14
wiſſenſchaftlicher Beſchreibung der Sprachorgane; ſie ſucht ein gewiſſes Ortsgefühl der Lauterzeugung und für die Stellung der Sprachorgane, namentlich der Zunge zu erzeugen. Sie geht unter Berück⸗ ſichtigung der Mundart auf das Klarmachen der fremdſprachlichen Eigenart aus. Für unſre Gegend iſt wichtig, daß bewußte Unterſcheidung der ſtimmhaften und ſtimmloſen Laute ſtattfindet, weites Offnen des Mundes(gehöriges Trennen der Zahnreihen), größere Thätigkeit der Lippen angeregt, allzu dunkle Färbung der Vokale verhindert wird. Ortliche Fehler bedingen ferner nachdrückliche Übung in reiner Ausſprache der Vokale, in Scheidung von dumpfem und langem geſchloſſenem«, im Wechſel zwiſchen ı*und 1, von kurzem und langem o wie 5, naſalem und nicht naſalem Laute. Sind die Laute durch Analyſierung der Wörter anfänglich hinreichend geübt, nach und nach ſſſtematiſch gruppiert und wiederholt durchgenommen, ſo iſt neben dem Worttone dem Satztone, dem Sprechen von Wortgruppen und ganzen Sätzen beſondere Aufmerkſamkeit zu ſchenken. Damit der erſtere nicht allzuſehr aufkomme, ſind alle Übungen, auch die grammatiſchen, in Wortverbindungen, Satz⸗ teilen und ganzen Sätzen vorzunehmen, und iſt auf das laute Leſen, alles Sprachſtoffes, der zum Verſtändnis gebracht iſt, unter beſtändiger Beteiligung des Lehrers Wert zu legen. Der zu übende Satz wird in paſſende Teile zerlegt, der erſte derſelben ausführlich geübt, ebenſo der zweite, dann beide verbunden u. ſ. w. Und dies ſeitens einzelner Schüler nach Vorſprechen des Lehrers und auch im Chore aller Schüler und des Lehrers. Man glaube nicht, daß das Chorſprechen ſchädlich ſei durch das Verdecken der Fehler einzelner. Es können wohl bei dem einen oder andern zeitweiſe Fehler dadurch unbemerkt bleiben; allgemeinere Schwächen, Mängel ꝛc. werden aber ſogar verſtärkt an das Ohr des Lehrers klingen, und die ſicheren Schüler im Verein werden oft die Schwachen mitreißen, durch ihr Übertönen belehren. Freilich bildet Einzelübung den Anfang; iſt fortwährende Unterbrechung des Chorſprechens durch die Antworten einzelner nötig, um mechaniſches Weſen zu verhindern oder ſolches Verſtecken und Verdecken zu paralyſieren, und vor allem ſind aufmerkſame Beteiligung und ein nicht zu lautes Sprechen erforderlich. Haben aber Gewöhnung und Disziplin die möglichen Miß⸗ ſtände der Chorübungen auf ein Minimum reduziert, ſo ſind die Vorteile ihrer paſſenden Anwendung in den unteren Klaſſen allzu verlockend, um ſich derſelben nicht gerade beim Sprachunterrichte zu be⸗ dienen: das unermüdliche Eingreifen und Vorſprechen des Lehrers bleibt die Hauptſache.
b. Die erſte Behandlung des unbetonten Perſonalpronomen. Unſer Lehr⸗ gang, der ſich Rickens Elementarbuch anſchließt, hat für eine lateinloſe Schule ſehr früh in die Be⸗ handlung des unbetonten Perſonale einzutreten, zu einer Zeit, in der die deutſche Sprachlehre noch nicht genügend vorgebaut hat. Die Einleitung beſteht deshalb in einer Befeſtigung, bezw. Begründung der Kenntniſſe der Klaſſe hinſichtlich der deutſchen perſönlichen Fürwörter. Aus dem Sprachſchatze der Schüler werden die Fürwörter hervorgeholt, feſtgeſtellt, als kurze Vertreter von Perſonen⸗ und Sachnamen charakteriſiert, nach Perſon und Zahl gruppiert, in einem Leſeſtück aufgeſucht und an Bei⸗ ſpielen eingeübt, insbeſondere für Subſtantive eingeſetzt. Darauf erfolgt die Ableitung ihrer Dekli⸗ nation aus Satzbeiſpielen durch Einſetzen für dasſelbe Subſtantiv in den vier Kaſus; längeres Ver⸗ weilen iſt bei der dritten Perſon nötig: die drei Geſchlechtsformen machen Schwierigkeit, ihr Fehler bei der erſten und zweiten Perſon iſt hervorzuheben. Nachdem die Deklination ſyſtematiſch(in der dritten Perſon erſt für die einzelnen Geſchlechter, dann für alle drei zuſammen), auch im Chore geübt iſt, ſind die casus obligui nochmals in einem Leſeſtück zu beſtimmen und in Beiſpielſätzen zu üben. Dann iſt erſt der Übergang zum Franzöſiſchen möglich. Die Nominative der tonloſen Perſonalien ſind bekannt; an ſie wird angeknüpft. Daran ſchließen ſich franzöſiſche Beiſpielſätze mit Dativ⸗ und Accuſativobjekten. Die Subſtantivobjekte werden darin durch die Pronominalobjekte erſetzt und ſo die Kaſus der einzelnen Perſonalien gewonnen, um ſie zuſammenzuſtellen und in Verbindung mit den deutſchen Fürwörtern ſyſtematiſch zu deklinieren. Darauf erfolgt die Einübung des folgenden Stückes(Kap. XII): Nous sommes ici à l'école, dans une salle de classe. Nous Hre- nonus nos liores et nous les ouvrous. NVotre mailre nous diit de lire bien lentement. Nous lui obéissons, car un bon élove obéit volontiers. A présent, le madltre noas dit de prendre nos ca- Riers. Vous écrivons. Notre maitre est bon. Il nous aime beaucoup. Nous sommeées bien gais. Hier vollzieht ſich auch die Erklärung über die Stellung der Pronominalobjekte und das Einprägen des Unterſchieds in beiden Sprachen, alles unter Beſchränkung auf ein Objekt. Zur Befeſtigung des franzöſiſchen Sprachgebrauchs und zur Einübung der einzelnen Kaſus erfolgt nun die Variation des


