Aufsatz 
Zur Organisation des naturgeschichtlichen Unterrichts an unserem Gymnasium / von G. Weihrich
Entstehung
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hat zu dem Zweck mit gütiger Unterstützung der Grossh. Bürgermeisterei bereits die nöthigen Vorbereitungen getroffen, um vielleicht schon im Laufe des kommenden Winters aus den ersten Arbeiten die ganze Wichtigkeit dieser Bereicherung erkennen zu lassen. Neben der jetzt schon vorhandenen sehr reichen systematischen Sammlung will sie nämlich noch in kleinen abgesonderten Gruppen vollständige Lebensbilder der einheimischen, für Land- und Forstwirthschaft nützlichen und schädlichen Thiere aus verschiedenen Klassen des Thierreichs bieten. Um an einem Beispiel zu zeigen, wie man die Ausführung sich denken soll, wollen wir den bekannten weissen Schmetter- ling, den Kohlweissling, nehmen. In einem Glaskasten befindet sich an einer naturgetreu nach- gebildeten Kohlpflanze eine Anzahl Raupen dieses Schmetterlings in verschiedenen Altersstadien, welche in der Zerstörung einiger Blätter schon grosse Fortschritte gemacht haben, wie dies die nackten Blattrippen bekunden. Etliche Schmetterlinge, theils schwebend aufgehängt, theils im Begriff Eier zu legen, sind alle in natürlicher Haltung zweckmässig vertheilt, ebenso die im Hintergrund oder an den Wänden angehängten Puppen. Beim genaueren Zusehen findet man bald die betreffenden Schlupfwespen als Cocons wie als vollendete Insecten an einem Theil der Raupen und Puppen und erkennt leicht, welchen Nutzen diese Thierchen bringen, indem sie die verschie- denen Entwickelungsformen jenes schädlichen Schmetterlings anbohren und ihre Eier darin absetzen. Auch verfehlen einige unserer nützlichen Vögel nicht, indem sie die schädlichen Kerbthiere auf- nehmen, dem Landmanne sich als wahre Freunde in der Noth auszuweisen. Denkt man sich an diesem Kasten noch eine Notiz zur Aufklärung über den ganzen Zusammenhang, so wird Jeder zugeben, dass man in dieser Einrichtung ein Veranschaulichungsmittel schafft, dessen volle Trag- weite zur Bildung des Volkes überhaupt hier weiter zu besprechen wohl überflüssig sein dürfte. Es wurde diese Unternehmung nur desshalb erwähnt, weil auch die Schüler unserer Stadt daraus eine unerschöpfliche Fülle von Belehrung und Anregung zu eigenen Beobachtungen gewinnen werden.

Nach diesen Abschweifungen, die im Laufe der Darlegung einiger methodischen Principien sich von selbst anfügten, möge zum Schlusse noch eine sich auf das sogenannteBestimmen be- ziehende Bemerkung folgen. Wir glauben am besten zu handeln, und es ist nur die Consequenz der eben entwickelten Gedanken über den Unterrichtsgang, wenn wir zwischen jenen, die das rasche und sichere Bestimmen als das praktische Ziel des ganzen Unterrichts angesehen wissen wollen, und jenen, die demselben eine zu geringe Berücksichtigung zu Theil werden lassen, die rechte Mitte einzuhalten suchen. In dieser Beziehung warnte schon Rossmässler:Die bisherige verkehrte, nur auf das Beschreiben und Unterscheiden der Naturkörper gerichtete Unterrichtsweise muss immer zuletzt ihren Schwerpunkt in den Namen legen und macht die Schüler geradezu namensüchtig. Wir stimmen dem schon erwähnten Referenten(Strassb. Verhandl. pag. 102, Nr. 23) bei, wenn er meint, dass die Uebungen im Bestimmen nicht das möglichst rasche Auffinden des Namens irgend eines Objectes zum Zweck haben, sondern vielmehr ein Mittel zur Selbstthätigkeit des Schülers im objectiven Erfassen eines Bildes und, sei hinzugefügt, zur Kräftigung seines Unterscheidungs- und Urtheilsvermögens abgeben sollen. Wir meinen daher, dass man schon gegen den Schluss in Quarta und in Untertertia nach einem analytischen Leitfaden(etwa nach Wünsche'sSchulflora von Deutschland) Uebungen im Bestimmen wenigstens von leichter be- stimmbaren Pflanzen veranstalten sollte.

III.

Wenn überhaupt bei jedem Unterrichtszweige die Anschauungsmittel von dem grössten Werthe sind und vielleicht nurvor einem zerstreuenden Uebermass in deren Anwendung zu warnen ist,