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der These 9:„Das Zeichnen nach der Natur ist das Ziel des Zeichenunterrichts. Das Nachzeich- nen von Vorlegeblättern kann nur die Bedeutung einer Vorübung für diesen Hauptzweck haben.“ In allen Zweigen unseres Unterrichtsgegenstandes kann vom Zeichnen der nutzbringendste Gebrauch gemacht werden; für den ersten Unterricht eignet sich freilich am besten die Botanik mit den einfachen und leicht fassbaren Gestalten der Pflanzentheile, wie z. B. der mannigfaltigen Blatt- formen, des Blüthenstandes u. dergl.
Um das eigenartige Bildungsmittel, wie dasselbe durch den naturgeschichtlichen Unterricht in der erwähnten Weise repräsentirt wird, zur sicheren Wirksamkeit zu bringen, sind wir mit Andern der Meinung, für die untern Klassen von dem Gebrauch eines Lehrbuchs abzusehen. Liegt nämlich dem Unterricht ein Lehrbuch als Richtschnur zu Grunde, so schwebt man immer in der Gefahr, dass die Schüler, weil ihre Hauptarbeit in den meisten Unterrichtsfächern dieser Klassen Gedächtnissarbeit ist, dasselbe benützen ähnlich wie etwa die lateinische Grammatik: sie lesen durch und lernen auswendig was darin steht von Schilderungen der Merkmale und Formverhält- nisse, die doch alle auf dem Wege selbstthätiger Beobachtung gefunden und so Eigenthum der Schüler geworden sein sollen. Vielleicht schon in Quarta, bestimmt aber in Tertia ist der Ge- brauch eines Buches theils zum Bestimmen von Naturalien, theils zur systematischen Zusammen- fassung und endlich zur Behandlung der allgemeinen anatomischen und physiologischen Abthei- lungen nicht zu umgehen. Bequem wird dadurch in den unteren Klassen der Unterricht keines- wegs; vielmehr ist die völlige Hingabe und die sichere Beherrschung des Stoffes seitens des Leh- rers unbedingt erforderlich— aber auch die bestimmte Ueberzeugung von der Richtigkeit und Nothwendigkeit der angegebenen Methode. Denn nur diese Ueberzeugung gibt die nöthige Kraft, nicht zu erlahmen. Glänzende Schaustellungen, wo Alles wie am Schnürchen geht, jeder Schüler tadellos sein Pensum recitirt und wo dann ein Hochgefühl ringsum seine Herrschaft ausbreitet, sind hierbei freilich nicht möglich. Es ist Kraft nöthig, den bequemeren Weg des gedächtniss- mässigen Eintrichterns nicht einzuschlagen, ein Weg, der zugleich in den Augen der Unkundigen Ehre und Anerkennung bringt. Es ist die von jedem Lehrer verlangte Begeisterung für sein Fach und seinen Beruf auch hier unerlässlich, um die bezüglich einer harmonischen Ausbildung der Fähigkeiten unserer Schüler vom naturgeschichtlichen Unterricht bestimmt zu erwartenden Resul- tate zu erzielen, wenn auch für einige Zeit die Anstrengung des Lehrers zur methodischen Aus- bildung des Beobachtungsvermögens weniger deutlich erkennbar sein möchte.
Es ist der im Bisherigen entwickelten Art des Unterrichts entsprechend, wenn unbedingt verlangt wird, dass jeder Schüler im botanischen Unterricht ein Exemplar der eingehend beschrie- benen Pflanzen in die Hand bekommt. Dieselben sind um so leichter zu beschaffen, wenn die schon früher genannten Gehäülfen, welchen die betreffenden Pflanzen bekannt sind, mit der Herbei- schaffung derselben für ihre Rotte betraut werden. Sollen Culturpflanzen beschrieben werden, die in ihren einzelnen Theilen einen gewissen Werth repräsentiren, wie Reben- oder Getreideblüthen u. dergl., so benützen wir zur Demonstration die vorzüglichen Modelle von Brendel(früher in Breslau, jetzt in Berlin). Andere wichtige Pflanzen sind theils wegen der intensiv betriebenen Boden- bewirthschaftung, theils aus andern leicht begreiflichen Ursachen nur schwer oder gar nicht in der erforderlichen Anzahl in der näheren Umgebung der Stadt zu erlangen. Schon dieser Grund allein würde uns die dringende Pflicht auferlegen, die Anlegung eines Schulgartens als eines der ersten Erfordernisse für jede Schule in einer grösseren Stadt zu bezeichnen resp. dafür zu wirken. Aber dieser Grund ist es nicht allein, es gibt noch tausend andere. In Bezug auf die Schulgärten hat sich schon eine kleine Literatur gebildet— ich nenne hier nur einen Autor, der als Bahnbrecher


