Aufsatz 
Der Anfangsunterricht im Englischen auf lautlicher Grundlage / von Max Walter
Entstehung
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36 1 wo solche zur genaueren Nachahmung des gesprochenen Wortes nötig sind, durchaus keine Be-

lastung des Gedächtnisses herbeiführen, da sie, wie sich aus meinen Auseinandersetzungen ergiebt,

nicht etwa wie Regeln auswendig gelernt, sondern vom Verstande aufgenommen werden. Die

Phonetik verfolgt ferner keinen Selbstzweck in der Schule, sondern ist nur ein Mitttel, das

schneller und sicherer zum Ziele führt. Da bei einer derartigen sich in engen Grenzen be-

wegenden Verwendung der Phonetik zugleich die vielen Aussprache- und Orthographie Regeln fortfallen, so ergiebt sich hieraus eine wesentliche Entlastung des Gedächtnisses(vergl. S. 6).

Wenn den Anhängern der neuen Richtung im Sprachunterricht die Meinung unter- geschoben wird, dass nun alle Schüler sehr gutes leisten müssten, so möchte ich nur be- merken, dass selbst die neue Methode den bisherigen Unterschied zwischen guten und schwachen Schülern nicht zu beseitigen vermag. Ein solcher wird eben nach jeder Methode vorhanden sein. Nur fragt es sich, ob nicht die Zahl der zurückbleibenden Schüler häufig durch die Methode selbst bedingt ist, und da glaube ich, dass die dem kindlichen Verstand und Gemüt mehr zusagende Gistesnahrung ng, wie sie ihnen auf dem neueren Wege geboten wird, schon grössere Er- folge in sich birgt. Im Vergleich mit meinem früher nach dem Schiulbuch erteilten Unterricht habe ich wenigstens nicht nur im Englischen, sondern auch im Französischen die Erfahrung gemacht, dass die nur scheinbar höheren Anforderungen allen Schülern viel leichter fallen, und dass selbst der schwäüchste Schüler Lust und Liebe am Unterricht zeigt und dabei mehr lernt, als es früher der Fall war; denn er hat sich doch allmühlich eine Zahl von Gedichten und Erzühlungen, die ihm nach Sprache und Inhalt geläufig geworden sind, sicher angeeignet und kann sie nicht nur lesen und übersetzen, sondern auswendig nacherzühlen. Somit hat er mehr von der wirk- lieben Sprache gelernt als durch alle flüchtigen Einzelsätze, welche sonst die hauptsächlichste Nahrung des Anfangsunterrichts bilden.

Die Ansicht, Sdass die neuere Methode sich wohl für den Einzel-, nicht aber für den Klassenunterricht eigne, ist nichts als eins der Vorurteile, deren es so viele aut diesem Gebiete zu bekämpfen giebt, die aber allmählich der Erfahrung weichen werden.*)

Nicht der geringste Gewinn der natürlichen Methode fällt aber der Mutter- sprache zu. Abgesehen davon, dass die Ubertragung der Lesestücke in gutes Deutsch letzteres in hohem Grade zu fördern und den Unterschied zwischen dem Satzbau der fremden und der eigenen Sprache deutlich hervorzuheben vermag, so ist gerade die strenge lautliche Schulung für die Erlangung einer guten deutschen Aussprache von hohem Werte. Hat der Schüler die Laute der fremden Sprache genau unterscheiden und nachsprechen gelernt, so überträgt sich diese Unterscheidung bei geeignetem Hinweis seitens des Lehrers auch auf die Lauba der Mutter- sprache. Nur wird hier bei dem fortwührenden Gebrauch des Lialekts noch um so mehr darauf zu achten sein. Darum ist es durchaus nötig, dass das Kind, welches so leicht Laute nachahmt, dieselben schon im ersten Schul jahr genau unterscheiden und nachsprechen lernt; nur dadurch werden wir allmählich den so vielfach geäusserten und berechtigten Thcne dass der gebildete Deutsche sich einer möglichst dialektfreien Aussprache bedienen möge, i Erfüllung gehen schen.

2) Wie schnell die Kinder das lebendige Wort der gesprochenen Sprache auffassen, habe ich in Quinta erfahren, wo ich beim deutschen und französischen Unterricht öfters genötigt war, einem amerikanischen Schäler, der noch wenig Deutsch konnte, englische Erklärungen zu geben. Nach einiger Zeit stellte sich heraus, dass die Schüler, ohne darauf aufmerksam gemacht worden zu sein, eine ganze Reihe von englischen Wörtern, die ich gebraucht hatte, mit deutscher Bedeutung hersagen konnten und zwar meist solche, die ihnen Bezichungen zu

deutschen oder bekannten französischen Wörtern boten.