Aufsatz 
Der Anfangsunterricht im Englischen auf lautlicher Grundlage / von Max Walter
Entstehung
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dem die neuen Wörter nach der lautlichen und inhaltlichen Durchnahme des Stückes nur durch Anschreiben an die Tafel den Schülern bekannt geworden waren. Niemals sind die Lautzeichen an die Stelle der gewöhnlichen Schriftzeichen gesetzt worden.

Professor Passy schreibt mir über die Lautschrift Folgendes:In Diskussionen habe ich bisweilen gut gefunden, die Lautschrift zu vergleichen 1. mit einem Schubkarren, der doch an und für sich eine unnütze Last ist, aber hilft, die schweren Backsteine leichter zu tragen, 2. mit einem Baugerüste, das die Arbeiter aufbauen, um es dann wieder niederzureissen, und ohne welches das Haus wohl dreimal so viel Mühe kosten würde.

Bei den Bemühungen, eine gute Aussprache zu erzielen, muss noch darauf verwiesen werden, dass der unaufhörliche Wechsel zwischen der deutschen und englischen Mundstellung durchaus zu vermeiden ist.*) Dies geschieht, wenn das Übersetzen der Einzelsätze aufhört und die Lektüre so gehandhabt wird, dass nicht derselbe Schüler hinter einander englisch und deutsch zu lesen hat, sondern dass sich hierbei zwei Schüler abwechseln. Auch beim Abfragen von Worten und Redensarten lasse ich dieselben gewöhnlich von dem einen Schüler englisch, von dem andern deutsch aufsagen und vom dritten buchstabieren. Die an die Wandtafel geschriebenen Wörter werden ebenso von dem einen Schüler englisch abgelesen, während der andere die deutsche Bedeutung einsetzt; oder die ganze Klasse liest die Wörter in der von mir bezeichneten Reihenfolge vor und giebt darauf die deutsche Ubersetzung.

Wenn der Lehrer somit vom ersten Augenblicke an auf eine gute Aussprache Wert legt und keine Fehler durchgehen lässt, so werden auch die Schüler den Anforderungen des Lehrers um so mehr gerecht zu werden suchen, als ihnen die genaue Nachahmung des vorgesprochenen Wortes nach der Uberwindung der lautlichen Schwierigkeiten selbst grosse Freude bereitet.

So gewinnt der Schüler durch den von den Lauten ausgehlenden Anfangsunterricht eine feste Grundlage für die Aussprache des Englischen. Er erhält eine genaue Ubersicht über alle englischen Sprachlaute und erkennt, dass sie nicht, wie man oft noch glaubt, ein unentwirrbares Chaos bilden, sondern sich alle genau bestimmen lassen, da jedem ein fester Lautwert zukommt. Somit kann er jedes im Zusammenhang erlernte oder neu gehörte Wort in seine Laute zerlegen und sich dieselben durch die Lautschrift auch sichtbar vorführen. Dadurch erlangt der Schüler einen sichern Massstab für die Beurteilung seiner eignen Aussprache sowie die seiner Mitschüler. Er vermag daher alle Fehler zu erkennen und zu beseitigen, welche infolge des Einflusses des Schriftbildes oder des heimischen Dialekts wieder einmal in sein Englisch übergehen.

Ausserdem haften die in Gedichten und Lesestücken geübten Lautverbindungen nach Aussprache, Wort- und Satzton sicherer als diejenigen, welche in Einzelsätzen erlernt werden. Dies weiss ich aus eigener Erfahrung aus der Schulzeit zu beurteilen. Von dem ganzen Unter- richt im Polnischen, den ich während eines Jahres, in Sexta, bei einem vorzüglichen Lehrer genossen habe, ist mir nichts in Erinnerung geblieben, als ein einziges Gedicht, das ich noch jetzt, nach 20 Jahren, genau kann. An diesem vermag ich mir die polnischen Laute wieder vorzuführen und den Sinn der Worte aus dem Zusammenhange festzustellen. Auch fallen mir dabei noch einige grammatische Beziehungen ein, während die vielen eigens für die Einübung der grammatischen Regeln berechneten Einzelsätze mir nicht mehr gegenwärtig sind. Hätte ich also nicht das Gedicht aus dem Unterricht

*] Vgl. hierüber die interessanten Ausführungen Schröers in seiner schon erwähnten Schrift: ijber den Unterricht in der Aussprache des Englischen. S. 12 ff.