Aufsatz 
Zur Organisation des naturgeschichtlichen Unterrichts an unserem Gymnasium / von G. Weihrich
Entstehung
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Züge aus dem Leben der Thiere vorgeführt werden, um die Ueberzeugung zu gewinnen, dass aus dem Interesse für diese Individuen eine gewisse Achtung vor ihnen erwächst, dass dadurch in Wahrheit, wie der Lehrplan sagt, ein liebevoller und verständiger Umgang mit der Natur ange- bahnt wird. In der Erreichung dieses Ziels liegt zugleich ein wirksamererSchutz der Thiere gegen grausame Quälereien, als er durch Ermahnungen und Strafen je zu erreichen ist.

Es soll der Lehrstoff derart ausgedehnt werden, dass in einer gewissen Stufe, nachdem vor- her die äussere Form der Objecte, sowie die inneren morphologischen Formen der Organismen nach den verschiedenen Beziehungen erfasst sind, auch durch gegenseitige Vergleichung, wie schon Göthe zeigte und die neuere Naturwissenschaft weiter ausbildete, ein Verständniss von den allge- mein gültigen Gestaltungsnormen und von der Stellung der Naturkörper im Haushalte der Natur angebahnt werden. Festes Princip muss dabei sein, dass nur Thatsachen, von den Schülern wo möglich selbst gefundene Thatsachen hierbei die Grundlage abgeben dürfen und dass die nicht allgemein angenommenen Hypothesen, wie sie gegenwärtig theils die neueste Richtung der Wissen- schaft bedingen, theils Gegenstand des Streites sind, etwa phylogenetische Darlegungen u. dergl., als nicht in einen propädeutischen Unterricht gehörig wegzubleiben haben. Wohl aber ist in die- sem Unterricht, ausgehend von den in unserer Gegend grade so leicht von den Schülern anzu- stellenden Beobachtungen, der Zusammenhang zwischen dem Boden und den auf ihm lebenden Pflanzen und Thieren zu besprechen. Wir leben hier hart an der Grenze mehrerer geologischer Gebiete, die schon durch ihre Oberflächengestaltung sich dem Auge bemerkbar machen, sich aber auch alsbald durch bestimmte Repräsentanten der Fauna und Flora von einander unterscheiden. Art des Standorts und des Bodens, klimatische Verhältnisse(leben wir ja z. B. ebenso nahe der nördlichen Grenze des Weinstocks) drängen so sich ganz von selbst dem Schüler auf als die mass- gebenden Factoren für die Verbreitung der Naturobjecte auf der Erde und lassen ihn z. B. die Grundlagen der Pflanzengeographie erkennen. Nicht weit liegt dann mehr ab, den Einfluss der angegebenen Factoren direct wie auch indirect durch die Verbreitung der Naturkörper auf der Erd- oberfläche und in der Erdkruste auf das Thun und Treiben, die Sitten und Gebräuche, auf die ganze Stellung des Menschen dem Schüler zum Verständniss zu bringen. Die culturhistorische Bedeutung gewisser Gewächse, Thiere, Mineralien an einzelnen Beispielen auszuführen, halten wir demgemäss für eine sehr wesentliche Aufgabe des naturwissenschaftlichen Unterrichts und sind der Ueberzeugung, dass dadurch nicht allein dem geographischen Unterricht eine Stütze erwächst, sondern dass der letztere am besten gefördert würde, wenn derselbe in den 4 unteren Klassen mit dem naturgeschichtlichen Unterricht in einer Hand sich befände. Zu unserer Freude finden wir hierbei u. A. eine Unterstützung sowohl von Seiten der genannten 7. preuss. Directoren-Conferenz durch die These 5 und deren Begründung, wie auch in einem Aufsatz des Conrector Dr. Bolze in Hoffm. Zeitschr. f. m. u. nat. Unt. I., 216, und endlich im Referate und mehr noch im Cor- referate, abgefasst als Grundlage für dieVerhandlungen der Directoren-Conferenz der elsass- lothringischen höheren Lehranstalten(30. Novbr. und 1. Decbr. 1877 in Strassburg). Da Cor- referent auch andere gewichtige Stimmen anführt, so sei die betreffende Stelle(Verhandl. pag. 110) abgedruckt:Unsere ausgezeichneten Geographen Oscar Peschel und Guthe haben schon vor Jah- ren die Ansicht ausgesprochen, dass Naturgeschichte und Geographie an den höheren Schulen zweckmässig in eine Hand zu legen seien. Dieselbe Ansicht vertritt Professor Gerland an hiesiger Universität. Zur besonderen Freude gereicht es dem Correferenten, aus den Protocollen der Con- ferenz im Preuss. Unterrichtsministerium vom Jahre 1873 ersehen zu haben, dass auch an ein- flussreicher Stelle das Mangelhafte der jetzigen Einrichtung lebhaft empfunden wird. Es heisst