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Tonſtärke und Tonfärbung zu regeln. Die Tonhöhe wird ſchon durch mäßig lautes Sprechen etwas über die gewöhnliche Mittellage kommen, das Tempo meyhr getragen, gehalten, ge⸗ bunden ſein als in der ungebundenen Rede. Tonſtärke und Tonfärbung ſollen in beſcheidenen Grenzen wechſeln, damit das Kind nicht aus der Sphäre naiver Ausdrucksweiſe ſeiner Empfindungen geriſſen und zu unwahren Außerungen veranlaßt wird. Danach hat auch der Lehrer ſeinen Vortrag ſchon zu bemeſſen und hier bei Str. 1 zu beachten, daß ein Knabe bittet. An den Verſen von Str. 1 werde durch das Beiſpiel des Lehrers wiederholt das Heben, Senken und Halten des Tones verdeutlicht und gezeigt, in welchem Maße der Rhythmus des Gedichts durchklingen darf. Grade das allzu ſtarke Einhalten der Verszeilen, das Senken der Stimme gegen das Ende des Verſes hin, das Betonen des Reimes, das gleichmäßige Hervorheben des Rhythmus bewirken den unerträglichen Leierton, der den Genuß des„Kunſtwerks“ zerſtört. Iſt in dieſer Weiſe, natürlich ohne theoretiſche Erklärung, durch beſtändiges Vorſprechen des Lehrers der richtige Tonfall für Str. 1 durch viele Schüler, erſt die beſten, dann die ſchwächeren feſtgeſtellt, ſo wird dieſe Strophe unter Beteiligung des Lehrers von der ganzen Klaſſe im Chor mehrmals rezitiert. Fehler aller werden nicht vorkommen, die einzelner werden ſtets vor neuen Wiederholungen berichtigt; ſchließlich beteiligt ſich der Lehrer nicht ſelbſt, ſondern gibt höchſtens den Takt an, aber auch das kann unterbleiben. Die vorausge⸗ gangenen Erklärungen, der ausdrucksvolle Vortrag, beſondere Winke des Lehrers werden inzwiſchen das unabſichtliche Einprägen der 1. Strophe faſt allen Schülern ermöglicht haben. Zum Beweiſe wird dieſelbe erſt von einzelnen, ſchließlich von allen Schülern zuſammen wiederholt. Den ſchwächſten Schülern wird man noch beſonders helfen; wiederholte Hinweiſe auf den Inhalt, die anregende Ge⸗ meinſchaft der Mitſchüler, der Anſporn, der allein in der Beteiligung des Lehrers liegt, die ſofortige Anerkennung ihrer Leiſtungen laſſen auch dieſen die Arbeit gelingen. Das Gedächtnis iſt entlaſtet durch die Teilnahme von Verſtand, Gemüt und Einbildungskraft. Während zu Hauſe leerer Wort⸗ ſchwall mühſam bewältigt worden wäre, herrſcht hier meiſt Leben, wird hier eine geiſtig allſeitig fördernde Übung vollzogen, findet eine unmittelbare Einführung in das innere Verſtändnis des Ge⸗ dichts, eine ſinnliche Aufnahme des Kunſtwerks ſtatt. Wenn anders das Gedicht richtig ausgewählt iſt, wird das Einüben des Vortrags durch Chorſprechen, zumal in den unteren Klaſſen, nicht als mechaniſche, die individuelle Behandlung tötende Abrichtung zu bezeichnen ſein. Einmal beruht auf den erſten Unterrichtsſtufen faſt jede Bethätigung der Schüler vornehmlich auf Nachahmung, zum anderen findet hier eine abſolut notwendige Wechſelwirkung von Gefühl und Außerung desſelben ſtatt, da auch zwiſchen Dichterſprache und Inhalt des Gedichts ein bis ins einzelne durchgeführter Parallelis⸗ mus beſteht„ſo daß erſt die Gewinnung der rechten äußeren Darſtellungsweiſe dem Schüler die Ge⸗ mütslage vollſtändig und bis ins einzelne aufzuſchließen vermag, die den Inhalt fördert.“(Waitz, Pädagogik.) Ja das Chorſprechen vermeidet grade, was ſo oft vom Betriebe der Deklamation ab⸗ ſchreckt, eine dem zarten Alter unangemeſſene(allzu ſtarke, überhaupt unnatürliche) Gefühlsäußerung. Eine verhältnismäßig geringe Intenſität des Empfindungsausdrucks des Einzelnen(eine größere würde den Choreffekt übertrieben ſteigern), die meiſt unter dem natürlich zuläſſigen Maße liegt, genügt, um an des Schülers Ohr eine Sprache tönen zu laſſen, die ihn in die Empfindungen des Dichters verſetzt. Ferner werden Schwächen der Deklamation durch das Chorſprechen auf die Dauer nicht allein nicht verhüllt, ſondern deutlicher; die Talentvollen reißen die Schwachen mit fort. Die Übungen an einzelnen Verſen nähern ſich in ihren Wiederholungen dem Verfahren in der Geſangſtunde; jeder Teilnehmer wird zur Erkenntnis gezwungen, daß es eine beſtimmte Betonung gibt, die den Empfin⸗ dungen am beſten entſpricht, und hat beim Entſcheiden für dieſe und Einhalten derſelben ſich mit Gründen für und wider abzufinden, was ohne vertiefte Auffaſſung des Inhalts unmöglich iſt. Ebenſo werden die drei Unterabteilungen von Teil II erſt einzeln, dann der Reihe nach verbunden eingeübt, ſchließlich im Chor und auch von einzelnen frei vorgetragen. Darauf erfolgt die Verbindung der Teile 1 und II. Der für das judiziöſe Memorieren weſentliche logiſche Zuſammenhang beider Teile iſt leicht erſichtlich: der um das Schwert bittende Knabe hat keine Ruhe mehr im Knabenſtande. Daß er Kraft und Mut fühlt, ſagt Strophe 1; in Str. 2 rühmt er ſich des Ehrgefühls und Ehrgeizes. Für das Vaterland zu ſterben verlangt ſein dem väterlichen nachſtrebender Stolz. Und nicht jetzt erſt beſchleichen ihn dieſe Gefühle. In ſeiner Kindheit ſchon war ſein täglich Spiel der Krieg; ſelbſt ſeine Traum⸗ bilder und Phantaſieen waren voll davon(Str. 3), wie jener Fauſtſchlag zeigt, der ihn aus dem


