Aufsatz 
Zur Geschichte des deutschen Meistergesanges / von Otto Weddigen
Entstehung
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Jugend auf am besten gefallen. Anfangs hat er in Augspurg zu den Meistersingern gehalten. bei ihnen aber die echte Singekunst nicht gefunden. In Nürnberg bei Hans Sachs und anderen verständigen Singern hat er dann gründlich den Meistergesang erlernt. Später kam Pusch- mann nach Breslau, wo er am 4. April 1600 starb. Puschmann schrieb aufser demgründlichen Bericht des Deudschen Meistergesanges, der sich handschriftlich auf der Marien Magdalenen Bibliothek zu Breslau befindet, ein Meistergesangbuch,¹) das er Wolf Herolt in Breslau widmete.

Michel Beheim, geb. 27. September 1416 zu Sulzbach, war ein Weber; er kämpfte als Soldat und war zuletzt Schultheils in seinem Geburtsorte Er ist unter den Meistersingern einer der vornehmsten.

UÜber Hans Rosenblüt und Hans Folz, denblumendüftelnden Meistersinger, können wir uns kürzer fassen, da ihre Hauptthätigkeit auf einem anderen Gebiete liegt. Näher haben wir uns aber mit Hans Sachs, der Seele aller Meistersinger, zu beschäftigen. Hans Sachs entwickelte eine groſse Fruchtbarkeit, er schrieb über 4000 Meisterlieder, die aber zumeist noch nicht gedruckt sind. Die höchste Zahl derselben war schon im Jahre 1560 erreicht, wo er 4275 Gesänge geschaffen hatte. Neben den für seiden eigenen Gebrauch zusammengeschriebenen Handschriften schrieb Hans Sachs auch für andere Meistergesangbücher, so für Bartel Weber. den Schlossergesellen, im Jahre 1549 und für Caspar Petz im Jahre 1554. Hans Sachsens Lehrer war wie schon berichtet der Leinenweber Leonhard Nunnenbeck, dem er stets ein herzliches Andenken bewahrte. An Mannigfaltigkeit der Formen, an Fülle und Umfang des Stoffes, namentlich an sittlicher Tiefe übertrifft Hans Sachs alle Meistersinger. Es wäre zu wünschen, dals seine Meistergesänge in nicht allzu ferner Zeit dem Drucke sämtlich übergeben würden. Am 19. Januar 1576, im 82. Lebensjahre, verschied das Haupt der Meistersinger. Mit ihm ward die poetische Zeit gleichsam zu Grabe getragen. Ein Aktenstück aus Nürnberg, vom Jahre 1624 beweist dies.²) Nachdem die Gesellschaft in Nürnberg ihre Hauptstütze ver- loren hatte, begann allmählich der alte Geist in ihr zu schwinden und damit Zwietracht in ihrem Scholse auszubrechen. Nie ward die Obrigkeit behelligt, So lange die Meistersingerei in Nürnberg blühte, veredelnd und sittlich war ihr Einfluſs. Zu Hans Sachsens Zeiten lebten 150 Meistersinger in Nürnberg; 1624 waren ihrer nur noch 20, von denen sich vier bei der Obrigkeit im Namen aller beschwerten, dalstheils unter unserer Compagnie an der Zahl 9 sich unter- standen, allerley Neuerungen Ires gefallens nach vorzunehmen, alle gerechtigkeit an sich allein zu reiſsen und die rechte kunst hierinnen merklich zu verdunckhlen u. s. W.

Über die Handschriften der Meistergesänge.

Die Meistergesänge sind uns nur handschriftlich überliefert, weil sie nach den Gesetzen der Singschule der éffentlichkeit entzogen werden mulfsten,damit- wie Hans Sachs selber sagtdie kunst nit in ein unwert kumt. Das Verbot, Meistergesänge dem Druck zu über- geben, spricht sich deutlich in einem NürnbergerSchulzeddel vom Jahre 1540 aus.

Meisterlieder, welche Hans Sachs z. B. einzeln veröffentlichen oder in seine gedruckten Werke aufnehmen wollte, mufste er zuvor in Spruchform umarbeiten.

¹)Ein genotiert Buch, darinnen über 300 alte und neue schöne Meistertöne oder Melodieen sind auf- genotiert und zu jeder Melodey ein geistlich Lied geschrieben. 1587. 350 Bl. Fol. ²) Siehe: Zeitschrift für deutsche Kulturgeschichte. 1859. Jahrg. 4. S. 378.