zu nehmen; er will ſeinen alten Lehrer, den heidniſchen Frieſenprieſter Thiatgrim um Rat und Hülfe fragen. Allein der Abt, der Elmars quälende Zweifel und Gedanken kennt, hält ihn zurück.

Was dich kränkt und heilt, ich weiß es

Beſſer als der Mann im Norden:

Elmar, ſei ein Chriſt! Im Geiſte

Biſt du längſt ein Chriſt geworden.

Sprachlos ſteht Elmar da, doch plötzlich ſinkt er dem greiſen Manne zu Füßen und ſpricht mit gefaltenen Händen:

Segne mich und laß mich fliehen!

Doch läßt jener ihn nicht fort, ſondern bringt ihn zu dem klugen Prior, deſſen weiſe Worte den Sturm in der Seele Elmars beſchwichtigen.

In den drei folgenden GeſängenIm Kloſter⸗ chor(22.)Die wilde Katze(23.) undHeim⸗ kehr(24.) eilt das Epos raſch ſeinem Ende zu. Elmar hat endlich den Frieden der Seele wieder⸗ gefunden: vollkommen überzeugt von der Wahrheit der chriſtlichen Lehre hat er ſich taufen laſſen und findet nun ſich ſo glücklich, daß er für immer der Welt entſagen und in ein Kloſter treten möchte. Abt und Prior aber reden ihm zu, daß er einſtweilen noch davon abſtehen und der weitern Entwickelung ſeines Schickſals harren möge. Der Umſchlag er⸗ folgt auch bald: diewilde Katze, der braune Schmiedejunge, der den Elmar wegen einer von ihm erlittenen derben Züchtigung haßt, aber der Hildegunde wohl will, weil ſie ihm mitleidsvoll zum Weihnachtsfeſt ein Wamms geſchenkt hat, ent⸗

deckt dem kranken und von düſtern Gedanken ge⸗ folterten Grafen, daß Gero, der Königsbote, den kahlen Grimbart, einen gegen den Grafen er bitterten Knecht, angeſtiftet habe, den Saal in Brand zu ſtecken; ebenderſelbe Grimbart habe auch aus giftigen Kräutern einen Saft bereitet, mit dem Gero ſeinen Pfeil vergiftet habe; und dieſer endlich habe im Walde den Elmar meuchlings angefallen, nicht dieſer den Gero; derkahle Grimbart, der im Sterben liege, werde alles bezeugen. In der That bekennt Grimbart auf dem Sterbebette ſeine Schuld dem Grafen, und dieſer wiederum teilt den Sachverhalt dem greiſen Eſchenburger mit, der allein auf der Dingſtätte für Elmar geſprochen hatte. Um den Urteilſpruch rückgängig zu machen, reitet der Eſchenburger ſelber zur Königspfalz nach Aachen. Der Kaiſer hebt das Urteil auf und deutet an, daß er Elmar ſelbſt zum Gaugrafen zu er nennen gedenke. Mit dieſem Beſcheide reitet der Eſchenburger heim und holt nun, begleitet von dem alten Hausverwalter Diethelm und einigen andern Habichtshöfnern, Elmar aus dem Kloſter ab. Dem Erlöſten geben Abt und Prior das Geleit in die Heimat. Noch ehe ſie den Habichtshof erreichen, biegen ſie ſeitab zum Grafenhofe Bodinkthorpe, wo mittlerweile der Graf im Beiſein ſeines Freundes, des Biſchofs Badurad von Paderborn, geſtorben iſt, ehe noch ſein heißer Wunſch, Elmar noch einmal zu ſehen, in Erfüllung gegangen. Wie ſie in die Halle traten, finden ſie die Tochter und den Biſchof an dem Bette des Toten. Der Biſchof bringt die letzten Grüße und Wünſche des Verſtorbenen den Eintretenden und übergiebt mit dem Segen des Vaters die Tochter dem Elmar.

Sein teures Kleinod Bat er mich mit ſeinem Segen, Elmar, ſo dein Herz ihm offen,

An dein treues Herz zu legen.

Und der Falk, die Arme breitend: Du mein Bangen und Verlangen, Hilda, kommſt Du? Der Erlöſte Hielt die Weinende umfangen.