Aufsatz 
Zur Geschichte des deutschen Meistergesanges / von Otto Weddigen
Entstehung
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Die Meistersinger gingen aus fast allen Zünften hervor: vorzugsweise waren es Schuh- macher, Kürschner und Weber. Georg Hager war ein Schuhmacher in Nürn berg. Hans Heid ebenfalls, Lienhart Nunnenbeck ein Weber. Hans Folz ein Barbier. Hans Rosenplüt ein Brief- maler, vom Gosten-Hoff ein Schneider, Pritz Zorn ein Nagler. Konrad Nachtigall einpech zu Nürnberg.

In Augsburg wirkte Raphael Dülner alsschwertfeger, Stephan Schwarzenbach als Barchetweber. Martin Schrot als Goldschmied, Caspar Würt als Kürschner, Daniel Ost als Glaser.

In Straſsburg war Priedrich Turner ein Tuchscherer, Melchior Christoff ein Bäcker, Martin Häscher ein Schriftgieſser, Paulus Fischer ein Kürschner. Hans Berchler war Gastgeber zum Geist, Veit Fischer und Hans Müller waren Schlosser.

In Kolmar lebten der Maler Dillmann Fries, der Schuhmacher Ludwig Payr, der Färber Valentin Brunner, der Weinschenk Michel Hild und der Schlosser Jörg Megalt.

Adam Puschmann endlich war ein Schuldiener zu Görlitz.

Unter den Mitgliedern der Meistersinger des 16. Jahrhunderts war der gelehrte Stand noch wenig vertreten. Allerdings wurden geistliche Herren zuMerkern bestellt; so verlangt Adam Puschmann, dass wenigstens einer derMerker ein der Grammatik kundiger Gelehrter sein möge. Unter den ältesten Meistersingern kommen aufser Handwerkern nur arme adelige Dichter vor, nie aber wie bei den Minnesängern Glieder des reichen Adels. Fürsten oder Könige.

In späterer Zeit vererbte sich wie das Handwerk, so auch die Kunst, vom YVater auf den Sohn, so bei Georg Hager und Georg Frey. Aus einem Aktenstück vom Jahre 1624 erhellt. dals einige Meistersinger 10. 24. 31, 36, 40. 55Jar gesungen; man sah also in der Länge der Zeitdauer eine Ehre.

Die hauptsächlichsten Meistersinger.

Unter den Meistersingern ragte besonders Frauenlob oder Heinrich zur Meise hervor, ein Name, dem Meisenvogel in seinem Wappen entsprechend; irrtümlich ward er bisher Heinrich von Meiſsen benannt. Frauenlob ist der Stifter und der erste Meistersinger der Singschule zu Mainz, wo er am 29. November 1318 starb. Sein Grabmal befindet sich bekanntlich im Kreuz- gange des Domes zu Mainz; ein neues Denkmal wurde ihm in diesem Jahrhundert von Schwan- thaler ebendaselbst gesetzat. Poetisch ist die schöne Sage von den Mainzern Frauen, die ihn zu (trabe getragen haben sollen.

In Frauenlobs Dichtung prägt sich zum erstenmale deutlich die ganze Art des Kunst- betriebes aus, wie wir dies bei den späteren Meistersingern finden.

Hervorragend ist auch Barthel Regenbogen, ein Schmied aus Regensburg, der aus Liebe zur Dichtkunst sein Handwerk aufgab und nach Main⸗ ging, um sich mit Frauenlob zu messen. Bekannt ist beider Streit über den Namen Frau und Weib, der zu gunsten Frauenlobs ent- schieden ward. Regenbogen überlebte diesen und widmete ihm eine Klagelied.

Adam Puschmann wurde 1534 in Görlitz geboren. Er berichtet, dafs er in seiner Jugend von seinen Eltern zum Studieren fleilsig angehalten wurde, doch aus kindischem Unverstand vom Studium gelassen und sich auf die Wanderschaft begeben, um fremde Völker und Sitten zu erkunden. Puschmann wanderte bis zum 30. Jahre. Die Musica. so sagt er, habe ihm von