Aufsatz 
Der Anfangsunterricht im Englischen auf lautlicher Grundlage / von Max Walter
Entstehung
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Also auch für den schulgemässen Unterricht im Deutschen gelte der Grundsatz: Erst der Laut, dann die Schrift! Die letztere wird, wie Seite 9 gezeigt, durch die genaue Unterscheidung der Laute nur gewinnen können und die Verwechslungen von Buchstaben wie p 5, t d, k g; g. ch under werden dann von selbst aufhören oder doch erheblich vermindert werden. Dass diese Rückwirkung nicht ausbleibt, habe ich besonders in Quinta erfahren, wo ich neben dem französischen den deutschen Unterricht erteile.*)

Da diese Abhandlung schon über den Rahmen einer Jahyresberichtsarbeit hinausgeht, so muss ich mit den Betrachtungen über Laut und Schrift abschliessen. Die Andeutungen über die mündliche und schriftliche Verarbeitung des Lesestoffes, über den Ersatz der Uber- setzung aus dem Deutschen in die fremde Sprache und über den induktiven Gewinn der gram- matischen Gesetze gedenke ich auf Grund der im Unterricht gesammelten Erfahrungen demnächst weiter auszuführen..

Meinen Wunsch für die Umgestaltung des neusprachlichen Unterrichts möchte ich schliesslich dahin zusammenfassen:

Man lehre die Sprache in möglichster Anlehnung an die natürliche Erlernung der eigenen Muttersprache; man führe die Schüler gleich in die lebende Sprache ein und leite sie dazu an, auf dem Wege vom Laut zur Schrift durch Beobachtung der Einzelfäll die wichtigsten Sprachgesetze selbst zu gewinnen. 2

Ein solcher Gewinn ist ein sicherer und fester, während all die Einzel- sätze mit den vielen Regeln über Aussprache, Rechtschreibung und Grammatik nur das Gedächtnis belasten, aber weder den Verstand noch das Gemüt ausbilden und nach längerer oder kürzerer Zeit meist wieder vergessen werden.

Möchte das Zusammenwirken von den Vertretern der Universität und der Schule, welches den ersten allgemeinen Neuphilologen-Tag zu Hannover auszeichnete, auch auf der dies- jährigen. zu Pfingsten stattfindenden Versammlung in Frankfurt a. M. in eben so erfreulicher Weise hervortreten und so dazu beitragen, dass die allgemeine geistige Ausbildung der

Jugend mehr und mehr gefördert und ihr zugleich die immer wichtiger werdenden praktischen Sprachkenntnisse vermittelt werden! Das ist der Wunsch all der Männer, welche schon seit

Jahren durch Wort und Schrift auf die Umkehr des Sprachunterrichts hingewirkt haben und von denen ich an dieser Stelle nur der leider so früh da hingeschiedenen Vorkämpfer Felix Franke und August Rhode in Dankbarkeit gedenken möchte.

*) Uber die günstige Einwirkung der lautlichen Schulung auf Laut und Schrift im Deutschen w erde ich meine Erfahrungen im nächsten Hefte der Phonetischen Studien mitteilen.

Anmerkung: Für das Französische liegt jetzt ein nach obigen Gesichtspunkten bearbeitetes gutes Lese- buch vor, auf welches ich die Fachgenossen aufmerksam machen möchte. Französisches Lesebuch. Unterstufe von Karl Kühn. Bielefeld und Leipzig. Verlag von Velhagen und Klasing 1887: dazu gehören zwei interessante Begleitschriften.Der französische Anfangsunterricht undUbungen zum französischen Lesebuch, worin der Ver- fasser die neueren Gesichtspunkte ausführlich erörtert. Ausserdem möchte ich auch auf den lebrreichen Aufsatz von Lange: Artiknlationsgymnastik, Ztschr. f. neufr. Spr.& Lit. VIII, 3, S. 158, ff. hinweisen. Für das Eng- lische soll in diesem Jahre ein Englisches Lesebuch von W. Vietor und F. Dörr im Verlag von Teubner in Leip- zig, erscheinen. Für den Lehrer, der sich mit dem wissenschaftlichen Studium der lebenden englischen Sprache zur Förderung seines Unterrichts weiter beschäftigen will, möchte ich hier noch das vorzügliche Werk von J. Storm: Englische Philologie I. Die lebende Sprache. Heilbronn, Henninger 1881 besonders hervorheben.