Aufsatz 
Eine zweckmäßige Darstellung der Rentenrechnung für die Schule / von Theodor Walter
Entstehung
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2. Schülererperimente als Repetitionsmittel. Von Herman Jäger.

Immer aufs Neue wird an den phyſikaliſchen und chemiſchen Unterricht die Forderung ge⸗ ſtellt, durch Anleitung der Schüler zu ſelbſtändigem Experimentieren die theoretiſche Unterweiſung zu ergänzen und damit den in der Jugend regen Trieb zu praktiſchen Arbeiten auszubilden. Immer wieder wird aber auch, trotz faſt allgemeiner Anerkennung des außerordentlichen Wertes, den praktiſche Thätigkeit für die Förderung der Unterrichts⸗ und Erziehungszwecke haben müßte, auf die Schatten⸗ ſeiten der Schülerexperimente hingewieſen, und mit Rückſicht darauf werden dann dieſelben entweder ganz verworfen oder doch auf mehr oder weniger private Beſchäftigung beſchränkt. Ein ſchulmäßiger Betrieb wird, ſoviel mir bekannt iſt, höchſtens für die letzte Altersſtufe der Realgymnaſien zugeſtanden. Für die Realſchulen, denen doch ihrem ganzen Charakter nach die Pflege der praktiſchen Thätigkeit ganz beſonders am Herzen liegen muß, bliebe dann alſo dieſe Seite der Bildung verſchloſſen.

Wie mir ſcheint, wird man aber bei einer ſolchen Verwerfung zu ſehr von dem Gedanken beherrſcht, daß es ſich bei der Einführung von Schülerverſuchen im Weſentlichen um eine verkleinerte Nachbildung der Laboratoriumseinrichtungen der Hochſchulen handle. Ich habe bei dem Verſuche, eine Form zu finden, in der ſich die Schülerexperimente in den Rahmen des Realſchulunterrichtes einfügen laſſen, einen anderen Weg beſchritten und ſeit einigen Jahren im chemiſchen Unterricht eine Einrichtung getroffen, durch die ſich dieſe Experimente ganz unmittelbar, nämlich als Wiederholung der vom Lehrer ausgeführten Verſuche, dem Unterricht anſchließen.

Ich ging dabei von folgender Überlegung aus. Jede Wiederholnng hat zwei Seiten: einmal iſt ſie ein Mittel, um den Unterrichtsſtoff durch nochmaliges Durchnehmen feſter einzuprägen; zweitens aber iſt ſie, da ja eine Wiedergabe in den eigenen Worten des Schülers und aus ſeinem erworbenen Können heraus verlangt wird, ein Mittel zur Ausbildung der Selbſtthätigkeit, ſie iſt in dieſer Hinſicht ſelbſt eine Art Produktion. Und gerade dieſe Seite iſt von beſonderer Wichtigkeit. Denn ob eine eigene Wiedergabe des Aufgenommenen wahrhaft nutzbringend für die geiſtige Ausbildung des Schülers wird oder nicht, dies hängt ganz weſentlich davon ab, daß wenigſtens eine Spur von ſchöpferiſchem Triebe, wie er durch anregende Lehrweiſe und durch den Reiz der paſſend geſtellten Aufgabe geweckt werden kann, in dieſer Wiedergabe einen Ausdruck ſucht.

Nun verfügt der in Chemie Unterrichtende über zwei Ausdrucksmittel: Worte und Erperi⸗ mente; dieſe letzteren aber ſind das eindrucksvollere von den beiden Mitteln. Was liegt alſo näher, als daß man danach ſtrebt, dem Schüler bei der ihm aufgegebenen Reproduktion auch dieſe unmittel⸗ bareSprache der Thatſachen zugänglich zu machen?

Ich verfahre deshalb in folgender Weiſe: Wenn in der II. Klaſſe der(nach Arendts Grund⸗ zügen der Chemie erteilte) Unterricht bis zu den Verbindungen höherer Ordnung(Abſchnitt XI) vor⸗ geſchritten iſt, ſo wird der ganze durchgenommene Stoff in ſo viele Stücke eingeteilt, als Schüler in der Klaſſe ſind, alſo z. B. 22. Dieſe Stücke werden nun nach einem zuſammengeſetzten Los⸗ und und Wählverfahren unter die Schüler verteilt. Iſt alſo z. B. einem als Aufgabe das Jod zugefallen, ſo hat er in der Stunde, in der er an die Reihe kommt, die Eigenſchaften dieſes Stoffes in zuſammen⸗ hängender Darſtellung zu behandeln, indem er zeigt, daß Jod beim Erhitzen ſich in veilchenblaue Dämpfe verwandelt, ſich in Waſſer, Alkohol, Äther und Schwefelkohlenſtoſſ auflöſt und Stärkelöſung blau färbt. Auf dieſe Verſuche bereitet er ſich am Tage vorher unter meiner Anleitung vor und wird bei dieſer Vorbereitung ſowohl, als auch in der Stunde ſelbſt von einem anderen Schüler, den er ſich als Gehilfen erwählt hat, unterſtützt. Durch dieſe Einſtellung von Gehilfen wird es möglich, jeden Schüler zweimal zur Beteiligung an den Verſuchen heranzuziehen. Da durchſchnittlich in einer Stunde zwei Schüler ſich ihrer Aufgaben entledigen, ſo werden alſo bei 22 Schülern etwa 11 Stunden auf dieſe Geſamtwiederholung verwendet.

Wenn der chemiſche Unterricht in der J. Klaſſe mit der anorganiſchen Chemie zu Ende ge⸗ kommen iſt, ſo findet eine zweite derartige Geſamtwiederholung ſtatt. Hier wird jedoch die Einteilung zum Teil abweichend von dem Gange des Lehrbuchs vorgenommen. Es bleiben in der von Arendt gewählten Ordnung die Waſſerſtoffverbindungen; dagegen die anderen in dieſer Klaſſe durchgenommenen