Neid erfüllt, weil auch die Meistersinger fortan Gott dort öffentlich priesen und ihm dankten. Sie verschrieen die letzteren als Ketzer, und der Papst Leo VIII. forderte jene nach Pavia, damit sie von ihrem Leben und Treiben Rechenschaft ablegten. Die Meistersinger erklärten hier frei- mütig, daſs Gott ihnen die Lieder geschenkt und dals dieselben daher nicht nur unsträflich. sondern auch heilig seien.
Der Papst lieſs sie prüfen, erstaunte über ihre Kunst und entliels sie mit reichen Ge- schenken, indem er sie echte Christen nannte.
Puschmann berichtet, Kaiser Otto I. habe die 12 Mainzer Meister im Jahre 962 nach Pavia laden und dort von Gelehrten prüfen lassen, worauf sie als die ersten Meister der Kunst erkannt und bestätigt worden seien. Der Kaiser habe sie mit einem Wappen ¹) und einer kunstvollen goldenen Krone(Kette?) begabt, damit sie diejenigen mit ihr schmückten, welche im Singen das Beste leisteten.
Die chronologischen Fehler liegen hier auf der Hand. Frauenlob, einer der 12 Mainzer Meister, lebte erst im 13. Jahrhundert. Der ganze Bericht ist eine sinnreiche Erfindung der späteren Meistersinger, um ihrer Kunst ein höheres Alter zu verleihen. Schon Wagenseil nennt die Erzählung einen„irrigen Wahn“.
Zeit des deutschen Meistergesanges.
Frühere Meistersinger als Heinrich von Veldeke haben, darüber kann kein Zweifel sein, nicht gelebt. An eine Stiftungsurkunde des Meistergesanges ist freilich nicht zu denken, wenngleich es mit dem Anfange des 13. Jahrhunderts schon Meistersinger und Regeln gab. Die Blüte des deutschen Meistergesanges liegt im 14., 15. und 16. Jahrhundert; die Lyrik dieser Zeit war zum Teil Meistergesang. Sein Untergang fällt in die Zeit des 30 jährigen Krieges. Zur Zeit des Hans Sachs zählte die Nürnberger Singschule mehr als 200 Meister; im Jahre 1639 waren dort nur wenige noch vorhanden. Das 17. Jahrhundert der gelehrten Dichtung war die Zeit des Absterbens. Zäh haben sich in einigen Städten, wie in Memmingen und Ulm. die Schulen erhalten; am 21. Oktober 1839 wurden die Sitzungen der Meistersingerschule in Ulm geschlossen und ihre noch vorbandenen Kleinodien einem dortigen Gesangverein übergeben. Die heutigen Gesangvereine sind die„natürlichen Nachfolger des alten Meistersingertums“ geworden: auch sie krönen den Sieger im edlen Wettstreit.
Kein anderes Volk kann sich eines Meistergesanges rühmen; er ist und war allein auf Deutschland beschränkt. Die Franzosen und Engländer haben eine reiche Volks- und Kunst- poesie, aber keinen Meistergesang.
¹) Das Wappen der Meistersinger war ein gevierteilter Schild. Das 1. und 4. Feld euthielten des heiligen römischen Reiches Wappen, d. h. im goldenen Felde einen zweiköpfigen ausgebreiteten Adler, das 2. und 3. Feld zeigten auf rotem Hintergrunde das böhmische Wappen, d. h. einen silbernen Löwen. Auf dem Schild befand sich ein offener gekrönter Helm, aus dem ein böhmischer Löwe hervorging, dahinter ein doppelt übereinander gesetzter schwarzer Flügel, dessen Federn goldene Herzen trugen. cf. Wagenseil S. 515.— Dieses Wappen wurde aber erst von Karl IV. verliehen! Vergl.: Das Wappen der Meistersinger. Von Edmund Goetze. (Archiv für Litteraturgesch. 5, 281— 286.) Übrigens war der Klee die Lieblingsblume der Meistersinger; er kennzeichnete den blühenden Bürgerstand und versinnbildlichte den dreigliedrigen Bau der Lieder. 1*


