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„Doch von ihr, um die ich traure,
Deren dunkelſter Gedanke
Lichter war als Frankentugend,
Sollſt du ſchweigen, ſchnöder Franke,
Schweigen:— ſonſt— mit dieſem Schwerte
Schlag ich dich zu Grund und Boden:
Helfe mir der ſtarke Donar,
Helfe mir der alte Wodan!“
Die Todesſtille, die dieſen Worten folgt, un— terbricht der Graf, indem er Elmar bedeutet, er habe den Frieden des Hauſes gebrochen, ſeinen Gaſt gekränkt; deshalb ſei es, wenn er auch mit ſeiner Jugend Nachſicht habe, beſſer, wenn er des Hauſes Schwelle nicht mehr betrete. Elmar verläßt das Haus und gleich nachher auch die andern Gäſte, da das Feſt ſo unliebſam geſtört iſt.
Der 7. Geſang erzählt die Ereigniſſe der folgenden Nacht: Der große Saalbau wird von Frevlerhand angezündet und ſteht bald in hellen Flammen. Gero, der Königsbote, ſtürzt mit ſeinem Scharlachkleid im Bündel ins Freie; die Zofe Imma ſucht vergeblich die vom Feſt noch trunkenen Knechte zu wecken; Hildegunde will von ihrem Vater, der betäubt da liegt, nicht weichen, und beide ſind in Gefahr zu verbrennen. Da erſcheint plötzlich wie der Erde entwachſen Elmars Hünengeſtalt auf dem Hofe, ſtürzt ſich durch Rauch und Flammen ins Haus und trägt auf ſeinen ſtarken Armen die Bedrohten ins Freie. Der Saal brennt nieder, die andern Gebäude rettet die Hülfe der Nachbarn. Als nun Elmar den Grafen einladet, auf ſeinem Hofe vor der Hand ein Unterkommen zu ſuchen, beſchuldigt der Königsbote ihn, er habe ſelbſt, um ſich zu rächen, das Feuer angelegt. Elmar wendet ihm verächtlich den Rücken.
Im 8. Geſang„die Drude“ finden wir Elmar bei der uralten im Gebirge hauſenden Prieſterin, der Swanahilde, bei der er Rat und Hülfe ſucht:
„Gieb mir Rat, du weiſe Wala,
Kluge Idis, hilf dem Kranken,
Die ich lieb', iſt eine Chriſtin
Und die Tochter eines Franken.“
Ihren anfänglichen Hohn und Groll beſchwichtigt er mit der Erinnerung an ihre eigene Jugend, in der ſie ja auch einen Fremden, einen Wenden, der im Eis der Elbe umkam, geliebt habe. Allein raten kann ſie ihm nicht; nur warnt ſie ihn mit den Worten:
„Auf des Waldes dunklen Pfaden Tritt das Schickſal dir entgegen!“
Sofort der 9. Geſang„Auf des Waldes Pfaden“ bringt die Löſung des Rätſelwortes: Elmar geht waffenlos, eine Hanfſchnur an beiden Händen, in den geweihten Wald zur heiligen Donnereiche, um dort für ſein gequältes Herz in heißem Gebete Frieden zu finden, Frieden ſelbſt um den Preis der Entſagung, des Verzichts auf Hildegunde. Wäh⸗ rend er noch betet, trifft ihn, nah dem Herzen, ein Pfeil; er reißt ihn heraus und ſtürmt in die Büſche, um den Mörder zu haſchen. Bald hat er ihn erreicht; es iſt Gero, der Königsbote. Elmar verſchmäht es, ſich ſelbſt Recht zu ſchaffen und läßt den Wicht laufen.
Der 10. Geſang:„Auf der Dingſtätte“ iſt von wunderbarer Pracht, ein großartiges Meiſter⸗ werk von ergreifender Wirkung: es wird ein offenes Gaugericht gehalten— der Dichter ſchildert es nach den bei den ſpätern Fehmgerichten herrſchen⸗ den Formen, die unſtreitig aus dieſen alten Zeiten ſtammen—. Gero, der Königsbote, verklagt Elmar, daß er noch heidniſchem Götzendienſt und Zauber huldige, daß er des Grafen Haus aus Rache an⸗ gezündet, daß er ihn meuchlings im Walde ange⸗ rannt habe. Elmar verſchmäht es, einen„Für⸗ ſprech“ zu wählen und verteidigt ſich, ſein Recht und ſeinen Glauben in gedankenſchweren mannhaften Reden, die bei den umſtehenden Bauern vollen Bei⸗ fall finden; allein von den 12 Edelherrn, die als Richter über ſeine Schuld zu entſcheiden haben, wagt nur einer, der alte Rab von Eſchenburg, für ihn einzutreten; die andern Edlen, engherzig und kleinmütig, glauben den herrſchenden Franken nicht entgegentreten zu ſollen: ſie verurteilen Elmar als ſchuldig, und der Graf— ein Franke— ſpricht


