Aufsatz 
Muster zur analytischen Methode der Schulalgebra / von Theodor Walter
Entstehung
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des Wortes mit gewöhnlicher weißer Kreide. An dieſe Laute ſchließen ſich alsbald und ebenſo unterſchieden die beiden Spiranten v und k, von denen der erſtere ſchon etwas ſchwieriger für den Mitteldeutſchen zu artikulieren iſt, da er nur bilabialen Reibelaut zu ſprechen gewöhnt iſt. Der Gang der Erlernung iſt der folgende: Ein Wort, deſſen ſonſtige Ausſprache keine Schwierigkeiten bietet(phrase, tige, cage, vin*) classe, riche, cache, fin u. a.), wird mehrmals vom Lehrer deutlich vorgeſprochen, von den Schü⸗ lern erſt im Chor, dann einzeln wiederholt, und zuletzt mit Anwendung der genannten Farben an die Ta⸗ fel geſchrieben. Dadurch wird leicht eine Gruppenbildung: tönende tonloſe Spiranten im Gedächtnis der Schüler hergeſtellt, wie auch durch die Farbe die richtige Artikulation den Schülern ſtets ohne beſon⸗ dere Denkoperation ins Bewußtſein zurückgerufen. 3

An die Spiranten ſchließe ich die Verſchlußlaute an. Die ſtimmhaften Verſchlußlaute werden mit roſafarbener Kreide, die entſprechenden ſtimmloſen mit grüner Kreide bezeichnet(bu pu, blèé, pré, robe, chope; don ton, droit trois, vide vite; gant quand, bague sac u. ſ. w., ſpäter auch compliziertere Fälle wie gateau cadeau, cache gage u. ſ. w.) Sind beide Gruppen dem Schüler geläufig in der Ausſprache geworden, ſo gehe ich zur Unterſcheidung der offenen und geſchloſſenen Vokale über. Erſtere werden mit blauer Farbe(péôre, paire, sec, tort, leur u. a.), letztere mit brauner Farbe(6té, j'ai, assez, trop, pauvre, tableau, feu u. a.) dargeſtellt. Die übrigen einfachen Laute(1, m, n, r) ſowie die Naſalvokale, deren Artikulation keine beſondere Schwie⸗ rigkeit bietet, werden mit gewöhnlicher Kreide geſchrieben.

Sind nun ſämmtliche Laute genügend geübt und befeſtigt, ſo ſind bei den Schülern folgende Vor⸗ ſtellungsgruppen vorhanden:

Itönend, gelbe Farbe: s, v, j, g, v.

tonlos, rote S§,§s, C, c, ch, f.

Itönend, rosa Farbe: b, d, g.

ſtonlos, grüne: p, t, e, qu.

ſoffen, blaue Farbe: e, ai, ei, o, eu, œu. geschlossen, braune Farbe: e, ai, o, au, eau, eu, u.

Es bleiben noch übrig die mouillirten 1 und n, geſchrieben ⸗il(-eil,-ail),-ille- bezw. gn. Ihre Einübung und Befeſtigung geht ohne Schwierigkeit von Statten, da ſie durch die Schreibung genügend charakteriſiert ſind und ihre Artikulation(d. h. die richtige, nicht die häßliche norddeutſche des l mouillée) leicht feſtgehalten wird. Ebenſo geben die wenigen ſog. franz. Diphthonge, reine(ie, ieu, io, iau, oue, ia, oi, ui, oui), wie auch naſale(ien, ian, ion, oin, ouin, uin, ouen), keinen Anlaß zu längerem Verweilen, da ſie ſich nach ihrem zweiten, hauptſächlichſten Beſtandteil(ſie ſind ja ſog. ſteigende Diphthonge) unter die offenen oder geſchloſſenen Vokale, die ſchon eingeübt ſind, und die Naſalvokale, die keiner beſon⸗ dern Einübung bedürfen, einreihen laſſen. Die Lautverbindung x, die entweder als es oder gz zu ſprechen iſt, bietet nach dem Vorhergegangenen ebenfalls keine Schwierigkeiten. Was die ſtummen Konſonanten und das ſtumme e angeht, ſo mögen ſie durch untergeſetzte Punkte gekennzeichnet werden; ich habe gefunden, daß man auch ohne dies wenig in die Augen ſpringende Hilfsmittel auskommen kann.

Werden im Satzzuſammenhang ſtumme Konſonanten hörbar, ſo werden ſie mit der entſprechenden Farbe gekennzeichnet(les amis, s mit gelber Farbe, quand on, d⸗t**) mit grüner Farbe u. ſ. w.). Da⸗ durch und durch das möglichſt frühe Leſen und Sprechen von Wortgruppen wird auch die ſog.Bindung dem Schüler geläufig. Freil'ch möge man in demBinden nicht allzu weit gehen und Unmögliches ver⸗ langen, wie dies oft geſchieht; man ſuche vielmehr den Schülern klar zu machen, daß dieſe Erſcheinung keineswegs eine Beſonderheit der franzöſiſchen Sprache iſt, ſondern daß in allen Sprachen, und ſomit auch in der deutſchen, beim zuſammenhängenden Sprechen oft der Auslaut des vorhergehenden mit dem Anlaut des folgendes Wortes zuſammengeſprochen wird, was beim Singen leicht bemerkbar iſt(vgl. Dr. Th. Becker, Lehrproben und Lehrgänge, Heft XXVI, S. 33 ff.). Das Franzöſiſche nimmt nur dadurch eine beſondere Stellung ein, daß die meiſten Konſonanten im abſoluten Auslaut verſtummt ſind.

Spiranten Verschlusslaute

Vokale

*) Sämtliche tönende Spiranten enthält das Wort visage. **) Plötz, Syſt. Darſtellung der franz. Ausſprache 10,§ 31, S. 133; Paul Paſſy Le Français parlé, z. B. S. S. 4/5 grand acte(Zeile 18).