Aufsatz 
Dreizehnlinden. Von F. W. Weber. Inhalt und Bemerkungen von B. Werneke
Entstehung
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das Urteil dahin, daß dem Elmar zwar das Leben gelaſſen, aber ſein Erbe und Eigen ihm abgeſprochen, und er ſelbſt in Acht und Bann erklärt wird. Die Berufung an den Kaiſer nach Aachen verſchmäht Elmar:

Meines Schickſals dunkle Loſe

Leg' ich in der Götter Hände.

Die Aufregung hat ſein Blut in Wallung ge⸗ bracht; es ſtrömt reichlich aus der Wunde, und laut⸗ los ſinkt er in des Eſchenburgers Arme.

Vogelfrei heißt die Überſchrift des 11. Geſanges. Elmar kommt mit ſeinem treuen Diet⸗ helm zum alten Schmiedemeiſter Fulko geritten, um ſein Roß, das ihn in die Verbannung tragen ſoll, neu beſchlagen zu laſſen. Fulko beginnt die Arbeit unmutsvoll; grimmig ſchmiedet er; doch bald wirft er zornig Hammer und Zange in den Winkel und fordert Elmar auf, gegen die verhaßten Franken einen Aufſtand zu erregen, ſich an die Spitze zu ſtellen und die Fremden zu vertreiben. Elmar aber, ſchwer verwundet und tief erbittert über die Feigheit der ſächſiſchen Edelherrn, die nicht einmal im Gau⸗ geding für das Recht einzutreten wagten, lehnt den Vorſchlag ab, und, nachdem das Roß beſchlagen, reitet er allein von dannen. Vom fernen Heide⸗ hügel ſieht ihn Hildegunde in die Verbannung ziehen und betet inbrünſtig für den Scheidenden. Dieſer, leidvoll und todwund, nimmt ſeinen Weg thalab⸗ wärts der Weſer zu, ſinkt aber in der Nähe des KloſtersDreizehnlinden ohnmächtig vom Pferde und wird, nachdem ihn ein Kloſterknecht gefunden, ſorgſam in das Kloſter gebracht und von den Mönchen in Pflege genommen.

12.Landſturm. Der Königsbote Gero hat ſich auf dem Habichtshofe eingeniſtet; hier wird er von einer Schar ſächſiſcher Weiber, die erbittert ſind über die ſtets ſteigenden Abgaben und Brüchte, ſowie über das rätſelhafte Verſchwinden Elmars, überfallen, unter Spott und Hohn ſeines Bartes beraubt und dann bis an die Grenze, den Egge⸗ weg, gepeitſcht.

Der 13. GeſangFieberträume iſt durchaus

lyriſch: im Kloſter ſitzen der Prior und die heil⸗ kundigen Mönche Beda und Ailrat an dem Bette Elmars und lauſchen den Traumreden des Fieber⸗ kranken. Es ſind glühende Bilder vorzugsweiſe aus dem früheren Wikingsleben, Grollgedanken gegen den ſchleichenden Königsboten, Sehnſuchtslaute nach Hildegunde.

Ein Kreuz im Walde heißt der 14. Geſang; er iſt mehr lyriſch als epiſch: in ſtiller Winter⸗ nacht iſt in dem heiligen Haine unter der Donner⸗ eiche, wohin ſelbſt bei Tage Jäger zu kommen fürchten, ein einfaches Kreuz aus Birkenſtäben, ge⸗ ſchmückt mit einem Dornenkranze, errichtet; wir ahnen leicht, von wem und zu welchem Zweck das chriſtliche Symbol im heidniſchen Opferhaine auf⸗ geſtellt iſt.

Im 15. GeſangFromme Mönche finden wir am Bett des kranken Elmar die beiden heil⸗ kundigen Mönche Beda und Ailrat hoffnungslos; ſie haben zwar bald herausgefunden, daß die Pfeil⸗ ſpitze, die Elmar getroffen, vergiftet geweſen iſt; aber alle ihre Kräuter und Säfte ſind machtlos gegen dieTeufelstücke. Da ſchlägt der Prior vor, dieweiſe Waldfrau im blauen Grunde, die heidniſche Opferprieſterin, der man wunderbare Kunde von Heiltränken zuſchreibt, um Rat und Hülfe anzugehen, und der Abt iſt damit einver⸗ ſtanden; denn

Gut und fromm iſt jedes Wiſſen, So es frommt den Menſchenkindern, So es Seelenqual zu ſchweigen, Leibesnot vermag zu lindern.

Durch den winterlichen Wald ſteigt Beda hinauf zur alten Drude, die ihn mit den Worten empfängt: Kommſt Du endlich? Ich erwarte Dich ſchon lange. Beda trägt ihr ſeine Bitte vor, und ſie führt ihn in eine geräumige Bergeshöhle, die mit Götter⸗ bildern, Heergeräte, Siegesbeute reich ausgeſtattet iſt. Beda aber nimmt nichts von all dieſen Schätzen wahr: er achtet nur auf das Thun und Treiben der Drude, die unter Wispelworten in einem Tiegel Kraut und Knollen kocht und Salz und Samen