Zur Geschichte des deutschen Meistergesanges. Von
Dr. Otto Weddigen.
„Der Meistergesang ist auch darin die Grundlage unserer neueren unabhängigen Dichtung, dals er lehrte, wie in der herzlichen Ubung eines schönen Geschäftes auch bei geringerem Erfolge eine Seligkeit an sich ist, die des Lohnes nicht weiter bedarf.“
Gervinus.
VOPWOPt.
Indem wir die nachfolgenden Beiträge der éffentlichkeit übergeben, bemerken wir, dals dieselben in ihrer gegenwärtigen Gestalt nur als Bausteine oder Grundlinien zu einer„Geschichte des deutschen Meistergesanges“ betrachtet sein wollen.
Noch harrt vieles urkundliche Material in den Archiven und Bibliotheken der Auf- erstehung durch den Druck, so dals obne Hebung jener wertvollen Schätze der Zeitpunkt nicht gekommen scheint, den lange von uns gehegten Gedanken zu verwirklichen, in einer„Geschichte des deutschen Meistergesanges“ ein Seitenstück zu unserer„Geschichte der deutschen Volks- poesie“ zu schaffen.
Allein der Wunsch, vielen flachen und falschen Darstellungen in etlichen Litteratur- geschichten zu begegnen, vor allem aber unserer von materialistischen und sozialistischen Ideen erfüllten Zeit das Bild eines schlichten, genügsamen und idealen Bürger- und Handwerkertums vorzuführen— dieser zeitgemälse Wunsch hat uns bestimmt, die nachfolgenden bescheidenen, im Drange kurz bemessener Zeit entstandenen Blätter schon jetzt dem Druck zu übergeben.*)
*) Quellen: A. Puschmann, Gründlicher Bericht des deutschen Meistergesanges. Frankfurt afO. 1596. Joh. Christ. Wagenseil, Von der Meistersinger holdseligen Kunst(cf. S. 14). Altdorf 1697. Kolmarer Liederhandschrift, herausgegeben von Karl Bartsch.(68. Publikation des litter. Vereins in Stuttgart.) Jakob Grimm, Über den altdeutschen Meistergesang. Göttingen 1811. von Büsching, Der Meistersänger holdselige Kunst;(in der Sammlung für altdeutsche Litteratur und Kunst). S. 164 ff. Breslau 1812.


