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Zweifel, was er beginnen ſoll, kommt ihm daher eine Botſchaft hoch willkommen: der Dänenkönig fordert„den beſten Degen“ auf, an einem Rache⸗ zuge gegen England teil zu nehmen. In dieſem Rufe glaubt er der Götter Weiſung zu erkennen und deshalb entſchließt er ſich ſofort an dem Zuge teil zu nehmen. Allein die ſtrengen Worte des greiſen Diethelm, ſeines treuen Hausverwalters, der ihn mit Nachdruck an die Pflichten des Haus⸗ herrn gegen das Geſinde, des Sachſenhelden gegen die Stammverwandten erinnert, bringen ihn wieder zur Beſinnung:
„Elmar, iſt das Heerbannstreue?
Wird ein Falke zum Verräter? Sind wir dein, ſo biſt du unſer: Das iſt Recht und Brauch der Väter. Uns gehörſt du, deinem Volke, Das, an Fauſt und Fuß gebunden, Rettung nicht— die Götter zürnen!— Heilung ſucht für tiefe Wunden. Doch du denkſt nur an dich ſelber, Vor dir ſelber willſt du fliehen; Deine Qual, durch alle Meere Raſtlos wird ſie mit dir ziehen.“ Elmar bleibt: „Dank dir, Diethelm, meinem Lande, Meinen Leuten bin ich eigen.“
Der folgende Geſang„Die Mette“(von ma— tutina, sc. hora, der Frühgottesdienſt) führt uns nun die Inſaſſen des im 2. Geſang in allgemeinen Zügen geſchilderten Kloſters vor. Der Gefahr einer ermüdenden Aufzählung und Schilderung ent— geht der Dichter in glücklicher Weiſe dadurch, daß er mit markigen Zügen das frühere Leben der Mönche und Kloſterbrüder, die aus den verſchie⸗ denſten Gegenden des In- und Auslands ſtammen, erzählt und die einzelnen mit Gedanken, die ihrem Charakter und Vorleben auf das trefklichſte ent— ſprechen, in die Kirche eintreten läßt. An der Spitze ſteht Abt Warin, Sohn des Sachſenherzogs Eckbert, von einer fränkiſchen Fürſtentochter geboren, der in
zwanzig Schlachten mitgefochten, bis ihn die Schlacht bei Ronzeval„die Welt verachten“ lehrte. Von den übrigen nennen wir nur den Pater Prior, Markward, ein„echtes Reis vom Stamm der Sachſen“, der wortgewandt und zungenfertig aller Männer Rede verſtand. Der Geſang ſchließt mit einem ſchwung⸗ vollen Lobliede auf Gott den Herrn, der„gütig ohne Ende“ iſt.
Einen ſcharfen Gegenſatz hierzu bildet der fünfte Geſang„Am Opferſteine“: Der Dichter ſchildert, wie die noch heidniſch gebliebenen Sachſen in der Nacht vor der Sommerſonnenwende auf der Iburg(im Teutoburger Walde, nahe bei Driburg, wo das alte Sachſenheiligtum, die Irminſul, ge⸗ ſtanden haben ſoll) ein Pferdeopfer darbringen, um Balders Sterbetag zu feiern. Swanahild, die greiſe Drude, bringt das Opfer dar, an dem auch Elmar ſich beteiligt.
„Das Erntefeſt“ im 6. Geſang führt uns nach Bodinkthorpe, dem Wohnſitz des fränkiſchen Grafen Bodo, der zu dieſem Feſte ſeine Nachbarn, auch Biſchof Badurad von Paderborn, Abt Warin von Dreizehnlinden, Elmar vom Habichtshofe und viele andere geladen. Auch Gero, der Königsbote, vom Könige in den Nethegau geſandt, um neuen Zins und Zehnten zu fordern, iſt anweſend; er hat ſich mit ſchmeichelnder Rede um die ſchöne Hilde⸗ gunde, des Grafen Bodo einzige Tochter bemüht, muß aber bald zu ſeinem ÄArger bemerken, daß Elmar längſt ihr Herz gewonnen. Während nun das Geſinde auf der Tenne ſchmauſt und tanzt— unter den Zuſchauern erregt beſonders ein brauner ſeltſamer Burſch, von deſſen Herkunft niemand etwas weiß, wegen ſeines unſteten Weſens„die wilde Katze“ genannt, unſere Aufmerkſamkeit— erhebt ſich auch im Saale ein munteres Leben. Gero aber benutzt das Zuſammentreffen mit Elmar, dieſen mit höhnenden Worten zu reizen; allein dieſer bemeiſtert ſeinen Zorn, bis der Königsbote es wagt, von Elmars Mutter als einem heidniſchen Zauber⸗ weibe zu witzeln. Da brauſt Elmar wild auf und gebietet dem„eitlen Gauch“ Schweigen:


