Aufsatz 
Zur Organisation des naturgeschichtlichen Unterrichts an unserem Gymnasium / von G. Weihrich
Entstehung
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Schlechtes, ist eine häufig gebrauchte Redensart. Wer mit nur einigermassen offenem Auge die Wanqdlungen unseres öffentlichen Lebens beobachtet hat, der wird wissen, dass auch die Jugend nicht ganz unberührt geblieben ist. So schlimm, als es vielfach dargestellt worden ist, stellt sich bei einer unbefangenen Vergleichung des Früher und Jetzt die Einwirkung der Zeitströmung auf die Jugend nicht heraus. Doch muss zugegeben werden, dass sie mehr anspruchsvoll und genusssüchtig geworden, dass sie, wenigstens hie und da in den grösseren Städten, blasirt er- scheint und noch kindlichen Alters vielfach des kindlich reinen Sinnes verlustig gegangen. In vielen Fällen sind es die geistlosen und weder Herz noch Gemüth veredelnden, vielmehr vorwiegend auf die Sinnlichkeit berechneten Vergnügungen, die auch der Jugend als ein zu befriedigendes Be- dürfniss und zugleich als eine grosse Gefahr nahe rücken. Dass hier das elterliche Haus mit grösserer Aufmerksamkeit bezüglich der Wahl solcher zur körperlichen und geistigen Ruhe nöthi- gen Unterbrechungen der ernsten Lebensbeschäftigungen vorgehen muss, damit die zarten Blüthen- knospen einer Kindesseele nicht elendiglich verdorren, ist wohl eine ausgemachte Sache. Die Schule soll Stoff und Anleitung liefern, dass die Mussezeit mit Beschäftigungen ausgefüllt werden kann, die dem Körper und Geiste nützen und der Seele nicht schaden. Der Ruf nach Entlastung der Schuljugend liegt in der Zeitströmung. Wenn wir zugeben, dass an vielen Orten die Schüler vielleicht mit häuslichen Arbeiten zu sehr überladen waren, so bestreiten wir, dass dies allerwärts der Fall war. Nachdem nun in Folge dieses Rufes die obersten Schulbehörden Bestimmungen über das Mass der häuslichen Arbeiten getroffen haben, so stellt sich unabweisbar die Frage auf: was sollen unsere Kinder in ihrer Mussezeit treiben? Auf dem Lande beantwortet sich diese Frage leichter und einfacher, weil dort die Menschen noch einfach sind. Es kann eben nicht in unserer Aufgabe liegen, auseinanderzusetzen, wie etwa der Thätigkeitstrieb unserer Jugend zu be- friedigen sei; wir können hier zunächst nur auf eine Beschäftigung aufmerksam machen, zu wel- cher der naturgeschichtliche Unterricht die Anregung bietet, nämlich auf das Anlegen von Samm- lungen. Die fast verschwindend kleinen Kosten kann Jeder aufbringen. Jeder Spaziergang, den der Knabe allein oder mit einigen Altersgenossen unternimmt, hat dann seinen bestimmt vorge- zeichneten Zweck. Vater und Mutter brauchen dann kaum dem weggehenden Söhnlein Ermah- nungen mit auf den Weg zu geben. Die dem Ausflug zu Grunde liegende Absicht beherrscht die Knaben in der Regel so sehr, dass die manchmal so recht fatalen und nur dem Trieb zu einer Beschäftigung entsprungenen Vorfälle unmöglich werden, die meistens nicht irgend einem Einzel- nen zur Last fallen, sondern nur dem Zusammenwirken Aller,die dabei gewesen, zugeschrieben werden müssen und die dann Veranlassung geben, über die zunehmende Verwilderung der Jugend zu klagen. Also dies Erfülltsein von einem ganz bestimmten Zweck, diese völlige Hingabe an die Erreichung eines Resultates während den der Erholung gewidmeten und in der freien Natur zugebrachten Stunden, die Befriedigung des Thätigkeitstriebes, die Lust an dieser Thätigkeit, die Freude an dem immer sichtlichen Wachsthum der Sammlung ist neben dem directen Nutzen der indirecte Vortheil, den man von dem Anlegen der Sammlung von Naturgegenständen erwarten muss. Dass wir hierbei Pflanzen-, Schmetterlings-, Käfer-, Mineralien- und etwa bei uns leicht zu beschaffende Petrefacten-Sammlungen im Auge haben, braucht nicht besonders hervorgehoben zu werden. Und gerade bei diesem Punkte müssen wir constatiren, dass im Grossen und Ganzen die Lust unserer Jugend daran abgenommen und so der gerügten Zeitströmung ihren Tribut gezollt hat. Mit um so grösserer Freude müssen wir es daher anerkennen, dass von nun ab auch die untersten Klassen des naturgeschichtlichen Unterrichts theilhaftig werden und dass damit die Schule aller jener geschilderten Einwirkungen auf das jugendliche Gemüth sich bemächtigen kann, Ein-