Entstehung des deutschen Meistergesanges.
Der Ursprung des deutschen Meistergesanges ist sagenhaft. Urkunden über die Stiftung der Meistersingerschulen fehlen, wenigstens solche, die auf Glaubwürdigkeit Anspruch erheben könnten.
Die Meistersinger selbst setzen die Entstehung des deutschen Meistergesanges in die Zeit Kaiser Ottos I., also in die erste Hälfte des 10. Jahrhunderts.
Jede Schule verehrte als Stifter verschiedene 12 Meister; die geschichtlich älteste Meister- singerschule zu Mainz!) pries als ihre Begründer die berühmtesten Minnesänger, nämlich Walther von der Vogelweide, Wolfgang Rohn(W. v. Eschenbach), Konrad Marner. Heinrich Frauenlob. Heinrich Mügeling. Nicolaus Klingesur, M Starke Popp uebst den fünf ehrbaren Bürgern: Barthel Regenbogen, Dem Römer von Zwickau, Dem Kanzler, Konrad von Würzburg und Dem alten Stoll.
Andere Namen nennen uns die Singschulen in Nürnberg. ²) Augsburg ³) und Straſsburg. An die Stelle der ritterlichen Sänger, die um Fürstengunst ihre Harfe ertönen lieſsen, sind hier 12 ehrsame Handwerksmeister getreten. Gleichwohl wurden in Nürnberg auch die Meister der Mainzer Singschule verehrt, denn Mainz war die erste und Hauptschule des deutschen Meister- gesanges; von hier aus verbreitete er sich erst über das südliche und östliche Deutschland. Nicht unbeachtet dürfen wir lassen, dals die Namen der 12 Mainzer Meister uns den ge- schichtlichen Gang des Meistergesanges deutlicher und wahrer zeigen, als die bürgerlichen Namen der Nürnberger und Augsburger Schule, denn mag dem Meistergesang selbst noch so sehr der Charakter schlichter Handwerkerdichtung aufgeprägt sein: entstanden ist er aus dem ritterlichen Minnegesang.
Die Phantasie hat die Eutstehung des Meistergesanges wunderbar ausgeschmückt. Die Mönche, so wird darüber perichtet, welche ehedem in der Kirche allein herrschten, waren von
Zeitschrift für deutsche Kulturgeschichte, herausgegeben von J. Müller und J. Falke. Nürnberg 1859. S. 376„Zur Geschichte der Meistersänger in Nürnberg“ von Dr. Barach.
Schnorr von Carolsfeld, Zur Geschichte des deutschen Meistergesanges. Berlin 1872.
Lyon, Minnegesang und Meistergesang. Leipzig 1882.
Jenaer Liederhandschrift in Müllers Sammlung Bd. 2: Ein alt Meistergesangbuch. Ergänzung in Docens Miscell. 1) 90— 100; 2) 278— 286.
Bezüglich der anderen handschr. Quellen vergl. Gödeke Grundrils zur Gesch. d. deutschen Dichtung. Dresden 1884. Bd. I u. II.
¹) Eine geschlossene Gesellschaft finden wir zwar schon im Jahre 1450 zu Augsburg, aber ihre erste Aus- bildung mit festen Zunftordnungen geschah zuerst in Mainz.
2) Die Namen der 12 Nürnberger Meister, welche in einem Gedichte Hans Sachsens vorkommen, wurden auf ähnliche Weise geehrt, wie die aus ganz Deutschland ausgewählten 12 alten Stifter der Mainzer Schule. Sie hielsen: Veit Pogner, Kunz Vogelsang, Hermann Ortel, Konrad Nachtigall, Fritz Zorn, Sixtus Beckmesser, Fritz Kothner, Nic. Vogel, Augustin Moser, Hans Schwarz, Ulrich Eislinger und Hans Folz.
3) Die 12 Augsburger Meister waren: Raphael Tuller, Onofferus Schwarzenbach, Michael Frank, Basti Wild, Martin Schrot, Kaspar Ottendorfer, Kaspar Wirth, Georg Dannbeck, Hans Ratgeb, Jakob Taglang, David Ost und Martin Dirr.


