Aufsatz 
Muster zur analytischen Methode der Schulalgebra / von Theodor Walter
Entstehung
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Durch das baldige Übergehen zu zuſammenhängenden Sätzen wird auch eine gründliche Pflege des für das Franzöſiſche ſo beſonders wichtigen Satztones ermöglicht. Wenn die Schüler dieſen erſt zu treffen verſtehen, ſo ergibt ſich der richtige Wortton beinahe von ſelbſt. Auch hier hat ſich das Chorſprechen als vorzügliches Mittel bewährt, um dem erſtrebten Ziele raſch nahe zu kommen.

Zuletzt möchte ich noch erwähnen, daß ich mich bei der Einübung der Ausſprache durchaus nicht an die oben eingehaltene Reihenfolge zu binden pflege. Nichts ſcheint mir überhaupt verfehlter, als allzuvieles Syſtematiſiren bei dieſem Gegenſtand, wie überhaupt bei jedem Anfangsunterricht. Das Fort⸗ ſchreiten von einem Punkte zum andern muß ſich im Laufe des Unterrichts von ſelbſt ergeben; ſonſt würde dem Schüler eines der anregendſten Mittel erziehlichen Unterrichts, die Selbſtthätigkeit, ſehr vermindert werden.

6. Das Spiel im Stundenplan. Von Emanuel Schmuck.

Es iſt nicht eine Seele, nicht ein Körper,Man muß den einen nicht abrichten ohne den andern den man erzieht, ſondern ein Menſch. ſondern ſie beide gleich führen und leiten, wie ein Paar Aus dem müſſen wir keine zwei machen. an eine Deichſel geſpannte Pferde.

M. de Montaigne. Platon.

In den Kreiſen einſichtsvoller, vorurteilsloſer Pädagogen iſt man heute einig darüber, daß die moderne Schule die Aufgabe hat, ihre Zöglinge im Sinne der angeführten Worte zu erziehen. Man hat erkannt, daß Geiſt und Körper ein unteilbares Ganze ſind, und jeder von beiden durch den andern erſchloſſen werden muß, wenn der Menſch als harmoniſches Weſen in die Erſcheinung treten ſoll. Schon im vor⸗ jährigen Programm wurde von dieſem Geſichtspunkte aus die Forderung von mir geſtellt und mir ge⸗ bührt nicht das Verdienſt, der erſte damit geweſen zu ſein dem Turnen, bezw. dem Spiel dasſelbe Bürgerrecht in der Schule zu bewilligen wie den übrigen Lehrgegenſtänden. Wenn dieſe Forderung mit der dürren Bemerkung abgethan wird wie es in einer pädagogiſchen Zeitſchrift thatſächlich geſchehen iſt, daß das des Guten doch zu viel ſei, ſo iſt das eben eine Kritik, wie ſie heute unter dem lebens⸗ kräftigen Hauche, der uns aus dem Auftreten unſres jungen Kaiſers entgegen weht, nur noch von einer pädagogiſchen Mumie gefällt werden kann.

Nach den ſchönen Worten unſres Kaiſers ſoll der Lehrer jeden Tag turnen. Iſt die Folgerung, daß der Schüler es jeden Tag nachmachen ſoll, unberechtigt?! Sie iſt meiner Anſchauung nach nur eine notwendige Conſequenz und nur eine Erweiterung im Sinne der kaiſerlichen Worte.

Ebenſo wenig, wie die Verpflichtung der Schule zur harmoniſchen Erziehung beider Hälften des Menſchen, bezweifelt man heute noch den großen pädagogiſchen Wert der Jugendſpiele für die Erreichung dieſes Zieles. Nicht mit Unrecht führt man immer wieder Englands Söhne an als lebende Beweiſe für die Thatkraft, Ausdauer und Umſicht, die ſich durch das Spiel entwickeln laſſen. Nur da⸗ rüber iſt man ſich bei uns noch nicht klar, wie das tägliche, planmäßig betriebene Spiel in der Schule eingeführt werden ſoll, ohne Einrichtungen umwerfen zu müſſen, die durch das Alter geheiligt erſcheinen. In den nachfolgenden Erläuterungen ſoll nun über einen Verſuch berichtet werden, den unſere Anſtalt mit der Einführung des Spieles in den täglichen Stundenplan gemacht hat.

Unſere Schüler ſpielen, ſoweit es die Witterungsverhältniſſe geſtatten, täglich und zwar nach dem gegenwärtig geltenden Plane für das Winterſemeſter in der Zeit von 10 ¾ bis 11 ¼ Uhr. Dem Spiele iſt alſo eine halbe Stunde zugewieſen. Der Unterricht erſtreckt ſich auf die Zeit von 8 8 ½¼1, 9, 10 10 ¾(Spiel), 11 ¼ 12, 12 ½¼ 1 Uhr. Die zwiſchen dieſen Unterrichtszeiten liegenden Vier⸗ telſtunden ſind Erholungspauſen. Punkt 10 Uhr treten ſämtliche 8 Klaſſen der Anſtalt, in 4 Abteilungen geordnet, in Viererreihen auf beſtimmtem Platze im Hofe an. Unter Führung je zweier Lehrer erfolgt der Abmarſch nach dem jeder Abteilung zugewieſenen Spielplatz. Dieſer befindet ſich für die 4 unteren Klaſſen am Ufer der Nahe, für die 4 oberen unter ſchattenſpendenden Bäumen am Rheinufer. Hin⸗ und Rück⸗ marſch erfordern durchſchnittlich etwa 8 Min. Der Wechſel in den Spielen erfolgt nach den am Schluſſe beigegebenen Plänchen. Es ſei dazu bemerkt, daß für den Anfang bei der Auswahl der Spiele von dem Vielerlei abgeſehen wurde, um zunächſt ein tüchtiges Einſpielen zu erzielen. Der Spielplan für das