Aufsatz 
Eine zweckmäßige Darstellung der Rentenrechnung für die Schule / von Theodor Walter
Entstehung
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Zweitens finden wir Farbenwechſel mit der Jahreszeit, und zwar ohne erkennbare Anpaſſungs⸗ beziehung beim Eichhörnchen, ferner denſelben Wechſel, aber, wie leicht zu erkennen, als Schutzfärbung wirkſam, und zwar auch wieder nach den zwei Richtungen der Verteidigung und des Angriffs, bei Rentier und Hermelin. Daran ſchließt ſich drittens an: der mit dem Lebensalter eintretende Wechſel in der Färbung bei Wildſchwein und Löwe. Viertens folgen dann die Farbenverſchiedenheiten zwiſchen den Individuen derſelben Art: weiße Mäuſe, Maulwürfe und Elefanten, ſchwarze Eichhörnchen, Brand⸗ und Silberfuchs. An dieſe reihen ſich endlich fünftens die Haustiere unmittelbar an, deren verſchiedenartige Färbungen individuelle Farbenänderungen ſind, die durch Züchtung von ſeiten des Menſchen feſtgehalten worden ſind. Während alſo bei dieſer Betrachtung Säugetierarten, die im Syſtem weit von einander ſtehen, nahe zuſammenkommen, ſo werden nun wieder ganz andere Arten zur Viederholung gebracht, wenn man in ähnlicher Weiſe, wie die Farbe, die Körperbedeckung bei derſelben Tierklaſſe behandelt. Auch hier wieder laſſen ſich die von den Schülern namhaft gemachten Beiſpiele von auffallender Körperbedeckung nach allgemeinen Beziehungen ordnen. So ergiebt ſich zunächſt eine Stufenreihe von Haarbildungen: die gewöhnlichen weichen Haare, die Borſten des Schweins, die Bartborſten des Seehunds und Walroſſes, die Stacheln des Igels und Stachelſchweins. Zuſammen⸗ zuſtellen wären dann weiter die Gürtel⸗ und Schuppentiere und anhangsweiſe dabei zu erwähnen der Biber wegen der eigentümlichen Bedeckung ſeines Schwanzes. Ferner laſſen ſich miteinander ver⸗ gleichen die Wale und die meiſten Dickhäuter hinſichtlich der faſt vollkommenen Haarloſigkeit. Endlich aber kreuzt ſich dieſe Betrachtung an verſchiedenen Punkten mit der vorigen, der Betrachtung der Färbung. Dort war der Löwe wegen ſeiner Schutzfarbe und der Zeichnung der Jungen aufgeführt worden, hier iſt er wegen der Mähne, die den Unterſchied der Geſchlechter bezeichnet, zu erwähnen. Wie ferner die Haustiere in ihrer Färbung große Verſchiedenheiten zeigen, ſo ſind ihre Raſſen zum Teil auch durch ſehr verſchiedene Behaarung ausgezeichnet; und beides hat denſelben Grund. Es treffen dann ſchließlich noch die beiden Betrachtungsweiſen zuſammen in der Erkenntnis, daß einerſeits auffallende Färbungen und anderſeits gerade die merkwürdigſten Körperbedeckungen, nämlich die Stacheln, die Schuppen⸗ und Knochenpanzer, ſich als Schutzmittel wirkſam erweiſen. Dies führt nun wieder zu einem dritten Geſichtspunkt. Denn es liegt doch jetzt die Frage nahe, welche Schutz⸗ mittel überhaupt außer den ſchon genannten bei den Säugetieren ſich noch finden, ebenfalls ein ſehr fruchtbarer Gedanke, den ich aber, nachdem meine Meinung durch die vorausgehenden Beiſpiele wohl klar geworden iſt, nicht weiter auszuführen brauche. Nur das Eine mag erwähnt werden, daß bei dieſem Punkte ſich Gelegenheit bietet, auch andere, als reine Geſtaltverhältniſſe zu wiederholen. Denn zu den Schutzmitteln gehören auch die Wohnungen, ferner die Fähigkeit der raſchen und der unter den verſchiedenſten Umſtänden ſich bewährenden Fortbewegung. Als Gegenſtück zu den Verteidigungsmitteln bieten ſich es wäre dies der vierte Geſichtspunkt die Angriffs⸗ waffen dar: die Klauen und Krallen, Zähne, Hörner und Geweihe. Eine fünfte Aufgabe iſt dann, die Säugetiere hinſichtlich der Ortsbewegung zu ordnen. Die Betrachtung der verſchiedenen Arten derſelben, des Laufens, Kletterns, Springens, Fliegens, Schwimmens, bietet die günſtigſte Gelegenheit, einen ſehr großen Theil des Lernſtoffs in neuer Zuſammenſtellung und dadurch auch vielfach neuer Beleuchtung in die Erinnerung zurückzurufen. Dieſe ganze Reihe von Betrachtungsweiſen gipfelt in dem allgemeinen Ergebnis, daß in der Natur die gleichen Wirkungen durch die verſchieden⸗ artigſten Mittel erzielt werden. Der zu wiederholende Stoff läßt ſich nun aber, wenn genügende Zeit zur Verfügung ſteht, noch weiter durcharbeiten, indem man ſtatt der phyſiologiſchen Seite mehr die morphologiſche betont. Man läßt alſo z. B. die wichtigſten und merkwürdigſten Formen der Gebiſſe zuſammenſtellen und die verſchiedene Art ihrer Benutzung hervorheben. Oder man verfährt in der⸗ ſelben Weiſe mit den Gliedmaßen, mit dem Schwanze, mit der Zunge u. ſ. w., was alles wohl auch keiner weiteren Ausführung bedarf. Dadurch erhält man eine zweite Reihe von Betrachtungs⸗ weiſen, die ihrerſeits auch wieder in einem allgemeinen Ergebnis gipfeln, nämlich dem, daß entſprech⸗ ende(homologe) Teile des Tierkörpers die verſchiedenartigſten Lebensverrichtungen erfüllen und dem⸗ gemäß ſehr verſchiedenartige Formausbildung haben können. Durch in ſolcher Weiſe geleitete Wieder⸗ holungen wird das rein gedächtnismäßige Feſthalten des durchgenommenen Stoffes, wie es durch die unmittelbare Wiederholung erſtrebt wird, in verſchiedenen Beziehungen ergänzt und in jeder Be⸗ ziehung vertieft.

Bingen, Jahresbericht 1890. Nr. 622. 2